"Ein Glas Wasser" zur Verlobung

Die Sängerin Leonora del Rio ist ab morgen in Richard Strauss' Oper "Arabella" in der Titelpartie zu sehen

Freiberg.

Die Oper "Arabella" ist eine Seelenkomödie, in der es um Glücksspiel, Liebe und ein Glas Wasser geht. Eine neue Herausforderung für die großartige Sopranistin Leonora del Rio, die bereits im "Rosenkavalier" als Marschallin ihre Liebe zu Richard Strauss zelebrierte. Marianne Schultz sprach mit ihr.

Freie Presse: Arabella ist hinreißende Musik für Kenner, Liebhaber und solche, die es werden wollen. Welche Gefühle löst Ihre Heldin bei Ihnen aus?

Leonora del Rio: Ausschlaggebend bei Arabella ist der Moment. Alles was ihr passiert in dieser Erzählung, findet innerhalb weniger Stunden statt - sie erblickt den Einen, er heißt Mandryka, auf der Straße, projiziert ihre Hoffnung in diesen Menschen, in diese Augen, ohne ihn zu kennen. Frühling ist Hoffnung darauf, dass Neues aufblüht. Insofern glaube ich, dass ich die Botschaft mit dem Frühling draußen sehr gut verbinden kann. Aus der Hoffnung erwächst neue Kraft, dieser Gedanke zieht sich durch das Stück.

Trinken Sie gern Wasser? Und was hat Arabella mit einem Glas Wasser zu tun?

Ich trinke literweise Wasser, dazu habe ich immer eine Thermoskanne Ingwertee dabei. Meine Kollegen wissen das. Bei Arabella aber wird das Wasserglas zum Ritual aus Mandrykas Heimat, ein Symbol für Zusammengehörigkeit, für Verlobung. Man reicht sich das Glas und verlobt sich - das ist sehr schlicht und gar nicht pompös, aber umso ausdrucksstärker.

Arabella ist die letzte Oper aus Strauss' Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal. Welche Chancen sehen Sie für das Werk heute?

Keinesfalls ist es für mich ein Märchen. Wenn man die Zeit des 19. Jahrhunderts weglässt, geht es um zwei Menschen, die sich auf den ersten Blick verlieben. Doch Arabella ist auch eine moderne Frau, die nicht irgendjemanden will, sondern sich ihren Künftigen aussucht. Dafür lässt sie sich Zeit. Sinnbildlich erst fünf vor Zwölf erblickt sie ihn.

"Und du wirst mein Gebieter sein", singt Arabella in einem ihrer schönsten Duette mit Mandryka, von Emanzipation kann da aber keine Rede sein, oder?

Das ist ein interessanter Aspekt. Der Deal zwischen Arabella und Mandryka lautet nämlich: Du bleibst, wie du bist, ich bleibe, wie ich bin. Und wenn du mich nimmst, wie ich bin, mit meiner Art, dann bin ich dir untertan. Das ist clever. Es ist ein Geben und Nehmen auf einer Ebene, die mit Verständnis, Akzeptanz und Respekt zu tun hat.

Ist es Komödie oder Tragödie?

Das liegt mitunter dicht beieinander. Auf diesem Grat zu wandern, ist eine Herausforderung, die uns hoffentlich gut gelingen wird.

Als Feldmarschallin im "Rosenkavalier" wurden Sie in Freiberg gefeiert, unvergessen ist Ihre Interpretation von "Vier letzte Lieder" im Sinfoniekonzert. Welche Anforderungen stellt Strauss' Musik an Sie als Sängerin?

Ich habe schon im Studium meine ersten Schritte mit Strauss machen dürfen. Von Edda Moser habe ich viel über die Spanne zwischen Wort, Klang und Phrasierung gelernt. Als gebürtige Argentinierin hatte ich immer einen Zugang zu dieser Musik. Wir haben den Tango in uns, die Melancholie, mit der sich Traurigkeit in der Musik mit einem kleinen Lächeln überträgt. Das macht Strauss so besonders. Ebenso liebe ich diese extrem genauen Texte von Hofmannsthal. Da fühle ich mich sehr zu Hause.

Wort und Musik als Einheit ...

Wie bei Puccini im italienischen Fach handelt es sich bei Strauss um wahre, echte Oper voller Nähe. Sie ist bodenständig und handelt von Dingen, die einen zerreiben, zermürben, die im Alltag passieren. Beim Verismo eines Puccini und Leoncavallo habe ich den Übergang zu Strauss gefunden, weil er Verismo auf Deutsch geschrieben hat. Diese Spanne zwischen einer klaren, geführten Stimme im Zusammenhang mit dem Wort ist das Eigentliche. Das ist die große Aufgabe für mich und bei Strauss insbesondere, seine Musik in der Klarheit, Feinheit und Eleganz zu interpretieren.

Ist es Respekt oder Liebe zu Strauss?

Beides. Mich erfüllt große Demut vor dieser unglaublich imposanten, starken Musik und Hingabe - aber auch das muss kontrolliert sein. Als Sänger darfst du nicht deine Gefühle mit auf die Bühne nehmen. Die berühmte Edda Moser sagte es so zu mir: Nicht sie müssen weinen, sondern das Publikum. Das ist wichtig. Ich spiele hier keine Rolle. Wir Künstler sind die Beauftragten, die Musik an das Publikum weiterzugeben.


Das Stück

"Arabella" ist die letzte gemeinsame Oper, die Richard Strauss mit seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal realisieren konnte. Die Uraufführung fand 1933 in Dresden statt. Die Handlung führt nach Wien um 1860. Ein verarmter Graf sucht einen reichen Schwiegersohn für seine Tochter Arabella, doch die verfolgt eigene Pläne. GMD Raoul Grüneis hat die musikalische Leitung, es inszeniert Judica Semler. In den Hauptrollen agieren Leonora del Rio, Lindsay Funchal, Guido Kunze und Sebastian Fuchsberger.Die Premiereist morgen, 19Uhr im Theater Freiberg. Nächste Aufführungen: am 8. und 16. April. (mes)

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