Der doppelte Ohain an seiner Schule

Nur im kleinen Rahmen konnte die Oberschule ihren 30. Geburtstag feiern. Dem Programm tat es keinen Abbruch.

Freiberg.

Sollte es tatsächlich noch Bedarf an Vorschlägen für das Unwort des Jahres geben, so sei an dieser Stelle als weiterer Kandidat "Eigentlich" ins Spiel gebracht. Selten begannen so viele Sätze im Laufe eines Jahres mit diesen zehn Buchstaben, und nur ganz selten stellte der darauf folgende Restsatz irgendetwas Erfreuliches dar. Und auch Folgendes macht da leider keine Ausnahme.

Eigentlich wollte man am Mittwochnachmittag in der frisch sanierten und erweiterten Oberschule "Gottfried Pabst von Ohain" das 30. Jubiläum der Bildungseinrichtung begehen. Sämtliche Einladungen an Ehrengäste waren verschickt, Zusagen eingetroffen und ein großes Programm studierten die Schüler ebenfalls ein. Doch dann brachten die steigenden Corona-Fallzahlen alles wieder durcheinander. "Wir mussten die Feier am Montag kurzfristig absagen", erklärt Jens Gernegroß, seit Beginn des Schuljahres neuer Leiter der Oberschule. "Wir hatten mit rund 80 Gästen geplant, doch das Sächsische Landesamt für Schule und Bildung hatte uns die Absage empfohlen."

Sollte nun die ganze Vorbereitung umsonst sein? "Seit der zweiten Schulwoche haben die rund 50 beteiligten Schüler unablässig geprobt", erzählt Musiklehrerin Kathrin Philipp, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen für Deutsch, Ines Döring, und Gemeinschaftskunde, Saskia Holtz, die Idee entwickelt hatte. "Jeden Tag wurde geübt, in Gruppen, aber auch einzeln." Alle Klassenstufen waren auf die eine oder andere Weise daran beteiligt. Nun sollte auch gezeigt werden, was dabei herausgekommen war. Und so fand zwar der große Festakt nicht statt, dafür aber eine Vorführung vor zahlreichen Schülern. Es ging auf eine vergnügliche Reise durch die drei Jahrzehnte.

Als "Roter Faden" agierten dabei gleich zwei Gottfried Pabst von Ohains, dargestellt von den "Doppelten Louis", nämlich Louis Gerischer aus der neunten und Louis Bartsch aus der zehnten Klasse. Von der Schuleröffnung im September 1990 über die Einweihung der Turnhalle bis hin zur Verleihung des Titels "UNESCO-Projektschule" im Mai 2013 und der Sanierung sowie Erweiterung, die erst im August 2020 offiziell beendet wurde, reichte der Bogen. Die zwei Gottfrieds reisten durch die Zeit, ließen sich von Projekten zur Nepalhilfe erzählen, von der Patenschaft für das indische Mädchen Usharani, aber auch von dem Kinder-Orgelführer, der 2012 gemeinsam mit der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft erstellt wurde, den vielen Angeboten im Bereich Sport oder Kunst, die man an der Schule wahrnehmen kann und noch manchem mehr. Es wurde orientalisch getanzt, Yoga betrieben oder ein witziger Rap zu Gehör gebracht. Am Ende sangen schließlich alle das Lied "Freibergs Silberklang", welches aus der Feder von Kathrin Philipp stammt und mit den Jahren zur Hymne der Schule geworden ist.

"Ich bin unglaublich beeindruckt", gestand Jens Gernegroß nach dieser Aufführung. "Das war ja ein Programm nicht wie für ein 30-jähriges, sondern ein 100-jähriges Jubiläum." Er wolle das nicht wie eine Ersatzvorstellung für den ausgefallenen Festakt betrachten. "Vielmehr ist das eine Generalprobe für eine nachgeholte Feier im nächsten Frühjahr", meinte er, damit die Hoffnung verbindend, dass die Pandemie einmal ein Ende haben wird. "Wir haben jetzt eine schöne, neue Schule", so Gernegroß weiter. "Es liegt nun an uns, sie mit Leben zu erfüllen." Das großartige Programm der Schüler beweist, dass dies schon gelungen ist.

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