Die Rückkehr der Wasser-Akten

2745 Akten aus dem Freiberger Stadtarchiv galten als verschollen. Doch nun sind sie wieder aufgetaucht - und manch kleine Geschichte dazu.

Freiberg.

Es ist nur eine kurze Notiz, geschrieben mit roter Tinte in die Ecke einer Seite des Findbuches des Freiberger Stadtarchivs der Jahre 1886 bis 1945: "Diese Sektion hat bis auf 14 Aktenstücke als vollständig vernichtet zu gelten, da nicht mehr vorhanden (2745 Akten!). Festgestellt von Lehmann, Archivar. 21.II.1957."

Herr Lehmann irrte glücklicherweise. Denn diese Akten, die sich mit der Wasserversorgung Freibergs in der zweiten Hälfte des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts beschäftigen, gingen nicht verloren, sondern es wurde im Jahr 1924 offenbar kein Protokoll darüber angefertigt, dass man sie an die damals entstandenen Wasserwerke übergeben hatte. In den unruhigen Folgejahren vergaß man sie einfach.

"Doch die Zuständigkeit des Stadtarchivs Freiberg ist heute noch gegeben", stellt Ines Lorenz, Leiterin des Archivs, fest. Eine Revision aller Bestände Anfang der 1990er-Jahre, bei der im Findbuch jeweils ein blauer Haken an die vorhandenen Akten gemacht wurde, brachte das gleiche Ergebnis wie 1957.

"Unser Gedanke war jedoch, dass es gut möglich sei, dass diese Akten bei den heutigen Rechtsnachfolgern liegen könnten", so Ines Lorenz. Man begab sich auf die Suche und wurde fündig. "Wir durften in das Archiv des Wasserzweckverbandes", erzählt Ines Lorenz begeistert. "Dort stießen wir dann auf das verloren geglaubte Material."

Der damalige Geschäftsleiter, der inzwischen verstorbene Christian Neubert, half bereits, wo er konnte. Sein Amtsnachfolger Roger Lucchesi vollendete die Rückgabe an das Stadtarchiv nun. "Denn für uns haben sie keinen praktischen Nutzen mehr", sagt er. "Historisch aber sind sie sehr wichtig." So findet sich in einer Mappe eine detaillierte Übersicht über die Lindner'schen Quellen bei Kleinschirma. "Vor gar nicht langer Zeit haben wir gerade nach so etwas gesucht", meint Ines Lorenz.

Nach Reinigung und Eingliederung stehen die Akten ab Anfang September im Rahmen des Sächsischen Archivgesetzes für Interessierte zur Verfügung.

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