Ein Bauernmarkt im Zeitalter des Internets

14 Direktvermarkter aus der Region nehmen bisher an der 1. Marktschwärmerei am 4.September in Zug teil. Knapp 220 Kunden haben sich bereits angemeldet. Das Konzept klingt vielversprechend.

Zug.

Obst und Gemüse, Eier, Honig, Brot, Käse, Milch, Öl, Saft, Seifen - das alles können die Kunden der neuen Marktschwärmerei im Fachschulzentrum Freiberg-Zug kaufen. Dieser moderne Bauernmarkt öffnet am 4. September erstmals seine Pforten. In der Zeit von 16 bis 18 Uhr können Interessierte ihre online bestellten und bereits bezahlten Waren abholen. Bisher haben sich 217Kunden aus dem Raum Freiberg, aber auch aus Flöha, Mittweida und Chemnitz für die Aktion unter dem Motto "Fairer einkaufen - besser essen" angemeldet. "Mit dieser Resonanz sind wir sehr zufrieden", sagt Organisatorin Sophie Enderlein. Ab 150 Kunden könne eine Schwärmerei eröffnet werden.

Sophie Enderleins Anliegen ist es, den Kontakt zwischen Konsumenten und Direktvermarktern herzustellen. Als überzeugte Kundin der Schwärmerei in Dresden habe sie sich im Januar entschlossen, ihre eigene Schwärmerei aufzubauen. "Denn rund um Freiberg haben wir so tolle Produkte, von denen die meisten nichts wissen. Wir müssen endlich anfangen, unsere eigenen Leute zu unterstützen", sagt sie.


14 Direktvermarkter aus der Region nehmen bisher an der Marktschwärmerei teil, darunter auch das Pfarrgut Taubenheim, die Gärtnerei Kießlich aus Radebeul, Ziegenprodukte Wokurka aus Zethau, die Streuobstkelterei Gohla, Striegistaler Wiesenei, der Gimmlitztalhof aus Lichtenberg (je nach Schlachttermin) und die Imkerei Aurich aus Hetzdorf. Auch die Landtheke Böhnisch aus Großvoigtsberg macht mit. "Vor ungefähr vier Jahren haben wir mit der Direktvermarktung begonnen und versucht, unsere Produkte unabhängig von einer Molkerei zu vermarkten", berichtet Ina Böhnisch. Ihr Landwirtschaftsbetrieb lasse den Käse von einer mobilen Käserei herstellen und produziere selbst Frischkäse und Joghurt. Das Konzept der Marktschwärmerei findet Ina Böhnisch gut, wie sie sagt: "Was gibt es Besseres für die Landwirte, als mit den Verbrauchern direkt in Kontakt zu kommen?" Die Landtheke beteilige sich bereits an der Marktschwärmerei in Dresden. Oft komme es zum Gespräch, die Kunden seien interessiert und wollten von den Landwirten beispielsweise genau wissen, wie das Kalb und die Kuh leben. "Und ich beantworte diese Fragen gern", sagt Ina Böhnisch. Nicht zuletzt spreche für die Marktschwärmerei auch, dass rund 80 Prozent des erzielten Preises an den Produzenten gehen. "Sonst ist es nur etwa ein Viertel", sagt Ina Böhnisch.

Auch Sabine Schiffel von Landwirtschaftsbetrieb und Schafkäserei Schiffel in Großhartmannsdorf lobt das Marktschwärmerei-Konzept, wonach sich Erzeuger und Endverbraucher treffen. 2015 nahm sie an der Marktschwärmerei in der Chemnitzer Schönherrfabrik teil. "Allerdings war da die Fahrt zu lang", sagt sie. Umso mehr freue sie sich über die Möglichkeit in Zug. "Die Kunden begrüßen es, dass sie nicht zu zehn verschiedenen Anbietern fahren müssen, sondern alles an einem Ort vorfinden", sagt Sabine Schiffel.

Danilo Braun, Inhaber der Ölmanufaktur vom Huttenberg im Oberschönaer Ortsteil Langhennersdorf, kennt ebenfalls schon eine Marktschwärmerei: Er nahm an der Aktion in Schneeberg teil. Und er stellte genau wie Landwirtin Sabine Schiffel fest, dass sich weite Wege nicht lohnen. Bei der Marktschwärmerei in Zug will er voraussichtlich einmal im Monat präsent sein. "Denn ich biete Produkte an, die nicht unbedingt jede Woche gekauft werden", sagt Braun. Dennoch will er das Projekt unterstützen, "damit Leute regionale Produkte kaufen können".

Die Gärtnerei Kießlich aus Radebeul ist einer der am weitesten entfernten Direktvermarkter bei der Marktschwärmerei in Zug. Im Freiberger Raum sind die Böden nicht für den Gemüseanbau geeignet. Deshalb musste sich Gastgeberin Enderlein etwas weiter umschauen. "Da ich die Familie Kießlich schon aus den Schwärmereien in Dresden kenne und die Produkte sehr schätze, konnte ich sie überreden", erzählt Enderlein. Über weitere Anbieter würde sie sich freuen. www.freiepresse.de/

marktschwaermer


Wenn Erzeuger und Konsumenten zusammentreffen

Das Konzept: Die Kunden bestellen im Internet und holen die Waren der regionalen Erzeuger "um die Ecke" ab. Einmal in der Woche kommen Kunden und Erzeuger für zwei Stunden in der Schwärmerei zusammen, um die Bestellungen persönlich zu übergeben. Vor allem für kleinere Betriebe und Erzeuger, die oft keine Möglichkeit haben, durch Online-Shops ihre Ware einer großen Masse zugänglich zu machen, lohne es sich. Denn sie können so ihre Erzeugnisse gut an den Mann bringen, so die Organisatoren. Das Gros der Einnahmen (über 80 Prozent) bleibe beim Erzeuger. Immer regional, oft Bio und stets nachhaltig: Händler bieten nicht mehr als nötig an, so landen weniger unverkaufte Waren in der Tonne. Derzeit gibt es bundesweit über 40 lokale Märkte. In Sachsen findet man das bunte Treiben bereits in Chemnitz, Dresden, Schneeberg und Reinsdorf (bei Zwickau). Geplant sei es schon in Penig, Plauen und Görlitz. (nai)

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