Die Jüngsten der Bergparade

1996 wurde die Kindergruppe der Freiberger Knappschaft gegründet. Nach fast 24 Jahren gab Leiter Heiko Götze sein Ehrenamt in neue Hände.

Freiberg.

Sie tragen schwarze Hüte und Hämmer sowie die nachempfundenen Jacken der Klaubejungen des Bergbaus: die Mädchen und Jungen der Kindergruppe der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft. 1996 wurde die Gruppe gegründet und seitdem melden sich immer mal neue Interessenten.

Von Anfang an hatte Familie Götze aus Brand-Erbisdorf den Hut für die Jüngsten der Bergparade auf. Heiko Götze als Leiter der Kindergruppe und seine Frau Susanne als diejenige, die immer dabei war. Frisch vom Bergbau-Tiefbau-Studium an der Bergakademie ins Berufsleben gestartet, übernahm Götze die Aufgabe, sich um den Bergparaden-Nachwuchs zu kümmern.

An die erste Veranstaltung kann er sich noch gut erinnern. "Wir besichtigten am 1. Juni 1996 die Kleiderkammer der Bergparade, die sich damals noch unterm Dach der Berufsschule am Schachtweg befand." Damals wurde festgelegt, sich immer am ersten Sonnabend im Monat zu treffen. Das ist heute noch so, und auch einen Jahresplan mit konkreten Terminen gibt es noch.

Die Kindergruppe besichtigte fast alle sächsischen Schaubergwerke und historische Sammlungen, die es in der Region gibt. Dazu zählen das Zylindergebläse in Muldenhütten, die Reiche Zeche sowie die Gasgeräte- und die Fernmeldetechnikausstellung in Freiberg. "Es war und ist unser Ziel, die Schüler mit den Traditionen der Bergparade und den noch vorhandenen bergbaulichen Anlagen vertraut zu machen, weil das in der Schule meist zu kurz kommt", sagt Götze.

Anfangs arbeitete die Kindergruppe oft mit Gleichgesinnten aus Brand-Erbisdorf zusammen. Doch das zerschlug sich irgendwann. Inzwischen pflegen die Freiberger enge Kontakte zur Kindergruppe der Seiffener Bergparade. Gemeinsame Drachenfeste und neuerdings gemeinsames Zelten sind feste Größen im Jahresplan. Fürs Zelten stellt Familie Bieneck aus Halsbach seit Jahren ihr Grundstück zur Verfügung, inzwischen fühlen sich diese Treffen wie ein großes Familienfest an.

Im Frühling beteiligt sich die Kindergruppe seit Jahren am Frühlingsputz in der Stadt. Zuerst räumten sie an der Roten Grube oder an der Saxonia-Stiftung mit auf. Seit mehreren Jahren unterstützen Kinder und Eltern die Ehrenamtlichen am Muldenhüttener Zylindergebläse beim Beseitigen der Winterhinterlassenschaften im Außengelände. "Für die Kinder ist jede Bergparade und jede Mettenschicht ein Höhepunkt für sich", weiß Heiko Götze.

Auf reichlich 30 Mitglieder pegelte sich die Stärke der Kindergruppe der Bergparade ein. Insgesamt 105 Kinder und Jugendliche wurden in den vergangenen Jahren betreut. "Rund 50 davon sind noch im Verein", so Götze. "Die erste Generation ist weggegangen, weil es hier für sie keine Ausbildungsplätze gab. Sie und deren Kinder fehlen uns natürlich." Er ist stolz darauf, dass ehemalige Mitglieder der Kindergruppe bereits zu Stützen des Vereins gehören. Drei von ihnen tragen zu den Bergparaden die Hüttenfahne, Andre Hermsdorf stellt sich im März zur Vorstandswahl. "Da ist für den Verein was hängen geblieben, die Mühen haben sich ausgezahlt", freut sich Götze.

Nach fast 24 Jahren als Leiter der Kindergruppe hat der 53-Jährige sein Ehrenamt zum Jahresbeginn in neue Hände gelegt, weil er im Verein eine andere Aufgabe übernimmt. Lars Neumann ist jetzt der Fachgruppenleiter. Unterstützt wird er wie Familie Götze von weiteren Vereinsmitgliedern, aktuell Eric Teubel, Frauke Fischer und Mandy Berndt.

Ab und zu wird es die Götzes auch künftig zu den Veranstaltungen der Kindergruppe ziehen, denn sie gehörte über 20 Jahre eng zum Familienleben, Tochter Laura und Sohn Maximilian wurden als Babys schon im Kinderwagen mitgenommen, wuchsen praktisch in der Gruppe auf. "Großartig nachgefragt haben wir bei unseren Kindern nicht, ob sie mitmachen wollen. Das war ein Selbstläufer", erzählt Susanne Götze. "Es funktionierte alles, denn die Großen in der Gruppe haben auch immer auf die Kleinen mit aufgepasst."

Die heutige Elftklässlerin Laura, die zu den Bergparaden jetzt eine Jungakademisten-Uniform trägt, erinnert sich besonders gern an die Zeltlager, ans Seifenkistenbauen und ans Drachenbasteln, pflegt Freundschaften mit ehemaligen Mitgliedern der Kindergruppe und freut sich, nun endlich zu den Paraden selbst eine Kopfbedeckung mit Feder zu tragen. "Ich war immer neidisch auf Vaters Hut mit Feder und auf seine Uniform, jetzt habe ich selbst eine", erzählt sie stolz.

Bruder Maximilian ist inzwischen Vermessungstechniker und lebt in Magdeburg. Das "Glückauf" aus Freiberg hat er mitgenommen. "Die Zeit in der Kindergruppe war wie schöner Geschichtsunterricht", bekennt er. "Wir haben die Traditionen des Bergbaus und der Heimat kennengelernt und auch gelernt, sie zu bewahren." Für ihn war die Kindergruppe das Familienhobby, in das er hineinwuchs. Heute fühlt es sich für ihn großartig an, sich in den Verein einzubringen. Das gelingt auch als Wahl-Magdeburger.


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