Eislaufen: So schön, aber tabu

Der Winter ist noch ein Stück hin, doch die Frage, warum Eislaufen auf den Teichen von Großhartmannsdorf nicht erlaubt ist, treibt einige Anwohner um. Dabei gibt es driftige Gründe.

Großhartmannsdorf.

Eislaufen auf zugefrorenen Seen und Teichen: klingt romantisch und macht Spaß. Sabrina * (35) geht am liebsten auf den Teichen in Großhartmannsdorf Eislaufen. "Ich weiß, da stehen Schilder am Rand. Aber wir haben das schon immer gemacht, meine Eltern auch. Ich verstehe nicht, warum das verboten sein soll", sagt die Einwohnerin.

Vergangenen Winter war sie mit ihrem Kind und anderen Schlittschuhläufern auf dem Eis, als sie von Wachbediensteten vom Eis verwiesen wurden.

Jens Härtig wohnt ebenfalls in Großhartmannsdorf. Er meint: "Jahrhundertelang war das kein Problem." Er könne nicht nachvollziehen, dass das Eislaufen als "eine über viele Generationen gepflegte Tradition, für mich ein immaterielles Kulturgut" nicht erlaubt sein soll. Konkret geht es ihm um den Großen und den Neuen Großhartmannsdorfer Teich sowie den Obersaidaer Teich.

Seit 1992 werden diese und andere Kunstteiche und Gewässer von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) des Landes Sachsen betrieben, überwacht und unterhalten. Auf Nachfrage erklärt Pressesprecherin Katrin Schöne: "Das Eislaufen ist auf all unseren Anlagen nicht erlaubt." Sie begründet das damit, dass in den Teichen ständig Wasser zu- und abfließt und das Wasser damit ständig in Bewegung ist. Beispielsweise sinkt der Wasserspiegel, wenn aus den Talsperren Wasser an Wasserwerke und an die Industrie abgegeben wird. Niederschläge im Einzugsgebiet oder Tauwetter sorgen wiederum für einen Wasseranstieg. "Wenn sich auf Stauseen eine Eisfläche bildet, ist sie durch das ständige Auf und Ab besonders instabil." Dabei können sich unter einer Eisschicht Hohlräume bilden, die man von außen nicht unbedingt erkennt.

Viele Staumauern sind zudem mit einer Eisfreihaltungsanlage ausgestattet. Denn um den Betrieb der Stauanlagen zu gewährleisten, müssen die Einrichtungen eisfrei gehalten werden. Auch in den drei besagten Teichen sind seit 2007 solche Eisfreihaltungsanlagen verbaut. Schöne erklärt: Durch Druckluft wird Wasser aus tieferen Schichten des Teiches in Richtung Wasseroberfläche verlagert. Durch die höhere Temperatur des Wassers aus tieferen Schichten, das zudem immer in Bewegung gehalten wird, kann sich kein Eis bilden. "Die Wirkung ist eher lokal. Sie halten nicht den kompletten Teich eisfrei, sondern nur die Bereiche der Betriebseinrichtungen. Deshalb ist das Betreten hier besonders gefährlich", betont sie. Der Untere (Große) Teich hat sogar zwei Eisfreihaltungsanlagen, der Obersaidaer Teich und der Mittlere (Neue) Teich hat jeweils eine.

Auf die Lebensgefahr bei Betreten der Eisflächen weisen vor Ort Warnschilder mit Piktogrammen hin. Wer sich nicht daran hält, wird durch LTV-Mitarbeiter oder beauftragte Wachschützer auf die Gefahrensituation hingewiesen und vom Eis verwiesen. "Sicher ist das auch in der letzten Wintersaison vorgekommen, da es dem Schutz von Leib und Leben der Betroffenen dient", so Schöne. Eine Strafe gibt es nicht; das Gelände ist nicht eingezäunt. An eine Rettungsaktion auf dem Eis kann sich Falk Wiards, seit 1999 bei der Feuerwehr und aktuell Leiter der Feuerwehr Saidenbach, nicht erinnern. Auch André Schulze, Wehrleiter in Großhartmannsdorf, ist in den vergangenen 15 Jahren kein Fall bekannt, bei dem die Feuerwehr eingreifen musste. "Es kann schon sein, dass mal jemand nasse Füße bekommen hat. Aber das wird sicher nicht an die große Glocke gehängt."

Auf Nachfrage bei Bürgermeister Werner Schubert (CDU), wo in Großhartmannsdorf Eislaufen möglich ist, sagte er: "Die Gemeinde hat keine eigenen Teiche. Der einzige Teich im Ort, der Timmelteich, ist in Privathand."

Härtig hat derweil beim Landratsamt als untere Wasserbehörde beantragt, dass das Eislaufen auf den Teichen zugelassen wird. Einige Bürger unterstützen diesen Antrag mit ihrer Unterschrift. Auf Nachfrage beim Landratsamt teilte ein Sprecher mit, dass das Anliegen, "was in dieser Form bisher einmalig ist", derzeit geprüft werde. Das Amt stehe in Kontakt mit der LTV. Wann es dazu eine Entscheidung geben könnte, ist unklar.

Wenn der Winter richtig kalt wird und die Eisfläche auf den Teichen dick genug ist, will Sabrina trotzdem Eislaufen gehen. "Auf eigene Gefahr war das hier schon immer. Und das Wasser hat schon immer gearbeitet und geknackt. Das schreckt mich nicht ab."

* Richtiger Name der Redaktion bekannt


Mindestens 15 Zentimeter

Bei stehenden Gewässern sollte das Eis mindestens 15 Zentimeter dick sein, bei Bächen und Flüssen sogar 20 Zentimeter, um es betreten zu können, heißt es bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Eisbahn statt Teich: Die Eisbahn

im Freiberger Schloss Freudenstein öffnet ab 21. November für Besucher, die Eisbahn in Oederan ab 1. Dezember. (cor)


Baden ja, Eislaufen nein - Warum?

Laut Sächsischem Wassergesetz können natürliche Gewässer zum Baden, Tränken, Schöpfen mit Handgefäßen, für den Eissport und das Befahren mit kleinen Wasserfahrzeugen ohne maschinellen Antrieb genutzt werden, "soweit dies wasserwirtschaftlich unbedenklich ist", heißt es.

Für die Teiche der Landestalsperrenverwaltung (LTV) ist das Betreten des Eises aber nicht erlaubt, da kein Gemeingebrauch und keine Zulassung der Nutzung durch die LTV vorliegt.

Das heißt: Wer ins Eis einbricht, ist für Schäden selbst verantwortlich. "Tatsächlich ist es in der Praxis aber oft so, dass zunächst der Eigentümer der Fläche in Haftung genommen wird. Dann kann solch ein Fall auch mal vor Gericht landen", erklärt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Ob in Großhartmannsdorf schon einmal jemand ins Eis eingebrochen ist, konnte sie nicht sagen. Die Anlagen sind nicht eingezäunt und nicht ständig besetzt oder bewacht.

Anders ist die Regelung beim

Baden. Am Erzengler Teich und Mittleren Großhartmannsdorfer Teich

bestehen Verträge, die das Baden vom 15. Mai bis 15. September erlauben. Der schwankende Wasserstand ist nicht gefährlich, so Schöne. (cor)

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