Der den Fortunabrunnen schuf

Das Wasserspiel in der Petersstraße ist ein echter Hingucker. Gestaltet hat es der Bildhauer Bernd Göbel. Der gebürtige Freiberger, der heute in Halle wohnt, stellt seine Autobiografie am 13. Juni in der Pressetonne am Obermarkt vor.

Freiberg.

"Verschiedenes Hell - ein Bildhauer in Deutschland" nennt der Künstler sein Buch. Auf mehr als 500 Seiten beleuchtet er unter anderem prägende Stationen seines künstlerischen und privaten Lebens. Viel Raum nehmen auch Erlebnisse in seiner Heimatstadt ein. Die älteren Freiberger erinnert er an ihre eigene Kindheit in der Stadt und zeigt auf, wie rasant sich hier die Lebensverhältnisse in den vergangenen Jahrzehnten geändert haben. Bernd Göbel wuchs in der Freiberger Altstadt auf. Er wohnte mit seinen Eltern in der Waisenhausgasse 8, wo erst der Großvater und dann der Vater im Hinterhaus eine Tischlerei betrieben. Der Schulweg führte in die Rochlitzerschule und später ins Gymnasium, im Dom gehörte er als Kind der Kurrende an. Tanten und Onkel lebten um die Ecke, die kaputten Häuser auf dem Weg zum Dom waren Abenteuerspielplätze. "Freiberg ist der Ort meiner Kindheit und Jugend", sagt der heute 77-Jährige. "Mit einer kleinen Band haben wir auf den Dörfern Rock 'n' Roll gespielt. Wenn Studio F Pause machte, durften wir ran." Er saß in den Gasthofsälen am Klavier, von dem die jungen Musiker immer die Verkleidung abbauten, damit das Instrument richtig laut erklang.

Göbel erinnert sich, wie seine Mutter sich noch mit dem Waschbrett quälte, wie Brauereipferde im Winter einen Schneepflug durch die Petersstraße zogen, wie es zur Weihnachtszeit im Stadt- und Bergbaumuseum nach Räucherkerzen duftete, Kerzen auf den Treppen standen und am kleinen Orgelpositiv Abendmusiken erklangen oder wie er bei seinen Großeltern in Niederschöna das Landleben genoss. Der junge Göbel versuchte auch mit Freunden auf einem der Löwen am Brunnen auf dem Obermarkt zu reiten, "wodurch es dann immer zu einem Wettrennen zwischen den Polizisten und uns kam". Im Sommer fuhr er, oft mit einem Mädchen auf der Querstange, mit dem Fahrrad nach Großhartmannsdorf oder an einen anderen Teich in der Nähe zum Baden. Diese Zeit verbindet ihn mit Freiberg und Umgebung.


Nach dem Abitur 1961 lernte Bernd Göbel den Beruf des Holzbildhauers bei Gottfried Kohl in Freiberg. Danach studierte er Bildhauerei an der Hochschule für industrielle Formgestaltung in Halle an der Burg Giebichenstein und blieb in der Saalestadt. Der Künstler war Dozent und Leiter der Bildhauerklasse und lenkte nach der Wende als Prorektor wesentlich die Geschicke der Hochschule mit. In vielen Städten der ehemaligen DDR stehen seine bildhauerischen Arbeiten, nach der Wende manchmal heiß diskutiert. National und international bekannt ist der Professor auch als Medailleur. Er gestaltet Münzen und Medaillen. Schon während des Studiums begann er damit und tut es immer noch. "Es machte Spaß, sich damit abends in der Studentenbude zu beschäftigen", bemerkt er. "Heute lasse ich damit auch einmal meinen Frust ab und freue mich, wenn jemand diese Arbeiten haben möchte." Für ihn ist das die kleine Form der Bildhauerei.

Für Freiberg schuf Bernd Göbel zur 800-Jahr-Feier 1986 den Fortunabrunnen in der Petersstraße sowie Engel und Bergmann, letztere stehen im Hof der Diakonie an der Wallstraße. Beide Werke zeigen seine Verbundenheit mit der Geschichte der Stadt. "Ich war so viel im Dom. Tulpenkanzel und Silbermann-Orgel waren mir vertraut und auch die Bergakademie", so der Professor. Auf die Frage, ob das Tischlerhandwerk seines Vaters ihn zur Bildhauerei gebracht habe, meint er: "Mag sein. Die tägliche Möglichkeit zu sehen, wie aus einem Material etwas Differenziertes entsteht, wie etwas mit der Hand gemacht wird, hat mich beeindruckt." Auch sein Zeichenlehrer Werner Küttner, den er als warmherzig und offen kannte, habe ihm viel beigebracht. Über das Menschsein in vielerlei Hinsicht. Mit dem Maler und Grafiker Küttner fuhren die Mitglieder der Zeichen-AG oft eine Woche vor den Sommerferien nach Gager an der Ostsee. "Früh wurde im Ferienheim aufgeräumt, nachmittags haben wir in den Hügeln gesessen und gemalt", erzählt Bernd Göbel.

Dass er für Freiberg den Fortunabrunnen schaffen durfte, der an viele wichtige Persönlichkeiten wie Orgelbauer Gottfried Silbermann, ist nach Göbels Ansicht auch der Fürsprache seines Zeichenlehrers und Freundes Werner Küttner zu verdanken. Wenn Bernd Göbel in diesem Monat wieder einmal seine Heimatstadt besucht, wird er vielleicht auch einen Blick auf seine Brunnen werfen und auf alle Fälle den Dom besuchen.

Service Bernd Göbel stellt sein Buch "Verschiedenes Hell" am 13. Juni in der Pressetonne am Obermarkt vor. Beginn ist 18 Uhr.

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