Ein Zuhause für Kisha und Faunus

Um verletzte Wildvögel zu pflegen, braucht es mehr als nur Tierliebe. Die Langenauer Heike und Peter Jäkel haben sich darauf spezialisiert.

Langenau.

Man sieht es dem Haus an der Neuen Hauptstraße 8 in Langenau gar nicht an, was in ihm, besonders aber, was hinter ihm steckt. Nur ein Holzschild über der Garage lässt erkennen, dass es sich hier mitnichten nur um ein schlichtes Einfamilienhaus handelt. "Wildvogelpflege" ist darauf in geschwungenen Buchstaben zu lesen.

Heike Theresia Jäkel und ihr Mann Peter betreiben die Auffangstation für die Aufnahme und Pflege verletzter, hilfloser und kranker einheimischer Vögel seit rund zwölf Jahren. Alles begann damals mit einem Bussard, den Peter Jäkel verletzt gefunden hat. "Doch damit wir ihn hätten pflegen dürfen, benötigten wir auch die entsprechende Genehmigung", erklärt Heike Jäkel. Diese kam, als sie im Mai 2006 ihre Falknerausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte. Den Jäkels war schnell klar geworden, dass sie eine Aufgabe gefunden hatten, die sie ganz ausfüllte. Nach einer Anfrage des mittelsächsischen Landratsamtes wurden sie im September 2010 sogar offiziell als Auffangstation berufen.


Drei große Volieren schließen sich im Garten an das Haus an. In der vorderen sitzt Kisha, ein weiblicher Wüstenbussard. Kisha bedeutet Nacht auf indianisch, und genau so dunkel ist sie. Sie lebt seit zwölf Jahren bei den Jäkels. Nebenan ihr männlicher Partner Faunus und schließlich der Uhu Gimli, benannt nach dem Zwerg aus dem Tolkien-Universum, weil er so klein ist. Die drei sind neben einer prächtigen Schnee-Eule die Dauerbewohner des Areals. Die meisten anderen Vögel werden, wenn sie wieder gesund sind, wieder ausgewildert.

Weiter unten eröffnet sich eine große Wiese, an deren Rand sich Sitzgelegenheiten für Publikum befinden. "Hier veranstalten wir mit den Bussarden und dem Uhu Vorführungen", erzählt Peter Jäkel. Vor allem das Vermitteln von Wissen um die Vogelwelt an Kinder und Jugendliche liegt den beiden am Herzen. Dafür gehen sie regelmäßig in Schulen und Kitas. Wenn eines der Tiere seine Flügel aufspannt, dann sei das immer ein großartiger Moment für die Zuschauer. Damit, aber auch mit mittelalterlich gestalteten Veranstaltungen oder Hochzeiten, finanzieren die Jäkels die Wildvogelpflege. Denn die gute, artgerechte Unterbringung ist das eine. Futter muss ebenfalls in ausreichender Menge besorgt werden. Nicht zu vergessen sind die Kosten für die tierärztliche Betreuung; genauso fallen Küchenpapierrollen ins Gewicht.

Zugenommen habe die Anzahl der Windradunfälle bei Vögeln, sagt Heike Jäkel. So zumindest ist ihr Eindruck. Genau lasse sich das nicht mehr feststellen, wenn die Tiere von ihren Findern abgeliefert werden. In den meisten Fällen gelingt die Heilung. Stirbt ein Tier jedoch, was ebenfalls vorkommt, dann geht das den Pflegern immer nahe.

Bei einem besonderen Gast der vergangenen Wochen ging glücklicherweise alles gut. Dabei handelte es sich um einen Schwarzstorch. "Ungemein selten hierzulande", so Heike Jäkel. "Vermutlich ein Windanlagenunfall." Verletzungen am Schnabel und an den Flügeln hatten ihn hilflos gemacht. Fix und fertig sei er gewesen, als man ihn brachte. Doch habe er sich bald erholt und sei schließlich vor einigen Tagen wieder in die Freiheit entlassen worden. "Ein wunderschöner Anblick", schwärmt Heike Jäkel immer noch.

Die Wildvogelpflege habe ihrer beider Leben vollkommen auf den Kopf gestellt, gesteht das Paar, aber missen wollen sie keinen Moment. Fast ihre gesamte Freizeit opfern sie gerne den Tieren, unterstützt von zwei ehrenamtlichen Helferinnen. Ohne Engagement anderer wäre es schwieriger. Umso überraschter und glücklicher waren die Jäkels, als ihnen kürzlich die Mitglieder des Jugendklubs "ImI" aus Brand-Erbisdorf eine Geldspende übergaben. "Einfach so und vollkommen unvorbereitet", strahlt Heike Jäkel. "Das war toll." Auch hätten ihnen in der Vergangenheit schon Studenten der TU Bergakademie Freiberg beim Bau von Volieren geholfen, deren es auf dem gesamten Gelände schier unzählige zu geben scheint.

Ob Mauersegler, Drosseln, Eulen, Meisen oder Grünfinken, selbst eine Krähe, die auf Fliegen keine Lust hat, finden hier für kurz oder länger ein Zuhause. "Das ungewöhnlichste Tier war ein Fischadler", erinnert sich Peter Jäkel. Jedes Jahr halte neue Überraschungen bereit, so wie diesmal den Schwarzstorch. Langweilig werde die Arbeit deshalb nie.

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