Ein Traum wird wahr: Auftritt auf der großen Bühne

Die Festspieloper Prag ist für ihre Aufführung von Verdis "Nabucco" in der Olbernhauer Saigerhütte gefeiert worden. Zwei Statisten sind immer noch hin und weg.

Eingekleidet für den großen Auftritt als Statisten. Jürgen Meißner und Waltraud Richter sind Bestandteil des Gefangenenchors der Oper "Nabucco".
Der berühmte Gefangenenchor während der Aufführung in Olbernhau.

Von Dirk Trautmann

"Dieses Erlebnis war riesig, es war ergreifend, aber eigentlich ist es unbeschreiblich", ringt Waltraud Richter noch am Morgen danach um die richtigen Worten. Für Jürgen Meißner wiederum hat die Redewendung "einmal mit Profis arbeiten" seit Sonntagabend eine ganz neue Bedeutung: "Es war ganz groß - und ich würde es sofort wieder machen!" Waltraud Richter aus Niedersaida und der Olbernhauer Jürgen Meißner haben einen Traum gelebt. Sie sind auf einer Bühne aufgetreten. Sie sind Teil einer Opernaufführung gewesen. Und 650 Besucher haben ihnen zugesehen.

Am Sonntag hat die Festspieloper Prag die Oper "Nabucco" von Giuseppe Verdi in der Olbernhauer Saigerhütte aufgeführt. Mit dabei waren Waltraud Richter und Jürgen Meißner, die ihre kleinen Rollen bei einer Verlosung der "Freie Presse" und des Veranstalters gewonnen hatten. Sie waren Teil des berühmten Gefangenenchors, sie durften nicht mitsingen, sie waren Statisten. Aber selbst die brauchen Instruktionen - Verhaltensregeln sozusagen - und genaue Anweisungen. "Es wurde gesagt, wo wir zu stehen hatten und auch wohin und wie wir schauen sollten", erzählt Waltraud Richter. Sogar einen "Aufpasser" bekamen die beiden. Einer, der ihnen ziemlich bestimmt ihre Plätze zuwies und der ihnen Befehle zuflüsterte. Und die beiden wurden von Bühnenbildnerin Olga Kokošková in lange Kostüme gesteckt. Waltraud Richter musste ihre Brille absetzen. Jürgen Meißner hielt sich während des kurzen Auftritts die rechte Hand auf die weiße Stelle am linken Arm, wo sonst seine Armbanduhr sitzt. Schließlich spielt die Oper im Babylon des Jahres 587 vor Christus, da gab es weder Brillen noch Armbanduhren.

Und dann ging alles sehr schnell, Statisten und Sänger kamen auf die Bühne, der Chor begann mit den weltberühmten Zeilen "Va, pensiero, sull'ali dorate" ("Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen"), und der Höhepunkt der Oper war erreicht. Dann ging der Gefangenenchor wieder ab, als der Chor zur Zugabe wiederholt wurde, sahen und hörten die beiden Statisten vom Zuschauerraum aus zu.

"Es war sehr interessant, einmal hinter die Bühne zu gelangen und einen kleinen Einblick in das Geschehen zu bekommen. Und dann erst das Gefühl, mitten im Chor zu stehen und ein Teil des Ganzen zu sein", erklärte Waltraud Richter. Und Jürgen Meißner bestätigte: "Das war überwältigend."

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