Drohneneinsatz an der Schlaglochpiste

Die kaputten Staatsstraßen von Neuhausen sind nun sachsenweit bekannt. Dafür sorgt ein Film von jungen Leuten, die endlich etwas für ihren Heimatort erreichen wollen.

Neuhausen.

Die Erzgebirger machen Druck, denn sie wollen sich mit ihren maroden Straßen nicht mehr abfinden. Zumindest nicht damit, dass die Sanierung der kaputten Abschnitte der Staatsstraßen S 207 und S 211 im Ort beziehungsweise in der Verbindung zu Sayda einmal mehr abgeschmettert wurde.

Denn laut dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) konnte "die S 211 in der Ortsdurchfahrt Neuhausen nicht in das mittelfristige Erhaltungsbauprogramm der Periode 2019 bis 2022 eingeordnet werden", so die Pressestelle. Für die S 207 sei im mittelfristigen Programm eine Fahrbahnerneuerung auf 2,8 Kilometern nördlich von Neuhausen vorgesehen. Das Programm legt fest, welche Straßen dringend saniert werden müssen. Nach dieser Dringlichkeit stellt das Land dafür Geld bereit.

Beide Straßen in Neuhausen sollen laut Lasuv durch den Landkreis allerdings erneut ausgebessert, nicht aber grundsaniert werden. "Das ist aber kein Zustand mehr", sagt unter anderem Marcus Jehmlich. Der 28-jährige Neuhausener, der auch im Gemeinderat mitarbeitet, muss eine der maroden Strecken als täglichen Arbeitsweg nutzen. Nun haben er und Benjamin Wagner, der gleichfalls im Gemeinderat mitarbeitet, die Nase voll.

Mit Mario Schmieder und Nicky Gläßer, ebenfalls junge Leute, die in ihrer erzgebirgischen Heimat geblieben sind, griffen beide zu anschaulichen Mitteln und drehten mit einer Drohne einen Film über die misslichen Straßenzustände in Neuhausen. "Wir haben rund vier Kilometer gefilmt. Den Stick mit rund 5 Minuten Filmaufnahmen haben wir unserem Bürgermeister Peter Haustein übergeben", sagt Marcus Jehmlich und fügt an: "Zudem stehen die Aufnahmen im Internet."

Inzwischen ist der Film beim sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und auch im Wirtschaftsministerium des Freistaates angekommen. Das Neuhausener Gemeindeoberhaupt nutzte am Freitag eine Bürgermeister-Gesprächsrunde in Döbeln und übergab dem Regierungschef den Stick. "Außerdem werde ich am Freitag mit dem Niederlassungsleiter des Lasuv Zschopau zu unserer Straßensituation und zum Brückenbau an der Olbernhauer Straße eine Aussprache haben", sagt Peter Haustein. Denn lediglich für die Straße vom Ortsausgang Cämmerswalde in Richtung Rechenberg-Bienenmühle liegt nach seinen Worten eine Zusage vom Landkreis zum Bau 2019/20 vor.

Immer wieder verschoben werden hingegen laut Haustein auch Brückenbaumaßnahmen, die ebenfalls seit zehn Jahren geplant seien. "Hier schieben sich einzelne Institutionen den Schwarzen Peter hin und her", schimpft der Bürgermeister. Auch der Neuhausener Gemeinderat Uwe Löschner kann das Verhalten des Landes nicht mehr nachvollziehen "Ich kenne die Straßenzustände unserer Region. Es gibt mehr Problemzonen, doch bei uns in Neuhausen ist es ganz extrem. Wir fühlen uns total verschaukelt und im Stich gelassen. Warum kommt nicht mal einer der Verantwortlichen vorbei und fährt mit seinem Fahrzeug durch die Löcher", fragt der Chef des Nussknackermuseums auch mit Blick auf den Tourismus im Erzgebirge.

Nach Ansicht von Sachsens Regierungssprecher Ralph Schreiber ist das Wirtschaftsministerium für das Neuhausener Problem die fachlich zuständige Behörde. "Das Ministerium muss das Gespräch mit der Gemeinde für eine Lösung suchen", erklärte er am Dienstag auf Nachfrage der "Freien Presse" und ergänzte: "Der Stick wurde am Montag dem Wirtschaftsministerium übergeben." Dort hat man sich der Problematik angenommen: "Derzeit wird im Landesamt für Straßenbau und Verkehr geprüft, inwieweit kurzfristig Verbesserungen, zum Beispiel Ausbesserung der Fahrbahn oder Fahrbahnerneuerung vorgenommen werden können, um den derzeitigen Zustand für alle Verkehrsteilnehmer zu verbessern", hieß es am Dienstag dazu von Jens Jungmann, Pressesprecher im Wirtschaftsministerium.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wollte sich jedoch gegenüber "Freie Presse" am Dienstag nicht äußern. "Im Interesse eines anständigen Miteinanders möchten wir dem Treffen am Freitag nicht vorgreifen", erklärte Sprecherin Isabel Siebert.


Kommentar: Schönster Fleck?

Als schönsten Fleck im Erzgebirge können die Neuhausener ihren Ort derzeit nur ganz leise bezeichnen. Denken wir an uns, was bleibt vom Urlaub neben landschaftlichen Schönheiten und Sehenswürdigkeiten in Erinnerung - auch der Zustand der Straßen, auf denen wir mit dem Auto anreisen. Wie erst ergeht es Anwohnern, die täglich über die kaputten Staatsstraßen fahren müssen?

Sicher kann nicht alles sofort saniert werden. Und die Erzgebirger sind als geduldig bekannt. Nun aber ist auch für sie das Maß voll, nach jahrelangen Vertröstungen wollen sie nun Taten sehen - besser: Baumaschinen, die zwei Staatsstraßen sanieren, damit Neuhausen wieder zum schönsten Fleck werden kann.

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2Kommentare
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  • 1
    0
    Nixnuzz
    06.04.2019

    Na - vielleicht sollten je nach Strassencharakter Bundesweit diese Namen in eine Loskugel gesteckt werden, durchgedreht und gezogen werden. Dann werden alle verfügbaren Strassenbauer dahin geschickt und in kürzester - so wie es die Baustoffe zulassen - Zeit sind die Problemfälle vom Tisch. Ach ja - paralleldazu werden die Gelder auch ausgelost..In meinem bisherigen NRW-Wohnort hat es nur 10 Jahre gebraucht, bis das Geld bewilligt wurde - und 1 Jahr bis die Brücke dank Freiberger Bauunternehmer komplett neu und saniert war. Nochmals Danke nachträglich!

  • 1
    0
    Pelz
    03.04.2019

    Ah, das Programm ist schuld!
    Nicht ein Programm legt fest , welche Straßen saniert werden müssen, sondern Menschen!



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