Den Fuchs braucht es eigentlich nicht

Im Unruhestand: 28 Jahre lang war Volker Haupt Bürgermeister. Nun hat er Zeit für Haus und Hof und eine ganz besondere Glocke.

Niederbobritzsch.

Der Fuchs schleicht ums Gehöft der Familie Haupt in Niederbobritzsch. Begehrlichkeiten wecken bei ihm die Gänse, die auf Wiese und Teich ein zufriedenes Dasein haben. Damit Reineke nicht die weihnachtlichen Speisepläne zahlreicher Kunden über den Haufen wirft, muss etwas getan werden. Weshalb Volker Haupt eifrig neue Zäune zieht.

Derlei gehört jetzt unter anderem zu den Aufgaben, die Haupt auf dem Hof der Familie verrichtet. Vor einem guten Jahr hatte er nach über 28 Jahren seine Tätigkeit als Bürgermeister der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf beendet, das Amt in jüngere Hände übergeben. Nun widmet er sich anderen Dingen. "Ich mache auf dem Hof mit", erzählt er. "Aber vor allem kümmere ich mich um all die Sachen, die am Haus gemacht werden müssen. Manches ist 20 Jahre lang liegen geblieben."

Dass dies nicht alles ist, kann man sich bei einem umtriebigen Mann wie ihm denken. Eine seiner jüngsten Aufgaben ist der Vorsitz im Festausschuss zur Vorbereitung der Festwoche Niederbobritzsch, bei der Mitte Juni eigentlich mehrere Jubiläen zuzüglich des Bobritzschtaltreffens gefeiert werden sollten. Corona verhinderte dies, und so verlängert sich diese Amtszeit nun um ein Jahr: Denn die Feiern wurden auf Juni 2021 verschoben. "Alle Verträge mit Künstlern und Teilnehmern konnten kostenlos ins nächste Jahr übertragen werden", sagt Haupt erleichtert: "Dafür sind wir sehr dankbar."

Breiten Raum nimmt seine Arbeit als Vorsitzender des Hilliger-Vereins ein. Der 2014 gegründete Verein kümmert sich um die Bewahrung des Erbes jener bedeutenden Glockengießerdynastie, die einst in Freiberg wirkte und deren Glocken noch heute von zahlreichen Kirchtürmen erklingen. Doch die Ziele der Mitglieder reichen weiter. Gemeinsam mit dem Gießereiinstitut der TU Bergakademie, dem Sächsischen Metallwerk und der Firma Kunstguss Döhler aus Eibenstock ist derzeit ein Projekt in Arbeit, bei dem nach einem alternativem Formstoff zum Glockenguss gesucht wird.

Um eine Form zu erstellen, wird bislang Furanharz verwendet. Beim Guss, also beim Kontakt mit glühendem Metall, gast es allerdings schädliche Dämpfe aus. "Deswegen lehnt die Kirche ein solches Verfahren ab", sagt Volker Haupt. Unter Koordination des Hilliger-Vereins läuft in diesem und nächstem Jahr die Suche nach einem zementgebundenen Material, welches formbar ist und der Hitze standhält. "So habe ich einen Mini-Job mit einer Stunde pro Woche an der Freiberger TU bekommen", meint Haupt schmunzelnd.

Ziel ist es, eine Vergleichsglocke zu gießen und später mit unterschiedlichen Gießparametern Glocken mit den gleichen Tonlagen zu schaffen. "Am Ende soll eine Technologie stehen, durch die man Glocken mit historischen Form- und Klangbildern mittels moderner Verfahren gießen kann", beschreibt es der 59-jährige Projektkoordinator. So wolle man die Tradition des Glockengusses in Freiberg auf lange Sicht wieder etablieren. "In Ostdeutschland gibt es derzeit keine Gießerei", so Haupt. "Dabei ist eine Nachfrage vorhanden." Vor Jahren hat man eine eigene Vereinsglocke gießen lassen. Diese schlägt jedes Jahr im Advent vom Türmchen der Bergmannsbaude auf dem Freiberger Christmarkt zur Schließstunde. Die Glocke befindet sich derzeit in der TU Bergakademie und wird dort einer zerstörungsfreien Werkstoffprüfung unterzogen.

Dass Volker Haupt ab dem heutigen 1. Juli für ein Jahr Vorsitzender des Freiberger Lions Club ist, soll nicht unerwähnt bleiben. Mit verschiedenen Projekten, wie etwa dem Glühweinverkauf auf dem Christmarkt, will man wieder Geld sammeln, um Projekte, Gruppen oder Personen zu unterstützen. Um genügend Arbeit zu finden, benötigt Volker Haupt den Fuchs also eigentlich gar nicht.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.