Eltern stärken Erzieher-Team im Kita-Streit den Rücken

Ausgelassen war die Stimmung gestern beim Familienfest im "Sonnenland" in Voigtsdorf. Fast hätte man nicht gemerkt, dass ein Rechtsstreit mit dem Landesjugendamt an den Nerven zerrt.

Voigtsdorf.

Kein Wickeln mehr im Gruppenraum, die Gestaltung der Räume wegen Reizüberflutung reduzieren, Einschränkungen beim Verlassen des Gebäudes: Mit aus Sicht der Erzieher teils unnötigen, teils unerfüllbaren Auflagen des Landesjugendamts sieht sich derzeit die Kindertagesstätte "Sonnenland" Voigtsdorf konfrontiert. Der Trägerverein schaltete einen Anwalt ein und zog vor das Verwaltungsgericht. Nun verfasste der Verein einen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer. Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks, der gestern zum Elternfest das ehrenamtliche Engagement der Kita würdigte, soll das Schreiben mit nach Dresden nehmen.

Die Geschichte geht zurück auf eine Stippvisite des Amts im Frühling in Voigtsdorf. Wenig später flatterte im Mai ein erster Bescheid in den Briefkasten. Danach sollte etwa ein Geländer für die Kinder an der Rettungstreppe außerhalb des Gebäudes gekappt werden, damit niemand hochklettern kann, erzählt Kita-Leiterin Gisela Grogorenz. Und ein Durchgang zum Anbau des Gebäudes sei zu versperren, hieß es mit Verweis auf die Raucherecke des dortigen Jugendclubs. Grogorenz verstand die Welt nicht mehr. Beide Maßnahmen hätten die Sicherheit ihrer Schützlinge beeinträchtigt: Denn natürlich achtet das Team darauf, dass niemand die Rettungstreppe mit einem Klettergerüst verwechselt. Aber eine Rettungstreppe ohne Geländer in einer kindertauglichen Höhe sei nicht im Sinne des Erfinders - und der Durchgang zum Anbau sei ein wichtiger Zugang für die Feuerwehr.

In einem neuen Bescheid vom August ist von diesen Forderungen keine Rede mehr. So gab der Jugendclub die Raucherecke auf. An anderen Auflagen hält das Landesjugendamt fest. "Das Wickeln und Töpfen im Gruppenraum ist zu unterlassen", heißt es mit Verweis auf mögliche Infektionsgefahren. Das sei weder räumlich noch personell umzusetzen, erwidert Grogorenz. Das Team hat die Situation im fraglichen Raum dennoch geändert. So ist der Bereich mit Wickelkommode und Töpfchenbank direkt neben der Tür platziert, mit einem abwaschbaren Fußbodenbelag versehen und vom übrigen Bereich abgetrennt worden. Das Landratsamt hält das für ausreichend: "Die Forderungen des Gesundheitsamtes wurden umgesetzt", bestätigt ein Sprecher.

Auch die Forderung, bei Verlassen des Gebäudes müssten zur Gewährleistung von Aufsichtspflicht und Betreuungsauftrag stets zwei "pädagogische Fachkräfte", also Erzieher, dabei sein, kann Gisela Grogorenz nicht nachvollziehen. Der Aufsichtspflicht werde stets nachgekommen, etwa durch Eltern. "Manchmal war mein Ehemann dabei", erzählt Grogorenz. "Er ist Lehrer. Das zählt aber nicht als pädagogische Fachkraft." Mit der neuen Auflage seien Ausflüge wie bisher mit den Schulanfängern Geschichte. Das will das Team nicht akzeptieren. Und weiß sich mit den Eltern im Bunde. Grogorenz: "Wir haben einen Elternabend gemacht, da haben alle mit dem Kopf geschüttelt."

Auch die gute Stimmung gestern zeigte die Einigkeit. Viele Eltern trugen zum Fest bei. Sie wisse den Nachwuchs gut im Sonnenland aufgehoben, sagte Katrin Kubat vom Elternbeirat. "Die Eltern stehen hinter der Kita", versichert sie. Vom Landesjugendamt lag bis gestern keine Stellungnahme vor. In dem Bescheid verweist das Amt auf Gleichbehandlung mit anderen Trägern sowie die Sozialgesetzgebung und daraus resultierende Gerichtsurteile. "Paragrafen", entgegnet Gisela Grogorenz, "lösen keine Probleme".

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