Die Badegäste aus dem Nachbarland

Ein Großteil der Besucher des Muldaer Erlebnis- bades stammt aus Tschechien. Nicht selten kommt die ganze Familie vom Enkel bis zum Großvater.

Daumen hoch fürs Muldabad: Familie Klasterka aus Tschechien kommt gern hierher.

Für Sie berichtet: Heike Hubricht

Besuch aus Böhmen: Auf dem Parkplatz des Muldaer Erlebnisbades stehen auffallend viele Autos mit tschechischen Kennzeichen. Und in den ersten beiden Stunden nach der Öffnung ist in der Anlage oft mehr Tschechisch als Deutsch zu hören. Denn das kommunale Freibad erfreut sich bei Badefreunden aus dem Nachbarland regen Zuspruchs. Und die böhmischen Besucher kommen meist frühzeitig, damit sich die Anfahrt lohnt.

Eine Stunde sind die Klasterkas aus Teplice unterwegs gewesen, um zum Muldabad zu gelangen. Wie viele tschechischen Badegäste kommen sie ganz in Familie - und zwar zu zehnt: Vater Karel Klasterka (44), Mutter Michala (38), die Töchter Emma (7), Ella (11) und Ester (14), Karels Schwester Eva (43) und ihr Sohn Albert (13) sowie die Großeltern Karel (74) und Anna (73) und Barobora (14), eine Freundin der Kinder. "Uns gefällt es hier super: Es ist eine schöne Umgebung und eine schöne und gepflegte Anlage mit viel Platz", sagt Karel Klasterka. Der Projektleiter in einer Behinderteneinrichtung spricht gut Deutsch, weil sein Unternehmen mit einer Einrichtung in Sachsen-Anhalt kooperiert. In Mulda kann sich Klasterka also gut verständigen. Ansonsten sind es oft die "Stammesältesten", die Deutsch sprechen. Zur Not geht's auch mit Händen und Füßen.

Jetzt springen die Klasterka-Kinder gerade vom Ein- oder Drei-Meter-Turm. Im Muldabad gibt es ein extra Sprungbecken, auch das findet der 44-jährige Vater gut. Seine Frau, seine Schwester und seine Eltern ziehen unterdessen ihre Bahnen im Schwimmbecken und wechseln dann in den Erlebnisbereich mit Massagedüsen und Strömungskanal. "Die lange Rutsche ist klasse. Das macht großen Spaß", sagt Albert auf englisch und flitzt wieder los, um vom 3-Meter-Turm zu springen. Die Rutsche ist 80 Meter lang, hinzu kommt das Auffangbecken.

Seit 2014 kommt Familie Klasterka etwa vier- bis fünfmal jährlich in das Erlebnisbad am Eppenflussweg. "Bekannte haben es uns empfohlen", sagt Karel Klasterka. In Tschechien gebe es keine vergleichbaren Freibäder. Das Hallenbad in Most habe zwar einen Außenbereich, doch der sei mit dem großzügig angelegten Muldaer Areal nicht vergleichbar.

Schwimmmeister Roy Aumann erzählt später, dass die Nachfrage der Böhmen einen historischen Hintergrund hat. Ende der 1990er-Jahre gab es eine Partnerschaft zwischen dem SV Hrob (bei Teplice) und dem SV Mulda. Die Alten Herren organisierten Turniere und luden sich wechselseitig ein. "Als die Tschechen bei uns waren, sahen sie das schöne Bad und erzählten es ihren Bekannten. So sprach es sich herum", sagt Aumann. Manche Tschechen kämen jedes Wochenende vorbei. "Inzwischen badet hier wohl der halbe Ort Hrob, der etwa 2000 Einwohner zählt", sagt Aumann augenzwinkernd. Im selben Atemzug fügt er hinzu, dass er sich eine ähnlich große Resonanz seitens der Muldaer wünsche. "Hierher kommen Besucher aus Chemnitz, Freiberg und dem Dresdner Raum. Auch die Zethauer Grüne Schule ist regelmäßig mit ihren Ferienkindern zu Gast. Aber die Muldaer kann man manchmal an einer Hand abzählen", sagt der 40-Jährige. Roy Aumann arbeitet seit 1997 im Muldabad und war damals mit 19Jahren einer der jüngsten Schwimmmeister in Sachsen.

Das Erlebnisbad ist 1996 eröffnet worden. Kritiker nannten es überdimensioniert für die Erzgebirgsgemeinde. Laut Bürgermeister Reiner Stiehl muss die Kommune jedes Jahr rund 70.000 Euro zuschießen, weil das Bad sich nicht über die Eintrittspreise rentiert. "Wir achten darauf, dass die Anlage gut in Schuss bleibt", sagt Aumann. Viele Gäste aus Tschechien würden das loben. Denn dort gebe es auch Bäder, aber diese würden nicht so gepflegt. "Bei uns hat der Tüv ein Auge drauf, das gibt es dort nicht", so Aumann. Zudem seien die Eintrittspreise in Mulda günstiger als in Tschechien, hätten Badegäste erzählt. Parkgebühren gibt es in Mulda auch keine.

Gegen Mittag strömen mehr einheimische Besucher ins Muldaer Freibad. Insgesamt werden es an diesem Ferientag an die 1200 Gäste sein. Probleme mit den Wasserfreunden aus dem Nachbarland gibt es laut Aumann nicht. "Die Tschechen achten zum Teil mehr als die Deutschen auf die Regeln", sagt er. "Es sind angenehme Gäste." In diesem Sinne: Na sledano - Auf Wiedersehen!

Von Riesenrutsche bis zu Kletterwand

Das 1996 eingeweihte Muldabad hat einen Erlebnisteil mit Strömungskanal, Massagedüsen, Nackenduschen und Breitrutsche, Schwimm- sowie Sprungbecken und eine Riesenrutsche. Es ist solarbeheizt. Es gibt einen Kinderspielplatz, ein Trampolin und eine Kletterwand mit Rutsche.

Laut Schwimmmeister Roy Aumann wird das Chlorgas langsam knapp. Es gebe Liefer-Engpässe. Das Weißenborner Bad habe mit Chor-Granulat ausgeholfen. Jetzt werde zusätzlich per Hand gechlort.

Die Durchschreitebecken sollen ab 2019 erneuert werden, zumal sich auch schon ein Kind an einer defekten Fliese verletzt hat. Eigentlich war die Erneuerung schon ab 2018 geplant. Allerdings entpuppten sich die Angebote als deutlich höher als im Muldaer Haushaltsplan avisiert.

Das Bad hat von 9 bis 20 Uhr geöffnet, ab 13. August montags bis freitags 10 bis 20 Uhr, am Wochenende 9bis 20 Uhr. Eintritt: 4 bzw. 2Euro. Vom 24. bis 26. August findet ein Beachvolleyballturnier statt. (hh)

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