Deutsche und tschechische Politiker machen Druck

Der Gleis-Lückenschluss der Bahnlinie zwischen Holzhau und Moldau liegt beiden Ländern am Herzen. Noch fehlt aber die Machbarkeitsstudie aus Dresden.

Holzhau.

Im Mai 1945 fuhr zum letzten Mal ein Zug auf der Eisenbahnstrecke zwischen dem tschechischen Moldava und Freiberg. Das endgültige Aus für die Bahnlinie zwischen Hermsdorf-Rehefeld und Moldava kam dann 1951, als die Schienen demontiert wurden. 1972 verschwand auch der Streckenteil ab Holzhau. Nach der friedlichen Revolution und den sich öffnenden Grenzen fanden sich ab Mitte der 1990er-Jahre zunehmend mehr Menschen, die die Strecke wiederbeleben und die rund 8,3 Kilometer lange Lücke schließen wollen. Seit wenigen Jahren lässt nun eine breit angelegte, grenzübergreifende Aktion für den Gleis-Lückenschluss Moldau-Holzhau aufhorchen.

Aus verschiedenen Interessengruppen hat sich mittlerweile ein starkes Konsortium, zu dem auch Vertreter der Anrainerkommunen gehören, formiert, das nunmehr mit Nachdruck den Lückenschluss fordert. Mit den beiden Europaabgeordneten Peter Jahr aus Deutschland und Tomáš Zdechovský aus Tschechien bringen sich jetzt zudem zwei weitere Politiker in die Thematik ein. Beide haben in der vergangenen Woche die Interessengruppen Muldentalbahn aus Deutschland sowie Moldavská dráha (Moldauer Bahn) aus Tschechien zu einem Arbeitstreffen nach Holzhau eingeladen, um weitere Möglichkeiten der Wiederinbetriebnahme der Strecke auszuloten. Diese könnte, zumindest aus finanzieller Sicht, aktuell in so greifbarer Nähe sein wie nie vorher. Laut Jahr stehen mit dem von der EU aufgelegten Hilfspaket "Next Generation" in den nächsten vier Jahren rund 750 Milliarden Euro Fördermittel zur Verfügung. Um aus diesem Topf eine Finanzierung für das geschätzt 20 Millionen Euro teure Bahnvorhaben beantragen zu können, braucht es allerdings ein Projekt.

Als Grundlage dafür muss aber im Vorfeld zunächst vom Freistaat Sachsen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Diese Studie wurde zugesagt und die finanziellen Mittel, rund 80.000 Euro, dafür sind laut Jahr bereits im sächsischen Haushalt eingestellt. Allerdings wurde der Auftrag noch nicht ausgelöst.

Laut Eric Nitzsche vom Sächsischen Wirtschaftsministerium (SMWA) wird die Ausschreibung für den Auftrag zur Studie derzeit vorbereitet. "Es gilt nun, beim Wirtschaftsministerium in Dresden nachzuhaken und die Sache zu beschleunigen. Denn aus europäischer Sicht handelt es sich hier um ein eher kleines Projekt, dem ich gute Chancen ausrechne", so Jahr.

Auf Unverständnis stößt das zögerliche Handeln des sächsischen Wirtschaftsministeriums sowohl bei den Bürgermeistern der Anliegerkommunen, als auch bei Oldrich Bubenícek, dem Landeshauptmann der Region Usti (vergleichbar mit dem Präsidenten einer Landesdirektion). "Die tschechische Seite hat großes Interesse an der Bahnstrecke und bereits im vergangenen Jahr mit Millionenaufwand ein kompliziertes, weil steiles Stück, der Strecke bei Nove Mesto erneuert und hofft nun darauf, dass Sachsen mitzieht", so Bubenícek. Auch der Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle fordert ein zügigeres Agieren des SMWA. "Für unsere Region ist der Tourismus ein entscheidender Wirtschaftszweig - und der muss gefördert werden", so Michael Funke. Er verbindet mit dem Lückenschluss eine deutliche Erhöhung der touristischen Attraktivität der Region. Um auch Touristen bessere Bedingungen bieten zu können, lässt die Kommune derzeit am Bienenmühler Bahnhof den dortigen Knotenpunkt zwischen Bahn und Bus neu gestalten. Das neue Gebäude wird unter anderem eine Wartehalle samt Toiletten beinhalten, dazu kommen neue Beleuchtung, Parkplätze und Fahrradständer.

Mit der Einladung zu einer Regionalkonferenz, die im kommenden Jahr in Teplice stattfinden soll, setzt Tomáš Zdechovský dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) symbolisch sogar die Pistole auf die Brust. "Er soll das Ergebnis der Machbarkeitsstudie präsentieren. Über den genauen Termin können wir uns verständigen", sagt Zdechovský. Er deutet an, dass die tschechische Seite das Interesse an der Unterstützung des Lückenschlusses verlieren könnte, sollte Duligs Ministerium die Studie nicht im Laufe des Jahres 2021 vorlegen können. Auch der Sprecher der IG Muldentalbahn, Steve Ittershagen, hofft auf einen erfolgreichen Abschluss der jahrelangen Bemühungen. "Die Strecke ist noch gewidmet, und die Konzession gilt auch noch. Etwa acht Kilometer Oberbau und eine kleine Brücke am Teichhaus sind zu bauen. Die Eisenbahn als verbindendes Medium bringt die Menschen zueinander. Da sollte das greifbare Projekt jetzt doch nicht an der Studie scheitern", so der frühere CDU-Landtagsabgeordnete.

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