Die Himmelschlüssel-Omas

Ob für den Kirchturm oder die Museumsorgel - Ruth Weichelt hat mit einer Wildblume viel Gutes getan - vielleicht sogar für einen Rekord gesorgt.

Frauenstein/St. Michaelis.

Es sind genau 331 Himmelschlüssel, die im Garten von Liesa Beier in St. Michaelis blühen. Doch nicht nur dort, sondern auch im schweizerischen Winterthur, in Hamburg, Wuppertal und anderswo wachsen die Pflanzen von Ruth Weichelt aus Frauenstein.

"Unglaublich, wie sie sich vermehrt haben", sagt Liesa Beier, die sich die Mühe machte, allein die blühenden Primeln auf ihrer Wiese zu zählen. "Es sind weit mehr, aber manche blühen noch nicht", meint sie. Ob ihre Blütenpracht einen Rekord bedeutet, kann die 79-Jährige aber nicht sagen.


Vor 15 Jahren begann die ungewöhnliche Aktion: Damals erfuhr die St. Michaeliserin, dass im Gottfried-Silbermann-Museum in Frauenstein Himmelschlüsselchen verkauft und die Einnahmen als Spenden für die Ausstellung genutzt werden. Sie fuhr nach Frauenstein und kaufte Pflanzen. Sie stammten von Ruth Weichelt, die damals schon lange die zartgelben Frühlingsboten im Garten zog. Über viele Jahre hatten sie sich durch Selbstaussaat von einer Böschung am Frauensteiner Stadtrand bis dorthin verbreitet.

1992 las Ruth Weichelt dann den Aufruf einer Brauerei, die eigens für die Rekultivierung des Himmelschlüsselchens einen Naturschutzpreis auslobte. Der Frauensteinerin kam der Gedanke: "Ich habe blühende Pflanzen aus dem Garten eingetopft und auf dem Markt verkauft." Noch heute bewahrt sie die Quittung auf: "100 Pflanzen brachten 183 Mark. Die habe ich für die Sanierung des Frauensteiner Kirchturms gespendet", sagt sie.

Schnell erfuhr auch die damalige Leiterin des Frauensteiner Silbermannmuseums von der Initiative. Und so gab es fortan im Frühling getopfte, blühende Himmelschlüssel für je eine Mark im Museum, versehen mit einer Pflegeanleitung und der Bitte zum Schutz der Wildblume. "Über jeden Verkauf wurde Buch geführt", erinnert sich Giesela Müller, die ebenfalls im Ruhestand ist. Museumsbesucher auch aus Krefeld, Bielefeld und anderen Orten nahmen sie mit in die heimischen Gärten - Niederschriften belegen es. "Das Geld haben wir mit anderen Spenden für unsere Museumsorgel genutzt", sagt Giesela Müller. Die wurde vom Dresdner Orgelbaumeister Kristian Wegscheider gebaut und 1994 eingeweiht. Auch der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle schenkte Ruth Weichelt 1992 insgesamt 100 Pflanzen - und ließ sich die Verpflichtung geben, dass sie ausgepflanzt werden - auf die Liegewiese am Ökobad. 2004 überwies die Frauensteinerin weitere 35Euro aus ihrem Blumenverkauf aufs Museumskonto und verschenkte 2011 zum Stadtfest weitere der Primeln.

Sechs Himmelschlüsselchen kaufte Liesa Beier aus St. Michaelis vor 15 Jahren - die blühende Wiese ist heute ihr Stolz. Ruth Weichelt bekam 1992 für ihr Engagement den Naturschutzpreis - die Urkunde bewahrt die 88-Jährige gut auf.

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