Die Mauer von Oberbobritzsch

Mit Steinen und Beton wollte der Jugendclub einen Nachbarschaftsstreit entschärfen. Aber es gibt weiterhin Beschwerden wegen Ruhestörungen.

Sandro Fleischer und Sandro Beyer an der Schallschutzwand, die die Jugendlichen in Oberbobritzsch hinter ihren Club bauten und die die Terrasse von der Straße abtrennt. Die Mauer soll zeigen, dass es den Jugendlichen auf gute Nachbarschaft ankommt, sagen sie.
Auf der Seite, die von der Straße eingesehen werden kann, wurde die Mauer verputzt. Die Materialkosten übernahm die Gemeinde. Der Bürgermeister sagt, bei nachgewiesenen Verstößen habe die Gemeinde reagiert.
Daniel Hubricht (16) ist das jüngste Clubmitglied. Er schätzt die Gemeinschaft - und half beim Bau mit.

Für Sie berichtet: Frank Hommel

Die Terrasse im Hinterhof des Jugendclubs in Oberbobritzsch ist lediglich ein schmaler Streifen. Nur ein paar Tische, Bänke und Stühle passen zwischen Haus und den nahezu senkrechten, felsigen Talhang. Wenn die Jugendlichen dort sitzen und ihre Köpfe heben, sehen sie über sich ein Dach, das einen großen Teil der Terrasse bedeckt. Links, wo es bislang um das Haus herumging, steht neuerdings eine Mauer, 2,50 Meter hoch, 35 Zentimeter stark. Im Innern: Hohlblocksteine, mit Beton ausgegossen. Die Seite zum Hinterhof hin ist mit Gitter und groben Steinen versehen, die Seite zur Straße haben die Jugendlichen ordentlich verputzt. Aus diesem Hinterhof, da sind sich die Jugendlichen sicher, kann nur schwerlich Geräuschpegel größeren Ausmaßes über die Mauer, um das Gebäude des alten Erbgerichts herum und zum Haus auf der anderen Seite der Straße dringen.

"Manchmal", so die Sicht von Sandro Fleischer, "reicht es schon, wenn wir hier sitzen und Karten spielen." Dann stehe die Polizei vor der Tür, oder die Polizei rufe auf dem Handy an, weil eine Anzeige einging wegen Lärmbelästigung. Dann lande wieder ein Anhörungsbogen auf dem Tisch des Jugendclub-Chefs.

Seit Jahren liegt der Club im Streit mit einer Nachbarsfamilie - wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Ruhestörungen. "Wir sind keine Engel", sagt Sandro Fleischer. Da landen auch schon mal sonntags aus Versehen Flaschen im Glasmüll. Doch seit Jahren versuche der Club alles, um den Streit zu entschärfen.

Die Räume haben Schallschutzfenster bekommen. Wummernde Bässe wurden abgestellt. Es gibt einen Raucherraum, damit niemand mehr vor der Tür qualmt und quatscht und so den Unmut auf sich zieht. Und nun haben die Mitglieder die Mauer hochgezogen, das Material im Wert von rund 500 Euro kam von der Gemeinde. "Wir haben es selbst ausprobiert", sagt Sandro Fleischer. "Es ist definitiv noch einmal eine Verbesserung." Dennoch: iIn jüngster Zeit häufen sich wieder die Beschwerden. Am Wochenende, sagt Sandro Fleischer, waren es derer drei. Einmal wegen angeblicher Randale. "Dabei sitzen wir hier hinten auf der Terrasse und reden", schildert Sandro Fleischer die Sicht der Jugendlichen. Manchmal gebe es ein Feierabendbier nach der Nachtschicht, ergänzt Clubkollege Sandro Beyer. Aber die Geräuschkulisse halte sich in Grenzen.

Die Polizei bestätigt, dass sie regelmäßig zum Jugendclub gerufen wird. Eine Sprecherin der Direktion in Chemnitz sagt, dass sich für die Beamten die Vorwürfe in jüngster Zeit als haltlos erwiesen haben. "Wir konnten bislang keine Anhaltspunkte für Lärmbelästigung feststellen", so eine Sprecherin.

Auch die Gemeinde springt den Jugendlichen zur Seite. Bürgermeister Volker Haupt (CDU) berichtet, bei nachgewiesenen Verstößen seien bereits Ordnungswidrigkeitsverfahren, teils auch mit Sanktionen gegen den Club eingeleitet oder umgesetzt worden. "Die Schallschutzwand ist ein Beweis, dass Gemeinde und Jugendliche ernsthaft bemüht sind, Ruhestörungen der Nachbarn zu vermeiden", findet der Bürgermeister. Die Jugendlichen seien an einer Deeskalation sehr interessiert, um den Treff an der jetzigen Stelle zu erhalten. "Eine völlige Geräuschfreiheit kann jedoch keiner garantieren", sagt der Bürgermeister. "Und darauf hat auch niemand einen Anspruch."

Die Familie wollte zu dem Streit in der Öffentlichkeit keine Stellung beziehen.

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