Der qualvolle Tod einer Kuh

Zwei Männer haben erfolgreich gegen ein Urteil des Amtsgerichtes Freiberg prozessiert, das sie wegen Tiermisshandlung angeklagt hatte. Für einen der Beiden hat sich das finanziell nicht gelohnt.

Chemnitz/Freiberg.

Die 7. Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz unter Vorsitz von Richter Markus Zimmermann hat das Urteil gegen einen 50- und einen 56-Jährigen, beide im Erzgebirge beheimatet, aufgehoben. Das Freiberger Amtsgericht hatte im Mai 2019 den Jüngeren, der eine Kuh zum Schlachthof gefahren hatte, der quälerischen Tiermisshandlung, den Älteren, der den Transportauftrag erteilt hatte, der Anstiftung hierzu schuldig gesprochen. Sie waren gemäß Tierschutzgesetz zu Geldstrafen von 3600 beziehungsweise 3200 Euro verurteilt worden.

Beide Männer hatten dagegen Berufung eingelegt. Ziel sei der Freispruch ihrer Mandanten, betonten deren Anwälte zu Beginn der Chemnitzer Verhandlung. Nach dem Hinweis des Vorsitzenden Richters, dass ein Freispruch des 50-Jährigen auf Grund der Beweislage nicht in Frage komme, schlug dessen Verteidiger die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 3600 Euro vor, der gleichen Summe, die im angefochtenen Urteil als Geldstrafe zu zahlen gewesen wäre. Das Gericht und Staatsanwalt Markus Schori stimmten dem Antrag zu. Finanziell war das zwar kein Erfolg für den Angeklagten, aber er gilt nun nicht als vorbestraft.

Das Gericht hörte in der Folge insgesamt sechs Zeugen, darunter zwei Tierärzte und die Halterin der betroffenen Kuh. Das Tier hatte sich aus nicht genannten Gründen eine Fraktur eines Hüfthöckers zugezogen, die nicht heilbar gewesen sei. Aus diesem Grund sollte es notgeschlachtet und an ein entsprechendes Unternehmen verkauft werden. Eine Tierärztin hatte die erforderliche Begutachtung durchgeführt und festgelegt, dass die Kuh zur Notschlachtung allein und nicht zu weit transportiert werden soll.

Ob das der Halterin nur telefonisch oder schriftlich mitgeteilt wurde, blieb unklar. Inwieweit dem 56-Jährigen und dem von ihm beauftragten Transportunternehmen dieser Sachverhalt bekannt war, konnte nicht eindeutig festgestellt werden. Ein Tierarzt in Crailsheim, der die dort zur Schlachtung angelieferte Kuh untersucht hatte, beschrieb deren schlechten Zustand. Das Tier habe inmitten stehenden Rindviehs gelegen und nicht mehr selbst aufstehen können. Es habe unnötige Schmerzen erleiden müssen. Dazu sei es auch infolge der langen Transportzeit von zwei Tagen gekommen. Vieles in den Aussagen anderer Zeugen blieb unklar und widersprüchlich.

Die Fakten waren: Die Kuh war verletzt. Der nächstgelegene Schlachthof wäre in Altenburg gewesen. Der Transport erfolgte zusammen mit vielen anderen Tieren ins badische Crailsheim. Art und Dauer des Transportes führten dazu, dass die Kuh sich noch lange Zeit quälen musste. Dass neben dem Fahrer auch der 56-Jährige daran Schuld trägt, konnte nicht festgestellt werden.

Aktenzeichen 3Ns 46612/15


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