Die ersten Störche sind schon gesichtet

Für Mittelsachsen ein Rätsel: Auf einem Schornstein hat sich ein Tier eingenistet. War es vielleicht nie weg? Zwei Vögel sind auch in Altmittweida und in Wittgensdorf gelandet.

Burgstädt/Altmittweida.

Anwohner und Hobbyfotografen haben ihn entdeckt: Ein Storch hat sich wieder auf der Esse an der Chemnitzer Straße in Burgstädt eingenistet - so früh wie lange nicht. "Wie schon in den Vorjahren setzt sich der Trend fort, dass Störche immer früher in die Brutgebiete heimkehren", sagt auf Nachfrage Kai Schaarschmidt, ehrenamtlicher Storchenbeauftragter des Landkreises Mittelsachsen.

Das liege zum einen sicher an der milden Witterung, aber auch an den sogenannten Südwestziehern, die schon in Spanien, statt in Afrika überwintern, ergänzt er. Dadurch kämen sie früher zurück, seien geringeren Gefahren auf dem Vogelzug ausgesetzt und seien in einem fitteren Zustand. Der erste Storch wurde bereits am 22. Februar in Wittgensdorf beobachtet. Die nächsten beiden Vögel wurden am 2. März in Burgstädt und Altmittweida gesichtet. "Es ist sozusagen die Vorhut", so Schaarschmidt. Mit dem großen Schwung rechnet der Experte noch diesen Monat. Ob es sich bei dem Storch in Burgstädt um denselben vom Vorjahr handelt, der mit seiner Partnerin erstmals vier Junge bekam, könne er noch nicht sagen, weil er den Vogel auch erst von Weitem gesehen habe.

Doch auf der Facebook-Seite Burgstädt, wo zuerst über den Neuankömmling informiert wurde, hat sich eine Diskussion entfacht. Ein Nutzer schreibt: "Die waren gar nicht weg." Er habe den ganzen Winter über Störche auf einer Wiese zwischen Wittgensdorf und Murschnitz gesehen. Zusammen mit Graureihern hätten sie Futter gesucht, fügt er hinzu. Anscheinend hätten die Tiere gewusst, dass es keinen richtigen Winter gibt, meint er. Doch ein weiterer Experte entgegnet, dass die Tiere auf der Wiese nicht Störche, sondern Silberreiher gewesen seien.

Storchenbeauftragter Schaarschmidt möchte das Rätsel aufklären. "Dass die Störche überwintert haben, kann ich nicht recht glauben." Er habe zumindest nichts davon gehört. In Bayern und Baden-Württemberg gebe es etwa mit 500 bis 600 Vögeln eine große Anzahl an Überwinterern, in Sachsen sei das allerdings noch die Ausnahme, fügt er hinzu. Meist seien das geschwächte oder kranke Tiere, die den Abzug nicht geschafft hätten. Eine "geplante" Überwinterung sei noch kein Thema in Mittelsachsen, ergänzt er.

Im vorigen Jahr registrierte Schaarschmidt in Mittelsachsen zehn Brutpaare. Das war Rekord. 25Jungstörche sind 2019 geschlüpft. Bei zwei Paaren stellte sich kein Nachwuchs ein. Die Zahl der Jungstörche sei damit deutlich höher als im Vorjahr. Damals kamen nur 13Tiere durch. (mit dahl)


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