Die ersten Lämmer sind schon da

Wenn Schafe Junge bekommen, ist das Winterende nicht mehr weit. Jörg Neuber aus Dittersbach züchtet eine neue ganz besondere Rasse.

Dittersbach/Neuhausen.

Zwischen zwei und acht Wochen sind Jörg Neubers Lämmer alt und etwas ganz Besonderes. Sie haben ähnliches Fell wie Kühe. Nolana-Schafe sind Kreuzungen zwischen einheimischen Wollschafrassen mit Haarschafrassen wie dem Barbados Blackbelly aus der Karibik oder Kurzwollrassen wie dem Wiltshire Horn aus England.

Angesichts der Unrentabilität der Schur gilt das Nolana-Schaf als eine Alternative für die Zukunft. Beinahe zufällig ist Jörg Neuber im Internet auf das Zuchtprojekt gestoßen. Das ist sieben Jahre her. Seit 2014 zählt er zu den Mitgliedern des Netzwerks und züchtet selbst Nolana-Schafe. Begeistert sog er so viele Publikationen auf wie möglich und informierte sich umfassend über die Zucht.

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Derzeit ist Neuber der erste Nolana-Schaf-Züchter im Herdbuch des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes. Das Herdbuch gilt als geführte geordnete Zusammenstellung beglaubigter Abstammungsnachweise von Zuchttieren, Tierfamilien oder Stämmen. Derzeit tummeln sich 23 Lämmer im Stall. Noch viel lieber sind sie aber draußen. Auch jetzt bei dem trüben matschigen Wetter. Da folgen sie ganz den Alttieren. "Solange sie im Schnee scharren können und etwas Fressbares finden, sind sie im Freien", versichert der Dittersbacher. Der Stall ist offen. Wenn sie wollen, können die Schafe sich auch dort aufhalten.

Die im Entstehen begriffene Rasse begeistert Jörg Neuber auch wegen ihrer Anspruchslosigkeit. Sie müssen nie geschoren werden. Im Herbst bilden sie ihr Winterfell aus, unter dem eine dichte Unterwolle wächst. Im Frühling verlieren sie das wieder auf ganz natürliche Weise.

Wie aufwendig die Schafschur ist, erlebte Neuber schon während seiner Kindheit. Seine Familie hatte immer Schafe. Heute gibt es für die Vliese keinen Markt mehr.

Die Nolanas fressen das gesamte Jahr über auf den vier Hektar Land, die der Inhaber einer Trockenbaufirma besitzt. Nur im Winter füttert er Kraftfutter zu. Dann brauchen sie viel Wasser, das sie im Sommer oft einfach stehen lassen. Für ihn sind sie die perfekten Landschaftspfleger. Daher heißt diese Zuchtrichtung auch Nolana-Landschaf. Nolana-Fleischschafe werden dagegen vorrangig zum Verzehr gezüchtet. Die Tiere dieser Rasse sind binnen sechs Monaten schlachtreif.

Das bedeutet nicht, dass Jörg Neubers Schafe nicht schmecken. Selbstverständlich dienen sie der Familie auch als Braten- oder Suppenfleisch. Das ist aber nur ein willkommener Nebeneffekt. Der Dittersbacher genießt vielmehr den Umgang mit den Tieren und findet so einen Ausgleich zum Alltag in seiner Firma.

Aufgrund der Anspruchslosigkeit der Nolana-Schafe ist gar nicht so viel Arbeit notwendig. Dafür liebt Neuber es, sie zu beobachten, vor allem im Freien. Angst vor dem Wolf hat er schon. Schließlich wären seine Schafe eine leichte Beute für Meister Isegrim. Der Fuchs geht auch im Stall aus und ein. Allerdings schützt die Herde ihre Jungen ganz verbissen. Jörg Neuber kennt seine Nolanas als enorm soziale Gemeinschaft. Bislang ist noch keines seiner Tiere gerissen worden.

Die Paarung läuft asaisonal. Das heißt, eine feste Paarungszeit gibt es aus biologischer Hinsicht nicht. Allerdings lässt Jörg Neuer seine Zuchtböcke nur im Sommer zu den Auen genannten weiblichen Schafen. Dann lammen sie am Ende des Winters nach etwa 150 Tagen Trächtigkeit. Das Lammen selbst läuft in der Regel ganz unkompliziert. Nur in den seltensten Fällen muss der Züchter helfen. Jede Aue bringt zwischen einem und drei Lämmern zur Welt.

Der bundesweite Zuchtversuch läuft noch bis 2024. Bis dahin dürfen auch weitere Kreuzungen versucht werden. Danach, so hoffen die Züchter des Nolana-Netzwerkes, sollen diese Schafe als eigenständige Rasse anerkannt sein.

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