Debatte um Reichsbürgervorwürfe geht weiter

Darf eine umstrittene Erzieherin in einer Kita arbeiten? Diese Frage sorgt in Freiberg für Gesprächsstoff.

Freiberg.

Eine Personalie sorgt in der Freiberger Kita Schlaumäuse aktuell für Unruhe. Denn eine Freibergerin arbeitet seit wenigen Wochen in der Einrichtung, von der sich Ende 2017 der Kinderschutzbund wegen mutmaßlicher Reichsbürgerschaft getrennt hatte. Damals musste sich die Frau vor dem Amtsgericht wegen Nötigung verantworten. 50 Tagessätze zu je 50 Euro musste sie zahlen. Längst ist das Urteil rechtskräftig und die Geldstrafe laut Staatsanwaltschaft bezahlt.

Die Sache könnte also ad acta gelegt werden. Doch nach "Freie Presse"-Informationen lässt die Geschichte von damals Eltern der Kita Schlaumäuse nicht los. Als "Zumutung" bezeichnet ein Vater es, dass die Freibergerin nun an dieser Einrichtung arbeitet, und als "moralisch verwerflich". Ein "Aufschrei" sei in den Reihen von Eltern und Erzieherinnen zu verzeichnen gewesen - wenn auch nicht bei allen. "Manche meinen, sie sei eine gute Erzieherin", schildert er die Lage. Mit seiner Haltung steht er nicht allein, wie eine Mutter sagt. Für sie sei es unverständlich, wie eine solche Person im pädagogischen Bereich arbeiten könne, sagt sie. Klar, bei anderen Erziehern wisse man es nicht, welche Ansichten sie vertreten würden. "Hier weiß man es aber." Unverständlich für sie auch, warum einem Teil der Eltern das alles egal zu sein scheint. Beide Eltern (Namen sind der Redaktion bekannt) wollen, um den Kita-Platz nicht zu gefährden, anonym bleiben.

Torsten Kleditzsch

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Was den Vater und die Mutter umtreibt, ist die Gesinnung, die der Frau nachgesagt wird. "Wegen ihres Auftretens und der von ihr gewählten Diktion habe ich sie als mutmaßliche Reichsbürgerin eingestuft", erklärt Amtsgerichtsdirektor Jochen Sell der "Freien Presse" auf Nachfrage zu der Geschichte aus dem Jahr 2017. In der Folge trennte sich seinerzeit der Kinderschutzbund von seiner Mitarbeiterin.

"Ich beteilige mich nicht an Hexenjagden", unterstreicht der Vorstand des Kinderfördervereins Freiberg, Knut Gauter, auf Anfrage. Als Träger der Kita Schlaumäuse - eine Einrichtung, in der bis zu 95 Mädchen und Jungen betreut werden können - weiß er um die Vorbehalte mancher Eltern gegenüber der Erzieherin. "Ich habe mich als Arbeitgeber über sie erkundigt", sagt er. Das polizeiliche Führungszeugnis sei in Ordnung gewesen, fährt er fort. Die Freibergerin leiste als Erzieherin gute Arbeit. "An der pädagogischen Arbeit hatten wir nichts auszusetzen", bestätigt Irena Joschko als kommissarische Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds. "Wenn aber eine Mitarbeiterin als mutmaßliche Reichsbürgerin gilt, ist das nicht mit unseren Werten und unserer Satzung vereinbar." "Ich bin keine Reichsbürgerin", entgegnet die Betroffene hingegen.

Auf Einladung des Kinderfördervereins war jüngst der Verfassungsschutz im Haus. Laut Kriminaldirektor Martin Döring referierte am 12. März eine Mitarbeiterin des Landesamts über "Reichsbürger und Selbstverwalter". Dieser Vortrag reiht sich ein in rund 150 Vorträge, die, so Döring, jährlich sachsenweit zu allen Aspekten extremistischer Bestrebungen gehalten werden. Das Ziel laut des Verfassungsschützers: Interessierte sollen sich "mit Gefährdungen auseinandersetzen, die von politischen Extremisten ausgehen".

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