Die gute Seele der Kirchgemeinde

Am Wochenende feiern die Christen aus Dorfchemnitz den 325. Jahrestag ihrer Kirchweihe. Jan Gernegroß hat allen Grund, dieses Jubiläum würdevoll zu begehen.

Dorfchemnitz.

"Es ist mir ein Bedürfnis, die Dorfgemeinschaft zusammenzubringen, das Miteinander zu pflegen und dabei den Glauben lebendig werden zu lassen." Das sagt Jan Gernegroß, Kirchenvorstandsvorsitzender aus Dorfchemnitz, nicht nur. Der 40-Jährige lebt und arbeitet danach - Tag für Tag.

Für ihn heißt das, in der Kirche das Evangelium zu verkünden. Auch von der Kanzel hat er schon gepredigt. Doch eher ist der Dorfchemnitzer ein Praktiker. Wenn in der Kirche eine Glühbirne zu wechseln ist, das Gras im Kirchgelände zu mähen, die Kerzen auf dem Altar zu erneuern oder Internet und Heizung im Pfarrhaus zu reparieren sind, dann ist Jan Gernegroß zur Stelle. Auch bei den "Kirchennachrichten" bringt er sich ein. "Jan Gernegroß hat goldene Hände. Er ist sehr zuverlässig, redet nicht viel, er packt einfach und unkompliziert und vor allem sehr ordentlich die Dinge an, und dies schon seit 22 Jahren", betont Pfarrerin Christine Klement.

In Dorfchemnitz wurden seinerzeit Kirchenvorsteher gesucht. Der damals 18-jährige Jan Gernegroß überlegte nicht lange, stellte sich zur Wahl und wurde unter mehreren Bewerbern gewählt. "Ich sah dies als eine Chance, Gott zu dienen und den Glauben in der Gemeinde lebendig werden zu lassen."

Der Tischlermeister wuchs in einer christlichen Familie auf. "Zur Konfirmandenrüstzeit im Alter von 14 Jahren bin ich Menschen begegnet, die fest im Glauben standen und tiefe Dankbarkeit ausstrahlten. Da habe ich im wahrsten Sinne des Wortes Gott kennengelernt", sagt Gernegroß. In der jungen Gemeinde, in der er 20 Jahre tätig war, lernte er seine spätere Frau Tina kennen. Zu seinem Leidwesen gibt es zurzeit keine junge Gemeinde mehr. Wieder eine neue Gruppe aufzubauen, gehört zu den Vorhaben des Kirchenvorstandschefs. "Es war für mich als Leiter dieser Gruppe eine schöne Zeit. Ich denke, ich habe den jungen Leuten nicht nur viel geben können, mich haben diese Jahre sehr geprägt. Ich habe viele positive Erfahrungen gesammelt", blickt er zurück. Der dreifache Familienvater ist die gute Seele seiner Kirchgemeinde. Jedoch: "Ohne den harten Kern, zu dem rund 20 Frauen und Männer gehören, die zur Stelle sind, wenn sie gebraucht werden, wäre ich nur einer unter vielen", betont Gernegroß. Der 40-Jährige ist nicht nur in der Kirchenarbeit, sondern auch im Ort sehr aktiv. So organisiert er das Hammerfest mit und ist bei der Adventskalenderöffnung dabei. Neben seiner Frau und den Kindern gehört seine Liebe seit drei Jahren dem Kindersport. "Ich freue mich, wenn sich die Vier- bis Zehnjährigen mit Begeisterung sportlich betätigen und dabei kleine Erfolgserlebnisse haben. Auch zwei meiner Söhne sind dabei", sagt er.

Eine Gemeinde funktioniere nur, wenn Menschen gemeinsam in eine Richtung gehen und jeder sich auf den anderen verlassen kann, findet der Dorfchemnitzer. Das werde auch in der Familie Gernegroß so gehandhabt. Am Abend schmiedet er oft mit seiner Frau Pläne, die in der Kirchgemeinde umgesetzt werden. Bei all seinem Engagement komme das Privatleben nicht zu kurz, betont er. Neben Ausflügen mit der Familie, den Treffen mit Freunden und der Gartenarbeit gehört seine Liebe einem Iseki - einem Traktor, Baujahr 91. Den hat er hergerichtet und mit Sohn Aron darauf schon einige Runden gedreht. Dass er am bevorstehenden Jubiläumswochenende nur feiern kann, daran zweifelt Gernegroß ein wenig. Es ertönt bestimmt: "Hallo Jan, könntest Du nicht einmal ..."

Ein Festgottesdienst, zu dem Pfarrerin Christine Klement einlädt, findet am Sonntag, 14 Uhr, statt. Auch Pfarrer, die in den vergangenen Jahren in der Kirchgemeinde Dorfchemnitz tätig waren, werden erwartet. Anschließend wird in der Kirche bei Kaffee und Kuchen gefeiert.


Wechselvolle Geschichte des Dorfchemnitzer Gotteshauses

1539 ist auf einer Anhöhe in Dorfchemnitz eine Saalkirche verbürgt. Über das Äußere ist nichts bekannt. Fest steht nur: Das Gotteshaus wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach umgebaut, etwa 1692 und 1693. Arbeiten am Turm folgten 1705.

Auch Anfangdes 19. Jahrhunderts rückten die Handwerker an. Der

Kanzelaltar stammt aus jener Zeit. Die drei Lindenholzfiguren am

Kanzelkorb sind älteren Datums

und wurden vermutlich im frühen

18. Jahrhundert geschnitzt: Sie

stellen den lehrenden Christus dar, flankiert von den Evangelisten Lukas und Markus. Hoch oben über dem

Altar befindet sich ein großes Kruzifix, das vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt.

1893 wurde das Gotteshaus erneut umgestaltet. Seither zeigt sich das Gebäude - ein verputzter Bruchsteinbau mit dreiseitigem Chorschluss - in der heutigen Gestalt. 1930, in den 1960er-Jahren sowie von 1992 bis 1994 wurde die Kirche restauriert. (acr)

Kunstdenkmäler, Sachsen II sowie Kirchenbezirk Freiberg

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