Dittersbacher Göthel-Orgel erfährt eine Renaissance

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Viele Spender verhelfen dem wertvollen Instrument in der Dorfkirche zu einer Kur. Schon im Oktober rücken die Orgelbauer der Firma Rühle an.

Dittersbach.

Orgelbauer Christoph Rühle hat einen Zeitplan vor Augen: "Am 21. August 2022 soll in Dittersbach die Orgelweihe nach der Restaurierung des Instruments stattfinden", sagte er am Mittwoch. Das wäre auf den Tag genau 160 Jahre nachdem die Göthel-Orgel in der Dorfkirche zum ersten Mal geweiht wurde. Seitdem erklang sie regelmäßig zu Gottesdiensten und mehr - bis zum Weihnachtskonzert 2018. "Da haben wir gemerkt, dass sie eine Kur nötig hat", sagt der Lichtenberger Musiker Jörg Lange, der sie regelmäßig spielt.

Nicht nur die Klangqualität des Instrumentes lasse zu wünschen übrig. "Es müssen Baufehler behoben, die Windversorgung repariert und die Prospektpfeifen rekonstruiert werden", nennt der Orgelbauer einige Dinge. Dass dies überhaupt möglich wird, dafür setzen sich Orgelfreunde aus Dittersbach und Umgebung seit längerem ein. "Die Orgel ist historisch wertvoll und erhaltenswert, wie Fachleute bestätigt haben", sagt der Dittersbacher Ortsvorsteher Uwe Hiss, der gemeinsam mit Jörg Lange, Jens Hermann aus Rechenberg-Bienenmühle, Frauensteins Kantor Peter Kleinert, dem Dittersbacher Dirk Börner und Orgelbauer Christoph Rühle zur Gruppe der Orgelfreunde gehört.

Um die Öffentlichkeit auf die Restaurierung des Instruments aufmerksam zu machen und möglichst viele Spenden dafür sammeln zu können, ließen sie einen Flyer drucken. Er erklärt nicht nur die 1862 von Christian Friedrich Göthel geschaffene Orgel näher, die dieser im Stil der Instrumente Gottfried Silbermanns baute. Aufgeführt sind ebenso die bislang durchgeführten Reparaturen am Instrument sowie das Ziel und das Vorhaben der Spendenaktion. Ein Gutachten bildet die Grundlage für die Restaurierung.

Benefizkonzerte halfen, Geld für das Orgelprojekt zu bekommen, wie Jörg Lange sagt. Von Beginn an sei aber auch die Spendenfreudigkeit der Dittersbacher und zahlreicher Interessierter aus den umliegenden Orten sehr groß gewesen. "Inzwischen haben wir so viel Geld zusammen, dass es losgehen kann", erklärt Jörg Lange. Über die genaue Summe wollen die Orgelfreunde nicht sprechen. Nur so viel: "Das ganze Projekt kostet weniger als 100.000 Euro", sagt Uwe Hiss. Neben den Spenden als Eigenmittel trägt nach seinen Worten auch die Evangelische Landeskirche einen Anteil der Summe. Bislang unklar ist, ob auch Denkmalmittel fließen. Mit der Gewissheit eines Großteils der Finanzierung konnten die Orgelfreunde den Moritzburger Orgelbauer Christoph Rühle gewinnen, der sich des Instruments nun annehmen wird. "Wir wollen am 11. Oktober beginnen, zunächst die Pfeifen abbauen, einpacken und in die Werkstatt bringen", blickt der Orgelbauer auf die ersten Arbeiten.


Kommentar: Herz undWille

Der Gemeinschaftsgedanke lebt in Dittersbach - doch nicht nur in dem kleinen Frauensteiner Stadtteil mit seinen knapp 240 Einwohnern. Geht es hier darum, sich gemeinsam für die Orgel in der Dorfkirche einzusetzen und möglichst viel Geld für ihre Restaurierung zu sammeln, ist es in Frauenstein selbst das Orgelprojekt. Dafür engagieren sich ähnlich wie in Dittersbach Menschen in ihrer Freizeit und zeigen, was sich mit Herz und Willen verwirklichen lässt. Das beeindruckt sicher auch die vielen Spender.

Und es macht Mut, zu erfahren, wie sich in einer Zeit der gesellschaftlichen Zerrissenheit und des teilweise verloren gehenden respektvollen Umgangs miteinander auf öffentlicher Bühne Menschen in der Region zusammenfinden und -halten, um Jahrhunderte alte Traditionen und Kulturgut im Ort zu bewahren und für die nächsten Generationen erlebbar zu machen.

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