Ein Stück Liegewiese für Bienenwölfe

Die harmlose Wespenart ist am Naturbad Erzengler aufgetaucht. Um die Brut nicht zu stören, müssen sich Badegäste einschränken - aber nur ein wenig.

Brand-Erbisdorf.

Für fünf Wochen sind 200 von den insgesamt 10.000 Quadratmetern Liegewiese am Naturbad Erzengler Teich besonderen Gästen vorbehalten: Seit einer Woche tummeln sich hunderte sogenannte Bienenwölfe am Rand der Wiese hin zum kleinen Uferstrand.

Was gefährlich klingt, ist aber harmlos: Der Bienenwolf gehört zur Familie der Grabwespe, die sehr nah mit den Bienen verwandt ist. Für den Menschen ist der Bienenwolf ungefährlich. Dass es sich um eben diese Spezies handelt, hat Wildbienen-Experte Johann-Christoph Kornmilch aus Greifswald anhand dreier verschiedener Fotos, die am Erzengler gemacht worden sind, sofort erkannt.

"Badegäste hatten am Wochenende gemeldet, dass sie Erdwespen gesichtet hätten", schildert Frank Brendler von der Stadtverwaltung. Die Stadt betreibt das Naturbad und muss solchen Hinweisen nachgehen. Brendler rief den Kammerjäger, dieser gab Entwarnung: Es handele sich nicht um Erdwespen, sondern um ungefährliche Wildbienen. Als Wildbiene wird allerdings jede Biene bezeichnet außer der Honigbiene, erläuterte der Wildbienen-Experte gestern auf Nachfrage.

Ganz konkret sind es also Bienenwölfe, die in den Morgenstunden summend um die Sandlöcher herumfliegen. Kornmilch erklärte: "Bienenwölfe leben solitär, also ohne Bienenstaat. Jedes Weibchen gräbt ein eigenes kleines Nest und legt dort ein Ei ab. Es jagt ausschließlich Honigbienen, in dem sie diese mit einem Stich betäubt. Ihrem Nachwuchs bringt das Weibchen vier bis fünf gelähmte Honigbienen. Wenn die Larve dann aus dem Ei geschlüpft ist, beginnt sie zu fressen."

Bienenwölfe stehen nicht unter Naturschutz; sie kommen in ganz Deutschland bis hin zum Mittelmeer vor, wo es trockenen Sandboden gibt. Der Bestand nehme tendenziell aber ab. "Meist leben Bienenwölfe gemeinsam mit Bienen in Mischkolonien", erklärte Kornmilch weiter. Daher sei eine Absperrung zum Schutz der Brut sinnvoll.

Wildbienen gebe es jedes Jahr am Erzengler, so Brendler, "doch an dieser Stelle sind uns die Insekten bisher nie aufgefallen." Ufer und Teich bleiben voll zugänglich; Badegäste könnten das "schöne Naturschauspiel" bewundern. In fünf Wochen soll die Absperrung aufgehoben werden, kündigte Brendler an.

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