Eine Rückkehr ins Erzgebirge nach 25 Jahren

Gerd Wendrock ist der neue Gemeinschaftspastor im Freiberger Bezirk. Für diese Stelle packte er mit seiner Familie die Koffer. Aus gutem Grund später als in diesem Amt üblich.

Brand-Erbisdorf.

Hier und da ist die Wohnung im Gemeinschaftshaus der Landeskirchlichen Gemeinschaft am Gartenweg in Brand-Erbisdorf noch etwas leer. Dennoch verbreitet sich der Eindruck von Behaglichkeit. Es kann kaum anders sein, wenn ein Mann wie Gerd Wendrock im Raum sitzt. Den 50-Jährigen mit dem hohen Haaransatz und dem freundlichen Lächeln umgibt eine Aura von selbstverständlicher Ruhe. Eine solche Fähigkeit ist wohl nicht erlernbar, sondern dem Menschen von Geburt an eigen.

Gerd Wendrock ist der neue Gemeinschaftspastor im Freiberger Bezirk. Am 9. Juli kam er mit Ehefrau Anja und Sohn Lukas an. Zehn Gemeinschaften betreut er im Freiberger Raum. Das macht gerade mal eine halbe Stelle aus, weshalb er im Bezirk Pockau mit 24 Gemeinschaften noch im Verkündigungsdienst arbeitet. "Wir sind keine Freikirche", stellt Wendrock klar und erklärt: "Die evangelische Kirche ist ein großes Haus mit vielen verschiedenen Räumen. Wir stellen in der Landeskirchlichen Gemeinschaft den bewussten Glauben in den Mittelpunkt."

Für Gerd Wendrock und seine Frau ist es eine kleine Rückkehr in die Heimat. Beide stammen aus Marienberg, waren jedoch die vergangenen 20 Jahre im Bezirk Riesa tätig. "Eigentlich wird man als Gemeinschaftspastor nach etwa zwölf Jahren versetzt", erzählt Wendrock. Für ihn gab es Gründe, weshalb man so lange an einem Ort blieb. Der heute 16 Jahre alte Sohn Lukas kam mit einer geistigen Behinderung und Epilepsie zur Welt. Die damit einhergehenden Schwierigkeiten verhinderten zunächst eine reguläre Versetzung. Später war es dann so, dass der Junge gerade sehr gute Fortschritte in der Schule machte, die man nicht unterbrechen wollte. Mit Beginn des neuen Schuljahres wechselte Lukas Wendrock an die Förderschule "Albert Schweitzer" des Diakonischen Werkes Freiberg.

Doch verbindet Wendrock noch etwas konkret mit der Freiberger Region. "Von 1988 bis 1993 habe ich an der TU Bergakademie Chemie studiert", erzählt er. Dass er diesen Weg nicht weiter verfolgte, hatte für ihn sehr gute Gründe. "Ich bin in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Marienberg groß geworden", berichtet er. "Den Hauptanteil tragen dort wie hier die Ehrenamtlichen, von denen ich einer war." Diese Arbeit gab ihm so viel, dass er sie in seinem Leben nicht missen wollte. Als er ein Angebot eines großen Chemiekonzerns erhielt, ihm dort aber gesagt wurde, dass sich diese Tätigkeit mit dem Ehrenamt nicht verbinden lasse, stand Wendrock vor einem Scheideweg.

"Das war für mich der Auslöser, darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll." Das Gespräch mit einem Pastor lenkte seine Schritte. Er entschied sich gegen das hohe Gehalt und für seinen Dienst im Glauben. Vier Jahre lang besuchte er ein theologisches Seminar, vollzog ein einjähriges Praktikum in Dresden und fand schließlich den Weg nach Riesa.

Nun ist er wieder in der Nähe seiner alten Heimat angekommen. "Vor zwei Jahren wurde mir die Versetzung angekündigt", sagt Wendrock. Es habe zwar Anfragen aus anderen Bezirken gegeben. Doch als er hörte, dass der Freiberger Gemeinschaftspastor Christoph Trinks in den Ruhestand gehe, sprach Wendrock mit Landesinspektor Matthias Dreßler, ob er nicht nach Brand-Erbisdorf gehen könne. Dort hatte er bereits 2010 Bibeltage gehalten und kannte die Gemeinde ein wenig.

Gefragt nach einem Lebensmotto, nickt Wendrock bedächtig. Es ist ein Lutherzitat, welches er mit seiner ganzen Arbeit verbindet. "Das Wunder des Glaubens besteht darin, dass Christus mir die Sorge um mich selbst aus der Hand nimmt, sodass ich die Hände frei habe, zu helfen der Liebe, dem Nächsten zu Gut. Der Glaube lebt sich in der Liebe aus." Darin sehe er alle Teilgebiete der Theologie vereint, meint Gerd Wendrock. "Ich will den Menschen die Sorge aus der Hand nehmen."

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