"Dauerbrenner" am Kriebsteinsee

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75 Jahre"Freie Presse" Rund um die Talsperre Kriebstein hat die "Freie Presse" viele Geschichten aufgegriffen und über Jahre fortgeschrieben.

Kriebstein.

Verglichen mit Laufsportarten, erscheinen Berichte einer Tageszeitung wie ein Sprint. Bei Erreichen des Zieleinlaufs scheint der Start, also der Anlass für die Geschichte, schon fast vergessen. Schnelllebig ist das Geschäft, welches das Zeitgeschehen spiegelt. Und doch gibt es gerade im Lokalteil der "Freien Presse" auch die "Dauerbrenner". Themen, an denen Redakteure wie bei einem Marathon teils über Jahre dran bleiben. Am Beispiel des wohl bekanntesten Ausflugsziels Mittelsachsens, der Talsperre Kriebstein, hat die "Freie Presse" eine Auswahl solcher Geschichten zusammengestellt: Den Schatz von Kriebstein entdeckt hat Bernd Wippert, bis 2017 Verwaltungschef der Burg Kriebstein, bereits 1986. Doch die breite, mediale Aufmerksamkeit folgte erst Jahre nach der Entdeckung von Gold- und Silbergefäßen, Porzellan und Büchern in einem Schornstein. Ab 1995 wurden die restaurierten Gegenstände im "Schatzgewölbe" bis 2014 gezeigt. 2010 ging ein Teil der zum Ende des Zweiten Weltkriegs versteckten Kunstgegenstände an die Erben des ursprünglichen Eigentümers, des Grafen Lehndorff. Über den sensationellen Fund und dessen weiteres Schicksal hat die "Freien Presse" mehrfach berichtet.

Heute sind im Schatzgewölbe noch einige Lehndorff-Stücke zu sehen, wie zum Beispiel ein Elfenbeinpokal. Schlossleiterin Susanne Tiesler hofft nun, dass die schönste Ritterburg Sachsens bald aus dem coronabedingten Dornröschenschlaf erweckt wird. Im Bereich Museologie werde derzeit ein neuartiges Konzept der "Gamification" erarbeitet. Ab 2022 soll ein interaktiver Rundgang in Form eines multimedial unterstützten "Storytelling Exit Games" auf der Burg Kriebstein präsentiert werden. Vom langen Warten erzählen Dutzende "Freie Presse"-Berichte der vergangenen Jahre zum geplanten Ausbau der steilsten Kreisstraße Mittelsachsens am Burgberg in Kriebstein. Das Landratsamt rechnet nach jüngsten Aussagen mit einem Baubeginn frühestens in zwei Jahren. Die Bürgerinitiative, die zuletzt von den politisch Verantwortlichen den Ausbau am Burgberg forderte, hat sich 2019 aufgelöst. Diese Initiative war ursprünglich gegründet worden, um das Projekt einer Großbrücke über das Zschopautal zwischen Ehrenberg und Kriebethal zu verhindern. Das von der sächsischen Staatsregierung geplante Projekt war 2007 verworfen worden. Die Entschärfung der steilen Trasse am Burgberg blieb in den Jahren darauf Anlass für Disput zwischen Bürgerinitiative und Landratsamt, was sich in vielen Artikeln niedergeschlagen hat. Und die "Freie Presse" bleibt dran an den offenen Fragen zu Baurecht und Baubeginn der steilsten Kreisstraße. Die Projekt Seebühne Kriebstein wird seit 21 Jahren vom Zweckverband der Talsperre verfolgt. Und der Bau im Bereich des einstigen Strandbades, der 2007 begann, ist noch nicht zu Ende. Die "Freie Presse" hat nicht nur Theateraufführungen Jahr für Jahr begleitet, sondern auch die Baupläne immer im Blick gehabt.

Für die Seebühne, an der in der Theatersaison 2019 rund 17.500 Besucher die Aufführungen des Mittelsächsischen Theaters verfolgten, gibt es seit Jahren Umbaupläne. Es sollen unter anderem die Zuschauerterrassen mit einem Sonnensegel wetterfest gemacht werden, neue Sanitäranlagen für Besucher und Bühnenpersonal sowie zusätzliche Emporenplätze entstehen. Die voraussichtlichen Gesamtkosten von 3,6 Millionen Euro sind aber ohne Fördermittel des Bundes nicht zu stemmen. In Aussicht stehen rund 2,5 Millionen Euro. Doch noch steht für den Umbau ein "rechtskräftiger Bescheid" aus, wie Zweckverbandsvorsitzender Ralf Schreiber jetzt erklärte. Für die diesjährige Freilichtsaison auf der Seebühne hofft der Pressesprecher des Mittelsächsischen Theaters Christoph Nieder, "dass wir nach der Absage der Pfingstkonzerte den Premierentermin für 'Die Csárdásfürstin' am 11.Juni halten können". Das Ende der Bauarbeiten am Hafen Kriebstein ist hingegen in Sicht. "Freie Presse" begleitet das rund 2,5 Millionen Euro teure Sanierungsprojekt des Zweckverbandes seit Juli 2020 mit einem Baustellen-Tagebuch. Die feierliche Einweihung des Hafens soll nun am 30. Juli stattfinden, im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Es stehen laut Zweckverband noch Pflasterarbeiten und die Restarbeiten für das neue Aufzugsgebäude aus.

Das Geschehen am Hafen stand aber auch sonst vor allem während der Schifffahrts-Saison im Mittelpunkt der Berichterstattung. Werden die Fahrgastschiffe zu Wasser gelassen oder an Land gezogen - die Redaktion der "Freien Presse" ist Jahr für Jahr dabei.

Das Baustellentagebuch lesen Sie im Internet unter:

www.freiepresse.de/tagebuch Das Symposium "Kunst am Wasser" hat seit 2001 an der Talsperre einen festen Platz im Veranstaltungsplan des Mittelsächsischen Kultursommers. Es wird unterstützt vom Kommunalen Wasserversorger ZWA, vom Talsperrenzweckverband und der Gemeinde Kriebstein. In den vergangenen Jahren entstanden bei dem Wettbewerb mehr als 50 Kunstwerke aus Holz, die den Kunstwanderweg um den Kriebsteinsee bilden. "Freie Presse" hat Jahr für Jahr den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter geschaut und auch über den Verbleib mancher Kunstwerke berichtet. Im Vorjahr ist das Symposium erstmals ausgefallen. Die "20. Kunst am Wasser" wurde auf dieses Jahr verlegt. Und noch steht der Termin vom 28.Juli bis 1. August im Veranstaltungsplan des Kultursommers - diesmal unter dem Motto "Sagenhafte"-Kunst am Wasser. Drei neue Werke sollen geschaffen werden, und integriert wird ein Singer-Songwriter-Sommercamp. So sollen sich nach Vorstellung der Veranstalter Holzbildhauer und Musiker gegenseitig inspirieren können.

Das Baumhaushotel "Kriebelland" war im Jahr 2008 nur eine Idee von Investor und Betreiber Steffen Mäding, als die "Freie Presse" erstmals über sein Vorhaben berichtete. Es sollte noch bis 2014 dauern, bis das erste Baumhaus, gebaut im Uferbereich zwischen Seebühne und Staumauer, Gäste beherbergen konnte. Bis heute ist es eine der Attraktionen am Kriebsteinsee, über die zahllose Berichte in der "Freien Presse" erschienen sind. "Es war immer hilfreich, wenn die Zeitung das Thema aufgegriffen und so nach außen getragen hat", erinnert sich Steffen Mäding heute vor allem an die Entstehungszeit des Baumhaushotels, als er noch mit Genehmigungen zu kämpfen hatte. Und die Nachfrage von Gästen ist immens hoch. Für dieses Jahr sind die Häuser in den Baumwipfeln ausgebucht, Gäste darf Inhaber Mäding aufgrund der Auflagen für den Tourismus in der Pandemie aber noch nicht empfangen. Hoffnung habe er, dass die Inzidenzwerte bald auf unter 100 sinken und er dann auch das Hotel wieder öffnen darf, denn die Baumhäuser gelten nach seiner Information als Ferienwohnungen. Die könnten eher wieder öffnen als klassische Hotelbetriebe. Eine realistische Aussicht sei die Zeit nach Pfingsten, sagt Mäding.

Unterdessen werde weiter im "Kriebelland" gebaut, so auch an einer sogenannten Bücherwolke, die erstmals im Sommer genutzt werden könne. An der weißen Kugel, die bald auf sechseinhalb Quadratmetern ein Heim für eine Nacht oder mehr bietet, arbeiten auch Forscher der TU Chemnitz mit, um eine textile Architektur zu testen. Und wenn die "Bücherwolke", die schon im Entstehungsprozess Schlagzeilen gemacht hat, eröffnet wird, ist die "Freie Presse" mit Sicherheit wieder vor Ort. Das Schloss Ehrenberg war noch eine Ruine, als es der gebürtige Venezianer Pier Giorgio Furlan im Alter von 47 Jahren zu seiner Wahlheimat machte und im Jahr 2000 der erste Artikel über den Künstler in der "Freien Presse" erschien. Damals beschrieb die Redakteurin es noch so: "Aus Schloss Ehrenberg wird möglicherweise Kunstzentrum." Heute ist das längst Realität und das Rittergut Ehrenberg über Mittelsachsens Grenzen hinaus bekannt als Kulturzentrum, in dem Lesungen und Ausstellungen stattfinden sowie Theaterprojekte kreiert werden. Den Künstler und Architekten Furlan hat die Tageszeitung bei fast jedem Schritt zur Sanierung der Immobilie einschließlich Schlosspark, wie auch bei kulturellen Projekten begleitet. "Die 'Freie Presse' hat immer eine große Rolle bei uns gespielt. Ich brauchte auch die Presse, um die Arbeit an den Theaterprojekten bekannt zu machen", sagt Furlan, der auch den Förderverein des Kulturzentrums "Centro Arte Monte Onore" leitet. Das Besondere an seinen Theateraufführungen: Furlan arbeitet nicht mit Profidarstellern, sondern Laien, darunter auch behinderte Menschen, Kinder und Migranten. Jüngstes Projekt ist das Theaterstück "Franz von Assisi", das zur Aufführung in der Oper Chemnitz geplant war. Weil dies derzeit nicht möglich ist, werde ein Film zum Stück produziert, der in Kinos in Mittelsachsen laufen könnte.

Die Jugendherberge Falkenhain ist vor allem in den Sommermonaten Touristenmagnet. In guten wie in schwierigen Zeiten ist sie Gegenstand der Berichterstattung der "Freien Presse". Schlagzeilen machten Besucherrekorde genauso wie Sanierungsvorhaben. Denn immerhin besteht die sachsenweit einzige Herberge mit Bungalowdorf am Ufer eines Stausees seit mehr als 50 Jahren. Auf eine Jubiläumsfeier im vergangenen Jahr wurde aufgrund des einsetzenden Lockdowns verzichtet, doch öffnen durfte die Jugendherberge im Vorjahr dann doch noch. Heute erinnert sich Holger Nitzschke von der Herbergsleitung nicht nur an frühere Artikel, sondern auch an einen Höhepunkt, bei dem die "Freie Presse" Mitveranstalter war. So war die Jugendherberge eine Station auf der mit dem Zweckverband Kriebsteintalsperre organisierten Abenteuertour rund um die Talsperre im Jahr 2011. Damals stiegen in Falkenhain abenteuerlustige Gäste in riesige Bälle, um darin über die Wasseroberfläche nahe dem hauseigenen Strand zu gehen. "Das war ein echt tolles Erlebnis, an dem sich ganz viele Akteure der Region präsentieren konnten", sagt Holger Nitzschke. Ab wann in diesem Jahr die Saison in der Herberge mit 220 Betten starten kann, sei vor dem Hintergrund der pandemiebedingten Einschränkungen noch nicht absehbar. "Die Nachfrage ist jedenfalls da. Wir freuen uns darauf, viele Familien und hoffentlich auch Schulklassen, Vereine und andere Gruppen begrüßen zu dürfen", so der Herbergsleiter. Für die nächsten Jahre sei neben der Erneuerung der Bungalows auch ein neues Sanitärgebäude geplant.


Geschichten gefragt

Dem Bau der Talsperre Kriebstein und der Entwicklung als Tourismusmagnet ist eine Fotoschau in der Grünlichtenberger Kirche gewidmet. Auslöser waren Publikumsreaktionen auf Vorträge von Gästeführer Michael Kreskowsky. Viele Menschen verbinden mit der Talsperre eigene Erlebnisse. Diesen Geschichten der Leser will die "Freie Presse" nun eine Plattform in der Zeitung bieten.

Schreiben Sie uns Ihre Geschichte zur Talsperre an "Freie Presse", Markt 10, 09306 Rochlitz oder per E-Mail an:

red.rochlitz@freiepresse.de

 

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