Der Traum vom Lückenschluss

In Rechenberg-Bienenmühle wie auch in Moldava laufen Initiativen, um die einstige Bahnlinie grenzüberschreitend wieder zu eröffnen. Ein Fest soll dabei helfen.

Rechenberg-Bienenmühle.

Die "Fröhlichen Blasmusikanten" aus Cämmerswalde haben ihrem Namen am Samstag zum alle Ehre gemacht. Trotz des zunächst bescheidenen Wetters ließen sie nicht ab von ihrer guten Laune und schmetterten tapfer einen Klassiker nach dem anderen über den Burghof von Rechenberg. Das zahlreich erschienene Publikum zollte ihnen dafür mit viel Beifall Respekt, zog es aber dennoch vor, dem Regen in einem Festzelt zu trotzen.

Begangen wurde am Samstag der Zweite Symbolische Lückenschluss der Eisenbahnlinie zwischen dem Rechenberg-Bienenmühler Ortsteil Holzhau auf der deutschen und Moldava auf der tschechischen Seite. "Erstmals gestalten wir ihn als deutsch-tschechisches Musikfest", sagt Heinz Lohse, Vorsitzender des Heimatgeschichtsvereins Rechenberg-Bienenmühle. Wichtig sei es, das Thema mit seiner Bedeutung für die Region immer wieder herauszustellen.


Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bahnlinie, die heute noch im Norden als Zellwaldbahn und zwischen Freiberg und Holzhau als Freiberger Eisenbahn existiert, Stück für Stück stillgelegt. Auf den 8,2 Kilometern zwischen Holzhau und Moldava existieren nicht einmal mehr Schienen unter dem Wildwuchs. Seit Jahren wird an der Wiederherstellung der Linie gearbeitet. 2015 dann gab es ein erstes Bahnhofsfest, damals im böhmischen Osek. Im November 2018 dann wurde der erste symbolische Lückenschluss in Moldava gefeiert. Parallel führten die Initiatoren Konferenzen und Gespräche auf anderer Ebene.

All das zeige mittlerweile Wirkung, und auch Michael Funke, Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle, befürwortet das Projekt. "Bei diesen Festen geht es darum, dass wir mit dem Thema immer wieder präsent bleiben", sagt er. Damit habe man schon manches erreicht. So hat der Landkreis Mittelsachsen die Kosten für eine Machbarkeitsstudie übernommen. Deren Ergebnisse seien aber noch abzuwarten. "Immerhin sind dabei noch mehr Aspekte zu berücksichtigen als nur das Verlegen der Schienen", so Funke. Etwa die Auswirkungen auf die Umwelt, falls wieder Züge rollen sollten. Auch gebe es Probleme mit Anwohnern der Strecke zu klären. Entsprechende Gespräche würden aber bereits geführt.

Für das grenzüberschreitende Projekt sind laut den Initiatoren Fördermittel aus Töpfen der Europäischen Union möglich. Schienen fehlen nur auf deutscher Seite, doch auch um eine Erneuerung der Anlagen in Tschechien werde kaum ein Weg herumführen. Nicht zu vergessen sei die Sanierung und Verschönerung der Haltepunkte entlang der Strecke. Petr Fischer ist aus Georgendorf zum Lückenschlussfest gekommen. Sein Ort liegt an der Bahnstrecke. "Bei uns heißt die Strecke im Volksmund Teplitzer Semmeringbahn, weil sie durch die vielen Tunnels Ähnlichkeit mit dem österreichischen Pendant hat", lacht er. Er wirkt gemeinsam mit Heinz Lohse dafür, dass sich die Gemeinden entlang der Bahnlinie noch enger verbinden, damit spätestens in zehn Jahren der Traum vom Lückenschluss wahr werden kann.


Wichtig für den Tourismus

Eckhard Storch, Mitglied im Kirchenvorstand Rechenberg-Bienenmühle, führte zum Fest durch die Kirche. "Ich kenne die Strecke noch bis Hermsdorf", sagt er. "Für den Tourismus wäre der Lückenschluss von großer Bedeutung." (wjo)


Engagement bleibt weiterhin

Der bisherige CDU-Landtagsabgeordnete Steve Ittershagen will sich weiter für den Lückenschluss engagieren. "Der Politiker macht eine Pause, aber nicht der Eisenbahnfreund", sagt er. MP Kretschmer habe Unterstützung zugesagt. (wjo)

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