Die "Flora" wechselt den Besitzer

In der Nachwendezeit gab es in Mulda sieben Gaststätten. Von diesen blieben drei Lokale - davon eins im Saisonbetrieb - übrig. Für ein Café konnte jetzt ein Nachfolger gefunden.

Mulda.

Ab 1. Mai hat das Café "Flora" in Mulda einen neuen Besitzer. Der gelernte Koch David Liebig übernimmt das Lokal von der jetzigen Inhaberin Kornelia Kahsnitz. Damit ist das Fortbestehen der vor mehr als 30 Jahren eröffneten Gaststätte gesichert, die bei Muldaern und Ausflüglern beliebt ist. In Mulda gibt es derzeit drei Lokale, wobei der Badimbiss nur in der Saison geöffnet ist. Zudem wurde 2016 ein Dönerladen eröffnet. In der Nachwendezeit gab es noch sieben Gaststätten (siehe Kasten).

Bürgermeister Reiner Stiehl (Freie Wähler) gratuliert Familie Kahsnitz dazu, "einen engagierten und fachkompetenten Nachfolger gefunden zu haben". Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Firmen händeringend einen Nachfolger suchten, sei es für die Gemeinde ein gutes Ergebnis. Und das "nicht nur des leckeren Eises wegen", ergänzt Stiehl. "Es wäre sehr schade gewesen, wenn das Café ,Flora' an der Nachfolgeregelung gescheitert wäre."


Auch Wirtin Kornelia Kahsnitz freut sich über die Lösung. "Schön, dass es mit der Nachfolge geklappt hat", sagt die 61-Jährige. Ihr Mann Hans-Jürgen (65) nickt zustimmend. In den vergangenen zwei Jahren hatten David Liebig und seine Frau Catrin, gelernte Restaurantfachfrau, schon im Café "Flora" mitgearbeitet. David Liebig betreute beispielsweise das Online-Marketing, kochte und kellnerte mit, seine Frau kellnerte. "Jetzt tauschen wir die Rollen", sagt Kornelia Kahsnitz und lacht. Sie und ihr Mann wollen dem Betrieb auch künftig tatkräftig zur Seite stehen. Die beiden kennen David Liebig, der mit seiner Familie im Saydaer Ortsteil Ullersdorf wohnt, schon seit sieben Jahren. Damals war Liebig Küchenchef im "Kleinen Vorwerk" Sayda. Als er dort bei der Einführung von "Slow food" (übersetzt: langsames Essen) auf Produkte aus der näheren Region umstellte, suchte er einen neuen Eislieferanten - und stieß auf das Café "Flora".

Denn Eismeister Hans-Jürgen Kahsnitz stellt über 50 Sorten Eis selbst her. Derzeit ist zum Beispiel sein Pistazieneis mit Meersalz sehr gefragt. Das Eis liefert Kahsnitz immer noch an das "Kleine Vorwerk" in Sayda, aber auch an den Dresdener Kulturpalast und den Hofladen der Agrargenossenschaft Clausnitz.

David Liebig war in den vergangenen zwei Jahren als Dienstleiter in der Gastronomie tätig, zudem betreute der Gastronom Veranstaltungen im Mayoratsgut Großhartmannsdorf. Der 36-Jährige und seine ein Jahr jüngere Frau hegten bereits seit einigen Jahren den Wunsch, eine eigene Gaststätte zu führen. Deshalb sahen sie sich in der Region, aber auch in ganz Sachsen nach einem geeigneten Lokal um. Beinahe hätten sie ein historisches Gasthaus nahe Chemnitz übernommen. Doch dann entschieden sie sich für das 15Autominuten von ihrem Wohnort entfernte Café "Flora". "Ich wollte einen Betrieb übernehmen, der läuft und einen guten Ruf hat", begründet Liebig seine Wahl. Und dass das Ehepaar Kahsnitz das Lokal seit seiner Eröffnung im Januar 1989 immer wieder modernisiert und erweitert hatte, spielte wohl auch eine Rolle. Einst waren es 18Sitzplätze, jetzt sind es 78 Sitzplätze im Lokal und 24 Plätze im Garten. Neben dem hausgemachten Eis stehen beispielsweise Burger, Pasta und Hausmannskost wie Rostbrätel auf der Karte. Laut David Liebig soll jetzt die neue moderne Küche Einzug halten. Und er will noch stärker auf regionale Produkte setzen. Schon heute kommen Forellen und Rindfleisch aus Lichtenberg, Biokartoffeln aus Zethau und Speiseöl aus Bobritzsch.

Bürgermeister Stiehl wünscht den neuen Betreibern viel Erfolg und der Familie Kahsnitz "in naher Zukunft ihren wohlverdienten Ruhestand".


Einst sieben Gaststätten

Anfang der 1990er-Jahre bestanden in Mulda noch sieben Gaststätten und Cafés: Neben dem Café Flora waren das der Muldaer Hof (zu DDR-Zeiten Ferienheim Druckkombinat Berlin und Kinderferienlager, seit 1991 Gasthof und Hotel, jetzt geöffnet Donnerstag, Freitag und Samstag ab 17 Uhr sowie Sonntag ab 11 Uhr), Egg's Gasthof (ab 1827, seit 1879 unter dem Namen Egg's Gasthof bis November 1991), das Badecafé Mulda (1972 bis 1990, jetzt Saisonbetrieb), die Bahnhofsgaststätte (1876 nach der Inbetriebnahme der Bahnlinie Freiberg-Bienenmühle bis 2004), die Tankstellen-Gaststätte und die Sportlergaststätte (1980 bis 2000). Zudem gibt es seit 2016 einen Dönerladen.

In Zethau gibt es derzeit noch das Gasthaus Jägerstüb'l (nur noch Catering). Felsenkeller Zethau und Gasthof Helbigsdorf machten schon zu DDR-Zeiten dicht.

Café Flora: Der heutige Eismeister Hans-Jürgen Kahsnitz, studierter Agraringenieur, war einst Chef der Jungviehanlage Helbigsdorf mit 1236 Färsen der Muldaer LPG "Vereinte Kraft". Seine Frau Kornelia, ebenfalls Agraringenieurin, war Leiterin der Milchproduktion. Ihre Mutter Ruth Herold hatte einst in der heutigen "Flora" ein Geschäft für Raumtextilien, das zur Konsumgenossenschaft gehörte. "Meine Mutter wollte aufhören, da entstand die Idee des Cafés. Denn wir wollten uns beide beruflich verändern", erzählt Kornelia Kahsnitz. Da ihr Mann handwerkliches Geschick hat, konnte er viel selbst bauen. Im Januar 1989 wurde das Café eröffnet. Die Wendezeit sei - wie wohl fast überall in hiesigen Breiten in der Gastronomie - sehr schwierig gewesen. "Aber wir haben es überstanden." Inzwischen kämen die Stammkunden nicht nur aus Mulda, sondern zum Beispiel auch aus Brand-Erbisdorf, Freiberg, Zwickau, Dresden, Chemnitz, Leipzig und Mohorn. Viele Radler schauen vorbei und auch Touristen, die nach Blockhausen wollen. (hh)

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