Ein Palettensofa ist der Anfang

Jugendliche richten sich im neuen Seifersdorfer Vereinshaus einen Treff ein. Und sie haben noch viel vor.

Seifersdorf.

Mehrere Generationen unter einem Dach. Das ist nicht einfach und erfordert viel Toleranz. Doch dass das Miteinander von Jung und Alt klappen kann, zeigt das neue Vereinshaus in Seifersdorf. Dieses wurde in Regie des Heimatvereins "Am Perzebach" hergerichtet. Rund 100.000 Euro wurden investiert, darunter auch Zuschüsse.

Im Frühjahr wurde das Vereinshaus eröffnet. Die Räume im Erdgeschoss sind neu gestaltet worden. Beigefarbene Wände und gediegene Möbel prägen das Bild. Doch was den älteren Semestern gefällt, fanden die junge Leuten eher etwas bieder. "Wir haben uns gefragt: Das soll unser Treff sein?", erinnert sich die 15-jährige Naike Richter aus Seifersdorf an ihren ersten Eindruck. Ähnlich ging es Julia Hähner (17), ebenfalls aus dem Großschirmaer Ortsteil, und weiteren Jugendlichen. Deshalb beratschlagten die 12- bis 17-Jährigen, wie der Raum umgestaltet werden könnte, damit es "ihr" Raum wird. Gemeinsam mit Sozialpädagogin Cornelia Kluge vom Verein Regenbogenbus, die den Klub betreut, tüftelten sie an Vorschlägen. Und darüber sprachen sie mit dem Heimatverein. So entstand die Idee, ein Sofa und einen Tisch aus Paletten zu bauen - mit Rollen, damit die Möbel bei Bedarf in einen anderen Raum geschoben werden können.

Sozialpädagogin Kluge half den Jugendlichen, dafür den Förderantrag beim "Novum"-Wettbewerb der Sächsischen Jugendstiftung einzureichen. Und es klappte: 500Euro konnten für das Sofa eingeheimst werden. Und weil eine Spedition aus Hainichen die Paletten - durch Vermittlung von Kluge - zu einem Freundschaftspreis verkaufte, ist jetzt noch Geld übrig. Dafür sollen Matratzen bespannt werden. Und zwar genau mit jenem blauen Stoff, den die älteren Semester für ihre Möbel ausgesucht haben. In den Sommerferien haben die sechs Mädchen zusammen mit Sozialarbeiterin Kluge die Couch zusammengebaut. Stolz berichten die Jugendlichen, dass auch die Älteren das Sofa schick finden. "Und bei Feiern wollen sie es nicht woanders hin schieben, weil es gemütlich ist", erzählt Julia Hähner. Auch der Tischkicker, den der Kreis zur Hälfte als Kleinprojekt mitfinanzierte, komme bei allen Besuchergruppen gut an.

Als nächstes wollen die Jugendlichen große Leinwände mit Graffiti besprühen und dann zu ihren Klubzeiten aufhängen. Zurzeit treffen sich die Schülerinnen aus Seifersdorf, Reichenbach und Großschirma alle zwei Wochen. Sie gucken Filme, spielen Tischfußball, quatschen. Und sie überlegen schon, was sie zum Weihnachtscafé, das sie organisieren wollen, alles backen und vorlesen wollen. Denn das Ostercafé, das sie ebenfalls ausgestalteten, war ein voller Erfolg. "Eine sehr gelungene Veranstaltung", schätzte UBV-Stadtrat Ingo Staud ein.

Zudem wollen sich die Mädchen am 22. und 23. September an der mittelsächsischen "48-Stunden-Aktion" beteiligen. Anliegen ist es, etwas Bleibendes für das Gemeinwesen zu schaffen. Die Jugendlichen wollen das Gebäude und Umfeld der Wäschemangel "aufhübschen". Dazu Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP): "Die Idee finde ich gut, und sie wird von mir unterstützt."


Vereinshaus mit Tradition

Die ehemalige Neue Schule in Seifersdorf, der spätere Jugendclub, ist vom örtlichen Heimatverein "Am Perzebach" zum Vereinshaus umgebaut worden. Die Einweihung erfolgte im Frühjahr dieses Jahres.

Rund 100.000 Euro wurden in das Vereinshaus investiert. 6200 Euro brachte der Verein als Eigenanteil auf, 50.000Euro flossen als Zuschüsse über das Programm "Landaufschwung" vom Landkreis Mittelsachsen, und die Stadt Großschirma legte auch noch einmal 36.000 Euro drauf. "Ohne diese Unterstützung wäre der Umbau nicht zustande gekommen", sagt Holger Pönitz, der Chef des Heimatvereins. Und: Die Vereinsmitglieder steckten gut 1000 Stunden Eigenleistung in den Treff.

Im Stadtgebiet Großschirma gibt es derzeit außer dem Seifersdorfer Jugendclub nur noch einen Treff in Siebenlehn. Beide Jugendclubs werden von Mitarbeiterinnen des Vereins Regenbogenbus betreut und auch beim Beantragen von Fördermitteln unterstützt. Um Seifersdorf kümmert sich Sozialarbeiterin Janine Kromm und um Siebenlehn die pädagogische Fachkraft Cornelia Kluge.

Die Jugendclubs in Reichenbach und Großvoigtsberg gibt es nicht mehr. "Wir halten aber die Räume weiter vor, damit sie bei Bedarf genutzt werden können", sagte Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) zur jüngsten Stadtratssitzung. Einige Jugendliche kommen zum Verein Regenbogenbus, um sich beraten zu lassen. (hh)

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