Die NPD vor der Tür: Geschäftsfrau schließt Laden

Protest gegen aggressive Wahlwerbung - Verlegung auf Petersstraße abgelehnt

Freiberg.

Mit Lautsprechern hat die NPD zum Markttag am gestrigen Donnerstagmorgen auf dem Freiberger Obermarkt Wahlwerbung gemacht. Ihren Stand hatten Vertreter des NPD-Landesverbandes Sachsen 9 Uhr direkt vor dem Brillengeschäft von Yvonne Neubert aufgebaut. "Ich war so schockiert, dass die Partei vor meiner Tür steht und so laut und aggressiv Werbung gemacht hat", sagte sie gegen Mittag. Kurzerhand beschloss sie, dagegen zu protestieren, indem sie ihr Geschäft für diese Zeit schließt. "Die Leute denken sonst vielleicht noch, ich habe das genehmigt", bemerkte Neubert. Dazu hängte sie einen Zettel in die Tür, auf dem geschrieben steht: "Geschlossen. Ich protestiere gegen diese Veranstaltung vor meinem Geschäft, indem ich während dieser Zeit nicht öffne."

In den elf Jahren, in denen sie das Geschäft betreibt, sei ihr eine Wahlveranstaltung auf dem Obermarkt noch nie so negativ aufgefallen. "Dass sie Rentnern Angst machen, geht gar nicht", schimpfte Neubert. Kundentermine habe sie, während die NPD ihren Stand aufgebaut hatte, keine gehabt. "Ich hatte in der Werkstatt zu tun, konnte mich aber nicht konzentrieren", so die Augenoptikmeisterin. Es sei sehr laut gewesen und der Ton sehr aggressiv. Auch Händler auf dem Wochenmarkt bestätigten, dass es laut war. "Ich musste bei den Kunden immer zweimal nachfragen", sagt ein Verkäufer. "Manche fanden es nervig, einige haben aber auch Zustimmung geäußert." Eine andere Verkäuferin sagte, dass sie sich beim Kopfrechnen schlecht konzentrieren konnte. "Wenn das noch länger in der Lautstärke so gegangen wäre, wäre ich hingegangen und hätte was gesagt", meinte sie. Ein dritter Verkäufer fühlte sich nicht gestört, allerdings habe er sich über das Polizeiaufgebot gewundert. Gegen 10 Uhr sei der Stand wieder abgebaut worden.


Auf Nachfrage beim Landratsamt, das als Versammlungsbehörde zuständig ist, heißt es: Die Versammlung war in der Zeit von 9 bis 11 Uhr mit bis zu 20 Teilnehmern angemeldet. Eine solche Versammlung müsse zwar angezeigt, aber nicht genehmigt werden. Die Versammlungsbehörde habe versucht, die Versammlung wegen anderer zeitgleich auf dem Obermarkt durchgeführter Veranstaltungen auf die Petersstraße zu verlegen. Das hätten die Anmelder jedoch abgelehnt. Behörde und Polizei hätten die Versammlung die ganze Zeit überwacht. Auch dass Lautsprecher benutzt wurden, sei angezeigt gewesen.

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