Ein Freidenker findet seine letzte Ruhestätte

Gottfried von Herder - Ur-Urneffe des berühmten Dichters - wird heute beigesetzt. Wegen seiner humanistischen Lebenseinstellung bleibt er vielen Freibergern in Erinnerung.

Freiberg.

Er war ein Nachfahre des Schriftstellers und Philosophen Johann Gottfried von Herder, er war Humanist, langjähriger Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) zu DDR-Zeiten in Freiberg und sein Leben lang mit dem Bergbau verbunden. Am 8. November verstarb Gottfried von Herder im Alter von 86 Jahren - heute wird er beigesetzt.

"Licht, Liebe, Leben." - Diesen Leitspruch des Goethe-Freundes Johann Gottfried von Herder hatte sich sein gleichnamiger Nachfahre zum Lebensmotto gemacht, wie er selbst einmal sagte. "Der humanistische Gedanke meines Urahns war für mich immer Motivation", erklärte der Wahlfreiberger, als er im Jahr 2007 für sein langjähriges Engagement für ältere Menschen mit dem Freiberger Bürgerpreis geehrt wurde. Aber auch die Kriegswirren, die er als junger Mensch erlebt hatte, hatten ihn geprägt. So wollte er zu Lebzeiten stets unbürokratisch helfen, für andere da sein. Gottfried von Herder, 1930 in Torgau geboren, war bereits 1950 als junger Mann in die Volkssolidarität eingetreten, neben dem Deutschen Roten Kreuz zu dieser Zeit eine der wenigen Hilfsorganisationen. Lange Jahre war er dort im Vorstand aktiv.

Beruflich folgte er dem Vorbild eines anderen Vorfahren, dem sächsischen Oberberghauptmann August Wolfgang von Herder. Er nahm ein Bergbaustudium an der Bergakademie Freiberg auf, das er jedoch aus Geldmangel abbrechen musste. So arbeitete er zunächst praktisch weiter. Später absolvierte er ein Fernstudium für Staats- und Rechtswissenschaften in Babelsberg. Dennoch ließ ihn der Bergbau nicht los, und als ökonomischer Direktor der Betriebsberufsschule des Freiberger Bergbau- und Hüttenkombinates "Albert Funk" bildete er später selbst Bergbaulehrlinge aus.

Zu denen, die Gottfried von Herder kannten und ehren, gehört der Freiberger Claus Mildner. Er erinnert sich: "Als mich 1972 die Genossen von der SED immer öfter und aggressiver für die Partei und für die Kampfgruppen zu werben versuchten und mir einen besseren beruflichen Aufstieg versprachen, fand ich in Gottfried von Herder einen LDPD-Vorsitzenden, der gerade in diesen Zeiten die nötige Gratwanderung zwischen dem Machbaren und staatlich Verbotenem perfekt beherrschte. Er datierte das Gespräch für meine Aufnahme in die LDPD etwas zurück, weil die SED verfügt hatte, dass man nicht mehr in eine Blockpartei aufgenommen werden durfte, wenn man von der SED umworben wurde." In Erinnerung bleiben werde Claus Mildner auch, dass Gottfried von Herder stolz war auf seine adlige und humanistische Abstammung. "Er lebte den Bürgern vor, dass im Sozialismus sehr wohl auch ein Adliger zu einem menschenwürdigen und sozial gesicherten Dasein beitragen kann", sagt Mildner. So argumentierte Gottfried von Herder als Freiberger LDPD-Vorsitzender sehr überlegt, galt menschlich als warm und herzlich. "Wir hatten durch ihn ein sehr kulturvolles Miteinander, luden Wissenschaftler zu Gesprächen ein."

In seiner zweiten Laufbahn widmete sich Gottfried von Herder in der Stadtverwaltung Freiberg verstärkt den sozialen Belangen. Nach der Wende gründete er den Kreisverband Freiberg im Bund der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen (BRH), den er ab 1992 leitete. Mit großem Engagement stand er damals den älteren Menschen bei rentenrechtlichen Fragen und Problemen zu Seite. Sein Anliegen war es, das Selbstwertgefühl der älteren Menschen zu stärken, das nach der Wende teilweise verloren gegangen sei, wie er einmal sagte. Die Anerkennung der älteren Mitmenschen sei auch aufgrund der demografischen Entwicklung wichtig, mahnte er.

Gottfried von Herder erhält nun auf dem Freiberger Donatsfriedhof seine letzte Ruhestätte.

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