Die Vermessung der Felsenbühnen-Welt

Markscheider der TU Bergakademie Freiberg sind für die Sicherheit der Felsenbühne Rathen im Einsatz. Sie prüfen, ob es Veränderungen in den Sandsteinformationen in der Nähe der Bühne gibt.

Freiberg/Rathen.

Der fast 30 Zentimeter hohe Sandkegel unterhalb der Felsspalte war voriges Jahr im März noch nicht da. "Vermutlich ist das Material herausgerieselt", sagt Thomas Martienßen. Der Doktoringenieur vom Institut für Markscheidewesen und Geodäsie der TU Bergakademie Freiberg ist auf einer Beobachtungsmission der besonderen Art: Gemeinsam mit drei Kollegen prüft er jährlich, ob es Veränderungen in den Felsformationen der Sächsischen Schweiz im Gebiet der Bastei gibt. Damit gewährleiste das Team unter anderem die Sicherheit für die zurzeit laufenden Umbauarbeiten an der Felsenbühne Rathen, teilt die Freiberger Uni mit.

"Eigentlich hätten wir unseren Scanner wieder im März aufgebaut - da sind weniger Wanderer unterwegs und das Laub ist noch nicht so dicht", erläutert der Fachmann. Die Frühjahrsmessung sei coronabedingt aber auf den Herbst verschoben worden: "Wir haben lange gewartet, damit die Vegetation nicht mehr so stark stört."

Denn das Gerät benötigt einen möglichst freien "Durchblick" - immerhin soll es Veränderungen von bis zu anderthalb Zentimetern erkennen. Mit höherem Aufwand und bei Konzentration auf kleinere Bereiche wären auch Abweichungen im Millimeterbereich feststellbar, ist Martienßen von der Leistungsfähigkeit der Technik überzeugt.

Im Auftrag der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz erfassten die Freiberger Wissenschaftler von jeweils vier Messpunkten die "Wehltürme" und das Gansmassiv, die im Norden und Süden die Felsenbühne Rathen überragen. Ihre Daten fließen in ein 3D-Modell ein und werden mit den Ausgangs- und Vergleichswerten der vergangenen beiden Jahre verglichen.

Ihre wichtigste Erkenntnis: "Es besteht derzeit keine Gefahr für das Gebiet um die Bastei sowie für die Umbau- und Sanierungsarbeiten an der Felsenbühne", sagt Martienßen. Schwindelfrei müsse man schon sein bei dem Einsatz an der Bastei, bestätigt der Experte. Neben vergleichsweise bequem erreichbaren Messpunkten - einer ist beispielsweise die Aussichtsplattform der Felsenburg Neurathen - gibt es Positionen, zu denen Klettersteige führen und an denen Anseilen Pflicht ist. "Ausgefeilte Kletterkünste sind nicht erforderlich. Wir haben einen Bergsteiger im Team, der die Sicherung übernimmt", sagt Martienßen.

Das Erstellen von Monitoring- Konzepten und deren Umsetzung in praktischen Messeinsätzen seien auch Gegenstand der beiden Studiengänge "Markscheidewesen und Angewandte Geodäsie" und "Geomatics for Mineral Resource Management" in Freiberg, heißt es seitens der Bergakademie. Den Diplomstudiengang hätten 2020 fünf junge Leute begonnen, so Martienßen, um den internationalen Masterabschluss bemühten sich seit diesem Jahr sieben "Neue". Das Institut unterstütze die Studenten nach Kräften: "Unser Standort auf der 'Reichen Zeche' hat den Vorteil, dass wir Praktika Über- und Untertage anbieten können." Um den "hornalten" Begriff des Markscheidewesens interessanter zu machen, stelle das Institut auch Videos ins Netz.

An der Felsenbühne werden derzeit unter anderem ein zweigeschossiges Gebäude mit Gastronomie, sanitären Einrichtungen und Unterstellmöglichkeiten für Zuschauer sowie Arbeitsräumen und Garderoben für die Mitarbeiter und ein Konzertpavillon errichtet. Die Umbauphase ist bis April 2022 geplant. Thomas Früh kündigt als Aufsichtsratschef der Landesbühnen Sachsen GmbH auch einen höheren Erlebniswert für die Besucher an: "Aus dieser Sicht sind die 14,17 Millionen Euro Gesamtbaukosten eine lohnende Investition in die Zukunft."

tu-freiberg.de/fakult3/mage

 

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