Ehepläne von Reinsberg: Großschirmas Stadträte skeptisch

In der Debatte um eine mögliche Eingemeindung von Ortsteilen der Nachbargemeinde gibt es kritische Stimmen.

Großschirma.

Wie ein Vater, der schweren Herzens seine armen Töchter an den Mann bringen und für sie nur das Beste will. So hat Bernd Hubricht (CDU), Reinsbergs Bürgermeister, zur Stadtratssitzung am Montagabend in Großschirma gewirkt. Er warb dafür, die jetzt zur Gemeinde Reinsberg gehörenden Orte von Burkersdorf bis Reinsberg und Hirschfeld der Stadt Großschirma anzugliedern. Die übrigen Ortsteile von Reinsberg - Neukirchen, Dittmannsdorf und Steinbach - könnten zur Gemeinde Halsbrücke kommen. Mit "Bauchschmerzen" hatte der Reinsberger Gemeinderat im Juli dafür gestimmt.

Als einen Grund für die Pläne nannte Hubricht am Montag den Bevölkerungsrückgang. Laut 7. Regionalisierter Bevölkerungsvorausberechnung hat Reinsberg 2035 noch 2550 Einwohner. Zum Vergleich: 2018 waren es 2882 Einwohner. Der finanzielle Spielraum werde immer enger, so Hubricht: "Im Gegenzug steigen aber die Anforderungen an die Gemeinde." Ferner bestehe Personalmangel. Zudem steht in Reinsberg 2022 die nächste Bürgermeisterwahl an, wobei es dann voraussichtlich keinen hauptamtlichen Bürgermeister mehr geben werde.

Viele Großschirmaer Stadträte sehen die Pläne kritisch. Für Volker Scharf (UBV) ist die Entscheidung im Reinsberger Gemeinderat "nicht eindeutig, denn es waren nicht alle Räte anwesend." Allein das Reinsberger Schloss, das die Gemeinde in diesem Sommer gekauft hat, "wird in den nächsten Jahren gewaltige Summen verschlingen", so Scharf. Er schlug eine Verwaltungsgemeinschaft vor - allerdings sind laut Hubricht in Sachsen keine neuen Verwaltungsgemeinschaften mehr zulässig. Skeptisch äußerten sich CDU-Stadtrat Gunther Zschommler ("Keine falschen Hoffnungen wecken"), Susann Ralle, Lebenswerte Stadt ("Wir knaupeln noch am Zusammenschluss Großschirma - Siebenlehn") und AfD-Mann Rolf Weigand ("Bürgerentscheid oder Bürgerbefragung - wir brauchen ein klares Signal der Bürger").

Am 12. Oktober werden Großschirmas Stadträte über die Eingemeindung der Reinsberger Orte abstimmen. Am Donnerstag ist Bernd Hubricht im Gemeinderat Halsbrücke zu Gast.

11 Kommentare

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    Sylwys
    09.09.2020

    Ein zusammenwachsen von Großschirma und Siebenlehn wird es wohl erst dann geben wenn die gekränkten Generationen nicht mehr da sind. ????
    Ich finde es auch sehr schade, dass einige Stadträte nur an ihr Dorf denken, dass Nachbardorf kann ruhig den Bach runter gehen!