Der Blumenkönig von Mittelsaida

Seit mehr als 35 Jahren ist Günter Oehme Hobbygärtner mit Leib und Seele. 5000 Pflanzen verwandeln sein Grundstück in ein Blumenmeer. Und das soll noch lange so bleiben - auch wenn der Mann mit dem grünen Daumen inzwischen 78 ist.

Mittelsaida.

Obwohl abgelegen, ist das Grundstück von Günter Oehme aus Mittelsaida auch ohne Hausnummer schnell zu erkennen und eigentlich nicht zu übersehen. Ein riesiges Blumenmeer an Begonien, das den Vorgarten ziert, fällt sofort ins Auge. Immerhin sind es 53 Kübel, und in jedem hat der Hobbygärtner drei Pflanzen eingebracht. 48Kübel mit jeweils einer Pflanze Bonfire - eine besondere Begonienart - vervollständigen die Vorderfront. Diese Sorte hat Günter Oehme vor vielen Jahren von einem Gärtner besorgt und immer wieder neu vermehrt.

Doch damit ist es längst nicht genug: Gladiolen, Dahlien, Fuchsien und Petunien erstrecken sich auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern um das Haus und darüber hinaus. Es sind insgesamt rund 5000Pflanzen aus 90 Sorten, die bei dem Hobbygärtner in den vergangenen Jahren - je nach Wetterlage meistens von Mai bis Ende September - blühten und blühen.

Um diese Blumenpracht zu pflegen, kommt der Senior ganz schön ins Schwitzen, wie er gesteht. Täglich müsse er rund 100 Gießkannen mit Wasser aus dem eigenen Brunnen schleppen, um seine Pflanzen damit zu versorgen. "Das dauert dann schon einmal rund vier bis fünf Stunden", sagt der Hobbygärtner.

Die Mittelsaidaer kennen den grünen Daumen von Günter Oehme und schauen in der Saison mindestens einmal bei ihm vorbei. Schließlich ändere der Senior auch oftmals sein Pflanzensortiment. Und dafür muss er ganz schön sparen. "Da gehen jährlich schnell mal fast 2000Euro drauf", schätzt Oehme. Es kämen auch viele Blumenfans aus allen Gegenden zu ihm. Inzwischen lenken schon Busunternehmen neugierige Gartenfreunde bei Ausfahrten zum Garten von Günther Oehme. "Erst vor kurzem ist ein großer Reisebus langsam vorbeigefahren und die Insassen haben sich die Nasen an den Scheiben platt gedrückt", erzählt der Senior schmunzelnd.

Oft würde er mit den Gästen ins Gespräch kommen, viel fachsimplen, und natürlich wolle man auch von dem Hobbygärtner einiges wissen. So käme es nicht selten vor, dass seine Frau ihn zum Essen rufen müsse.

Den Garten als Hobby entdeckt hat Günter Oehme 1982. Dass daraus einmal so ein Blumenmeer werden würde, daran hat er damals überhaupt nicht gedacht. Als Jugendlicher wollte er aber eigentlich Gärtner werden. "Ich bin vor rund 65 Jahren an jedem der wenig vorhandenen schönen Gärten stehen geblieben und habe sie bewundert und wehmütig angeschaut. Wir waren aber zu Hause neun Kinder und da musste ich nach der Schule gleich arbeiten gehen", erzählt Günter Oehme. Deshalb konnte er sich erst rund 30Jahre später seinen Traum vom eigenen Garten erfüllen.

"Als ich ein Jahr später krank und zum Invalidenrentner geschrieben wurde, betrieb ich dieses Hobby intensiver. Es hat mir bei meinem Heilungsprozess richtig gut getan und das hält bis heute an", erzählt der heute 78-Jährige. Jeden Morgen, wenn er aus dem Haus geht, erfreue er sich an seinen Pflanzen. "Da sind dann später die vielen Gießkannen schnell vergessen", erzählt er. Seine Kinder hätten schon oft mit ihm geschimpft, weil diese Gartenarbeit für einen 78-Jährigen viel zu anstrengend sei. Auch der Nachbar habe ihm schon Hilfe angeboten.

"Doch ich lasse niemanden an meine Pflanzen", meint Günter Oehme fast ein wenig trotzig. Die Blütenpracht im Sommer, die vielen Preise, die er beispielsweise bei der Gartenmeisterschaft der "Freien Presse" eingeheimst hat, und die Drehminuten des MDR-Fernsehens vor vier Jahren über sein Blütenmeer lassen ihn zurzeit noch die Arbeit vergessen.

Mit einem Nachfolger sehe es leider schlecht aus, sagt Günter Oehme - "obwohl einige meiner Kinder und Enkel an diesem Hobby Gefallen gefunden haben".

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