Drei-Brüder-Schacht ist wieder befahrbar

Für fünf Millionen Euro wurde der Zugang zum Rothschönberger Stolln im Ortsteil Zug hergerichtet. Ein Blick in die Tiefe.

Freiberg.

Rasselnd schlagen die Geländer der Kabine zu, eine Schutzplane wird an einer Seite heruntergezogen, ein kurzes Signal ertönt, dann setzt sich der doppelstöckige Förderkorb in Bewegung. Erstaunlich sanft tut er dies, gleitet ruhig und ohne großes Ruckeln, wie man es hier erwartet hätte, in die Tiefe.

Es ist eine besondere Fahrt, denn es geht nicht hinab in das Freiberger Besucherbergwerk "Reiche Zeche", sondern durch den frisch sanierten Drei-Brüder-Schacht am westlichen Rand des Ortsteils Zug. Über 40 Jahre hinweg war dies nicht möglich. 1972 hatte man den Schacht offiziell verschlossen. Damit endete zunächst eine Geschichte, die 1691 mit der Fundgrube "Drei Brüder" ihren Anfang nahm, hundert Jahre später mit der Täufung des Schachtes, die 1818 abgeschlossen wurde, ihre Fortsetzung fand und - nach zwischenzeitlicher Aufgabe von Fundgrube und Schacht - 1914 mit der Inbetriebnahme eines Kavernenkraftwerkes in 272 Metern Tiefe einen Höhepunkt technischer Entwicklungen erlebte. Das Kraftwerk wurde angetrieben durch das Wasser, das wenige Meter tiefer durch den Rothschönberger Stolln rauscht.

Das Kraftwerk selbst ist längst außer Betrieb. Es wartet darauf, dass vielleicht doch einmal seine Generatoren wieder anspringen dürfen. Doch das Wasser im Rothschönberger Stolln ruht nicht. Das ist auch der Grund dafür, dass 2009 mit den Planungen für die Sanierung des Schachtes begonnen wurde, die seit 2013 umgesetzt wurden.

Der Förderkorb summt und brummt weiter an seinen gut geschmierten Schienen entlang mit 0,7 Metern in der Sekunde hinab. In jeder der beiden Kabinen haben nur zwei Personen Platz. Feiner Nebel steigt auf, Feuchtigkeit legt sich auf alles und dämmt das Licht der kleinen Lampen am Helm. Das ginge heute noch, ruft eine Stimme vom oberen Teil des Korbes. An manchen Tagen herrsche hier eine dichte Suppe, da sähe man fast gar nichts. An den ersten Sohlen ist man vorbei.

Die Hochwasserkatastrophe von 2002 führte letztlich dazu, dass der Drei-Brüder-Schacht wieder geöffnet und saniert wurde. Durch Einspülungen und Verbruch waren Schacht und Rothschönberger Stolln damals stark beschädigt. Im Bereich des Halsbrücker Spatgangs war der Stolln sogar total verbrochen. Es bestand also dringender Handlungsbedarf, immerhin ist der Rothschönberger Stolln die Hauptentwässerungsader des Freiberger, Brander und Halsbrücker Reviers.

"Sollte irgendwo in der über 50Kilometer langen Strecke ein Bruch sein, staut sich das Wasser und kann selbst Meißen unter Wasser setzen", erzählt Stefan Bachmann, als Planer bei der GUB Ingenieur AG Freiberg zuständig für die Vorbereitung und Bauüberwachung der Sanierungsarbeiten. Der für 5,5Millionen Euro geschaffene Einstieg über den Drei-Brüder-Schacht sei wichtig für die Gefahrenabwehr im Altbergbau.

Die Schiene des Förderkorbes macht einen Knick - alle Passagiere werden gegen die Wand gedrückt und es geht die letzten Meter in Schräglage weiter. Endlich raus aus der Kabine. Durch einen Durchgang käme man zum Kavernenkraftwerk, doch ist dies nicht das Ziel. Noch zwei Leitern hinab - der Bergmann nennt sie Fahrten -, dann öffnet sich ein Gang. Die Wände sind mit rotem Schlamm überzogen, auf glitschigen Brettern bewegt man sich etwa 200 Meter durch teils niedrige Gänge. Schließlich taucht eine unter diesen Umständen unerwartet normal wirkende Tür auf. Hinter ihr ankern Schlauchboote an einer kleinen Plattform auf einer unruhigen Wasserfläche. Ein paar Meter weiter rauscht das Wasser durch den Stolln. Die wenigen Besucher, die das seltene Erlebnis haben dürfen, hier zu sein, sind beeindruckt. Dann geht es schon wieder zurück, durch den Gang, die Fahrten hinauf, in den Förderkorb und nach oben.

120 Tonnen Stahl waren während der Arbeiten verbaut worden, ebenso 100 Tonnen Spritzbeton. 70Tonnen Schrott und Altkabel, 300 Tonnen Geröll und 30 Tonnen Altholz wurden ausgefördert und entsorgt. Neben Fahrten und Förderturm wurde der Schacht auch mit einer Trafostation ausgerüstet. Nicht nur das Sächsische Oberbergamt, das Ingenieurbüro und die ausführende Thyssen Schachtbau sind zufrieden. Auch den Mitgliedern des Fördervereins des Drei-Brüder-Schachtes sieht man die Freude an. "Wir haben das Gelände und die Anlagen 1992 in ruinösem Zustand übernommen", sagt Reiner Hoffmann vom Förderverein. "In all den Jahren hat der Verein die Infrastruktur geschaffen, die die Entscheidung, den Schacht zu ertüchtigen, ganz sicher begünstigt hat." Der doppelstöckige Förderkorb übrigens hat demnächst ausgedient. Ihn ersetzt eine Variante mit nur einer Ebene. Anfang 2017 sollen dann die letzten Arbeiten abgeschlossen sein.

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