Dorf beugt für Havarie im Stromnetz vor

Im Gasthof "Goldener Löwe" in Niederbobritzsch gibt es ein Kraftwerk. Ein Forscher prüft, wie sich die Anlage bei Notfällen nutzen lässt, um die Einwohner zu versorgen.

Niederbobritzsch.

Es summt und rumort im Keller der Gaststätte "Goldener Löwe" im Ortsteil Niederbobritzsch. Was sich hier seit etwa fünf Jahren befindet, hat allerdings nichts mit der Speisenzubereitung zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein kleines Blockheizkraftwerk, das mit Gas betrieben wird und drei Wohnblöcke in unmittelbarer Nachbarschaft mit Wärme versorgt. Gleichzeitig ist es auch in der Lage, elektrische Energie zu erzeugen.

Seit 2013 macht man sich in der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf eigene Gedanken zu diesem Blockheizkraftwerk. "Es kann bisher nicht unabhängig vom Stromnetz aktiv sein", sagt Bürgermeister Volker Haupt (CDU). Und genau das soll in nicht allzu ferner Zukunft erreicht werden: Dass das Kraftwerk ein elektrisches Inselnetz versorgen kann, das im Fall eines größeren Stromausfalls eine Grundversorgung gewährleistet. "Ziel wäre, den Gasthof selbst, den Einkaufsmarkt und die Freiwillige Feuerwehr betriebsfähig zu halten", erläutert Haupt. "Gegebenenfalls noch die Sparkasse und weiterführend einige Wohnblöcke."

Damit wäre für Niederbobritzsch ein Kernbereich geschaffen, der im Notfall weiter funktioniert. Der Auslöser für die Überlegungen war einerseits die Flut 2013, besonders aber die Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung im Deutschen Bundestag (siehe Info-Kasten), die 2011 unter dem Titel "Was bei einem Blackout geschieht - Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls" erschienen ist. Dieses Ziel, eine vom öffentlichen Versorgungsnetz abgekoppelte Energie- und Wärmeversorgung zu erreichen, ist jedoch nicht so einfach. Rathauschef Haupt hat sich deshalb an die TU Dresden gewandt, wo sich die Professur für Elektroenergieversorgung unter anderem mit der Thematik von elektrischen Inselnetzen beschäftigt.

Christopher Schmidt, im elften Semester Student der Elektrotechnik, bekam von seinem Betreuer, Diplom-Ingenieur Sebastian Palm, die Problematik als Thema für seine Diplomarbeit. In dieser Woche begann er damit: Am Mittwoch besuchten beide Niederbobritzsch und das Blockheizkraftwerk.

"Wir sind zunächst einmal hier, um uns alles anzuschauen und schon die entsprechenden Kontakte zu knüpfen", sagt Sebastian Palm. Auch an die wesentlichen Daten müsse man erst einmal herankommen. Lägen diese vor, könne man eine Computersimulation des Netzes und der Betriebsmittel erstellen und aus dieser entsprechende Schritte ableiten. Beispielsweise, ob noch ein zusätzlicher Gasspeicher benötigt wird oder ein Dieselaggregat.

"Wir wollen keinen unverhältnismäßigen Aufwand produzieren, sondern suchen nach einer technisch und wirtschaftlich vertretbaren Lösung", sagt Haupt und betont: Auch arbeite man nicht gegen die regionalen Energiebetreiber. Die Anregung zu einem autarken Stromnetz kam sogar von den Anbietern selbst. Sechs Monate soll Schmidt jetzt an seiner Diplomarbeit schreiben. Gegen Ende des Jahres liegen die Ergebnisse der Forschung vor. Danach wolle man sich mit den Netzbetreibern verständigen und je nach Machbarkeit könne 2018 oder 2019 in die Tat umgesetzt werden, was bis jetzt noch eine Idee ist.

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