Ein Leben mit Parkinson

Die Hetzdorfer Rehaklinik ist Gastgeber der 9. Bundes-Parkinson-Tage. Ein Patient aus Thüringen schildert seine Geschichte.

Hetzdorf.

Bei den dreitägigen Parkinsontagen, die am heutigen Donnerstag in der Reha-Klinik in Hetzdorf beginnen, wird sich Thomas Wodzicki aus Hopfgarten bei Weimar kaum einen Vortrag entgehen lassen. Der 54-Jährige ist seit vier Wochen Patient in der Einrichtung - wegen seiner Parkinsonerkrankung. Vor sechs Wochen bekam er an einem Hamburger Klinikum während einer zehnstündigen Operation einen Tiefenhirnstimulator eingesetzt. "Ich fühlte mich schon wenige Tage danach wie neu geboren. Selbst meine engsten Freunde haben gestaunt", erzählt er. Seitdem könne er wieder durch den Wald laufen ohne zu stolpern, seine Lebensqualität habe sich sehr verbessert, erzählt der Thüringer. Nun vervollkommne er seinen Zustand hier in Hetzdorf - unter anderem mit Bewegung, Muskelaufbau, Logopädie. Dass der Chefarzt der Hetzdorfer Klinik, Dr. Peter Themann, an seinem Tiefenhirnstimulator die Feineinstellung erfolgreich vornahm, empfindet er als glücklichen Umstand.

Blick zurück: Bis ihn die Diagnose Parkinson vor rund sechs Jahren ereilte, sei er ein agiler sportlicher Typ gewesen, freiberuflich als Spielpädagoge tätig, erzählt Thomas Wodzicki. "Eines Tages wollte ich eine Dose hochheben, da merkte ich, wie ich zitterte. Auch mit dem Umgang meiner Spielbälle und Frisbeescheiben hatte ich Probleme." Nach wenigen Tagen ging der Mann, der sonst nie krank war, zum Hausarzt. Dieser überwies ihn in die Uniklinik nach Jena. "Nach einem siebentägigen Aufenthalt mit Tests und Untersuchungen kam der Arzt zu mir und sagte: ,Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für sie'", erinnert sich Thomas Wodzicki. Die Positive: es war kein Hirntumor; die negative: es handelte sich um Parkinson. "Diesen Ausdruck hatte ich schon gehört, mich aber noch nie mit dieser Krankheit beschäftigt. Zuhause habe ich mich sofort an den Computer gesetzt und nachgeschaut."


Seine Frau und seine Eltern seien wegen der Diagnose sehr erschrocken und besorgt gewesen. Gemeinsam hätten sie überlegt, wie mehr körperliche Aktivität in den Alltag gebracht werden kann. "So haben wir uns als erstes einen Hund angeschafft", erzählt der Thüringer.

2015 bekam er eine Kur an der Ostsee. "Die Rehabilitation war in einer nicht auf Parkinson spezialisierten Klinik enttäuschend", sagt er rückblickend. Dennoch: eine Psychologin hatte mit ihm einen Fünf-Jahresplan entwickelt, nachdem er jetzt noch lebe. "In dieser Zeit bekam ich sprachliche Probleme. Ich hatte auch Mühe mit dem Autofahren, das ich kurz darauf eingestellt habe", erzählt er. Fortan fuhr er mit dem Zug und einem großen Koffer voller Bälle und Frisbeescheiben durch Deutschland, um seinen Job zu verrichten. Doch er gab sich mit seinem gesundheitlichen Zustand nicht zufrieden. Am 28.Dezember 2017 bekam er einen Termin bei Dr. Oehlwein in Gera, einem bekannten Neurologen. "Er war der erste Arzt, der mir richtig geholfen hat und der mir zur Tiefenhirnstimulation riet", sagt der Spielpädagoge. Erneut googelte er im Internet, befragte Freunde und Verwandte. Er wollte wieder ohne Probleme arbeiten, mit seinen Kindern Fußball spielen, in der Gaststätte ordentlich mit Messer und Gabel essen. So entschied er sich für die Operation, die am 25. März durchgeführt wurde. "Was mir in der sechsjährigen Behandlungsodyssee geholfen hat, ist die Tatsache, dass ich offen mit meiner Krankheit umgehe", betont Thomas Wodzicki.


"Wir können die Lebensqualität verbessern"

Dr. Peter Themann ist seit 1998 Leiter der Neurologie, seit 2002 leitender Chefarzt der Reha-Klinik Hetzdorf. Karlheinz Schlegel sprach mit ihm.

Warum finden die Parkinsontage gerade bei Ihnen in Hetzdorf statt?

Wir sind eine von 14 Parkinson-Spezialkliniken, die es in Deutschland gibt und die einzige derartige Klinik in Sachsen. Es ist eine Ehre für uns, dass prominente Gäste aus ganz Deutschland bei uns referieren.

Was ist der Zweck des Kongresses?

Den Patienten und Ärzten sollen neueste Forschungsergebnisse näher gebracht werden. Zudem tauschen sie sich über Ursachen der Erkrankung und neueste Behandlungsmöglichkeiten aus.

Wie stellt sich Parkinson dar?

Es ist eine ursprüngliche Erkrankung des Bewegungsapparates, landläufig auch Schüttellähmung genannt. Sie geht mit weiteren motorischen und nichtmotorischen Störungen einher. Es gibt aber noch mehr Symptome, die eine Erkrankung ausmachen. Wesentliche Gründe sind der Untergang von Nervenzellen und fehlende Überträgerstoffe wie Dopamin im Gehirn.

Was können Sie in der Rehaklinik tun, um die Krankheit aufzuhalten oder zu lindern?

Parkinson ist nicht heilbar. Wir können die Lebensqualität aber durch gezielte Medikamentengabe oder das Einsetzen eines Tiefenhirnstimulators verbessern. Der Patient muss sich viel bewegen und viel Sport treiben, um den Gehirnstoffwechsel anzuregen.

Wann sollte man eine eventuelle Erkrankung abklären lassen?

Wenn die Bewegung beeinträchtigt ist, die Feinmotorik gestört ist, der Patient Schwierigkeiten beim Schreiben bemerkt, Probleme beim Essen mit Messer und Gabel oder beim Zuknöpfen des Hemdes hat. Wenn er stolpert oder mit gebeugten Schultern geht, der Gang kleinschrittig wird oder die Gestik und die Mimik abnehmen. Wichtig ist, dass der Patient sehr frühzeitig den Gang zum Arzt unternimmt.

Wird man Parkinson irgendwann heilen können?

Das ist natürlich mit einem Blick in die berühmte Glaskugel verbunden. Die Forschungen laufen auf Hochtouren, aber man findet immer wieder neue genetische Veränderungen im Körper, die uns vor große Herausforderungen stellen. gel

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