Ein Dorf sucht Alternativen

In sieben Wochen soll die Bankfiliale in Großhartmannsdorf als eine von 16 in Mittelsachsen schließen. In einer öffentlichen Sondersitzung will der Gemeinderat das Gespräch mit Vertretern von Kreis und Geldinstitut suchen. Auch die Großschirmaer Christdemokraten drängen auf eine Lösung.

Großhartmannsdorf.

Kampflos will Großhartmannsdorf die Sparkassenfiliale im Ort nicht hergeben. "Die geplante Schließung trifft uns unheimlich hart", sagte Bürgermeister Werner Schubert (CDU) in der Gemeinderatssitzung am Montagabend, zu der auch ein Dutzend Einwohner gekommen sind.

"Ich persönlich bin sehr enttäuscht von diesem Schritt", so Schubert. Über die Schließung der Filiale in der 2500-Seelen-Gemeinde habe ihn Professor Hans-Ferdinand Schramm, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mittelsachsen, persönlich informiert. Der Schritt sei unumkehrbar, habe man ihm kürzlich mitgeteilt.

Viele Menschen im ländlichen Raum sind empört darüber, dass 16 von 43 Filialen in Mittelsachsen wegfallen sollen. So hat der Großhartmannsdorfer Seniorenclub "Lebensfreude" unlängst einen Brief an die Bank geschickt, in den Geschäften liegen Unterschriftenlisten aus, und SPD-Gemeinderat Jens Härtig hat eine Online-Petition gegen die Schließung gestartet. Die Gemeinderäte und auch Bürger haben am Montag diskutiert.

Mehr Unterschriften: Sylke Lippmann (CDU) schlug vor, dass der Gemeinderat Unterschriften sammeln könnte. Die Gemeinde habe für den Norma und das Pflegeheim gekämpft, "da wollen wir uns doch jetzt nicht die Sparkasse wegnehmen lassen", meinte sie.

Andere Bank suchen: René Hübler (Freie Wählervereinigung) ist der Meinung, dass wenigstens ein Geldautomat stehen bleiben sollte. "Und wenn wir uns nicht mit der Sparkasse einig werden, dann vielleicht mit einem anderen Kreditinstitut", meinte er.

Verkürzte Öffnungszeiten: Auch Jens Härtig sagte, dass mindestens ein Bankautomat stehen bleiben sollte. "Wie viele Leute halten auf der Durchfahrt an, um Geld zu holen? Alle reden vom Klimawandel und dann sollen wir für Bargeld nach Mulda oder Brand-Erbisdorf fahren?" Wenn, wie angekündigt, die Geschäftsstellen in Lichtenberg, Großhartmannsdorf und Sayda wegfallen, bleiben im Altkreis Brand-Erbisdorf lediglich die Filialen in Brand, Mulda und Frauenstein. Verantwortlich dafür sei nicht allein Hans-Ferdinand Schramm, betonte Härtig, sondern auch der Verwaltungsratsvorsitzende Matthias Damm, der gleichzeitig Landrat in Mittelsachsen ist. Eine Lösung sieht Härtig darin, verkürzte Öffnungszeiten anzubieten, um Personalkosten zu senken.

Mit anderen zusammentun: Philipp Preißler (FWV) hält die Schließungspläne für "in keinster Weise akzeptabel". Zum einen müsse dem Sparkassenvorstand sowie dem Verwaltungsrat geschildert werden, wie sich die Pläne auf die Versorgung im ländlichen Raum niederschlagen. Zum anderen schlug er vor, mit weiteren Filialisten ins Gespräch zu kommen, um eine gemeinsame Lösung im Ort zu finden.

Brief an Ministerpräsidenten: Jürgen Franze (CDU) erinnerte daran, dass bei den jüngsten Wahlen stets die Stärkung des ländlichen Raumes versprochen wurde. "Das hier ist der erste Hieb dagegen", sagte er. Die Sparkasse sei eben keine Privatbank, sondern habe Verantwortung. "Bisher hat sie aber noch keine Alternativen vorgestellt", meinte Franze. Er hält einen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer für sinnvoll. Der CDU-Politiker dürfte inzwischen schon einen solchen vom Gewerbeverein Sayda bekommen haben. Der Verein setzt sich gegen die Schließung der Filiale in Sayda ein. Deren Petition zählt inzwischen 444 Unterstützer.

Sondersitzung: Frank Richter (CDU) plädierte für eine öffentliche Veranstaltung, in der ein Sparkassen-Vertreter erklärt, "wie sie sich das in Zukunft vorstellt, die Kunden weiter zu betreuen". Auf eine Sondersitzung des Gemeinderates, die möglichst noch im November stattfinden soll, haben sich Bürgermeister und Rat nun verständigt. Jeweils ein Vertreter von Kreis und Sparkasse sollen dazu eingeladen werden. "Wir haben in dem Fall keine Entscheidungskompetenz, aber wir können diskutieren", sagte Schubert. "Dass gar nichts passiert, glaube ich nicht", ergänzte er.

Alle Beiträge zum Thema finden Sie unter www.freiepresse.de/sparkassemisa.

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