Er hinterlässt eine fotografische Chronik

Das Ableben von Gunther Galinsky ist ein großer Verlust für Freiberg, sagt Oberbürgermeister Sven Krüger. Mit der Familie trauern zahlreiche Freunde und Weggefährten.

Freiberg/Obergruna.

Der Freiberger Fotograf und Bürgerpreisträger Gunther Galinsky ist am Dienstag gemeinsam mit seiner Frau Lilo in Freiberg beigesetzt worden. Der gelernte Bergmann, der unter anderem als Erkundungsgeologe beim Volkseigenen Betrieb Geologische Forschung und Erkundung in Freiberg gearbeitet und 1992 ein eigenes Ingenieurbüro in Obergruna gegründet hatte, war am 16. März dieses Jahres nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Zwei Tage zuvor hatte seine Frau ihre Augen für immer geschlossen. Die Trauerfeier für beide fand auf dem Zentralfriedhof im engsten Kreis statt.

Mit Galinsky verliert die "Freie Presse" einen fotografischen Chronisten, der mit seinen Aufnahmen sowohl die Tageszeitung bereichert als auch Bücher im Chemnitzer Verlag gestaltet hat. Sein Tod sei auch für die Freiberger Fotofreunde ein großer Verlust, kondoliert Harald Börner als Leiter des Clubs. Die Fotofreunde seien wie eine Familie. Fünf Jahrzehnte hatte Galinsky ihnen vorgestanden, bei der Übergabe des Staffelstabes war er 2015 zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden. In einem Nachruf schreibt sein Nachfolger: "Als Gunther zwölf Jahre alt war, bekam er zum ersten Mal einen Fotoapparat in die Hand. Eine Begegnung, die sein Leben grundlegend prägen sollte." Zur ersten Kreisfotoschau 1962 seien die Fotofreunde auf ihn aufmerksam geworden. Ein Jahr später sei er Mitglied und ab 1965 Leiter der Arbeitsgemeinschaft Fotografie im Kulturbund Freiberg gewesen, so Börner: "Er leitete die Freiberger Fotofreunde bis 2015."

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Galinsky sei auch Mitglied des Bezirksfotoaktivs, der Leistungsgruppe im Bezirk Karl-Marx-Stadt, und von 1968 bis 1992 nebenberuflich Theaterfotograf am Stadttheater Freiberg gewesen. "Gunther nahm an Ausstellungen und Wettbewerben in der DDR/BRD sowie Europa, Asien, Australien, Indien und Lateinamerika teil. Personalausstellungen zeigte er 1978, 1986, 1988, 1998, 2008 und 2018 in Freiberg, 1981 in Gentilly, 1987 in Staßfurt", hebt der Clubvorsitzende hervor. Andere Fotofreunde habe er mit dem Satz: "Wer nichts wegschickt, kann auch nichts wiederbekommen" dazu ermutigt, ebenfalls an Wettbewerben teilzunehmen.

Zahlreiche Buch- und Bildpublikationen seien entstanden, bei denen Gunther immer die Fotofreunde einbezogen habe. Dadurch und wegen der regelmäßigen Geselligkeiten im Fotoklub, wie die gemeinsamen Silvesterfeiern seit Beginn der 80er-Jahre, die Treffen am Himmelfahrtswochenende mit den Hagener Fotofreunden, Maibaum setzen, Fotowanderungen und vieles mehr sei in den Jahren eine "Fotofamilie" entstanden: "Bei so manchem Ausflug zeigte Gunther auch schon mal seine Künste mit der Wünschelrute."

Gunther Galinsky habe zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Insbesondere hebt Börner hervor, dass ihm 1980 als einem der wenigen DDR-Fotografen vom Weltverband der Kunstfotografen FIAP der Titel "Artiste FIAP" (AFIAP) verliehen wurde. Zudem sei er mit der Ehrennadel des Deutschen Verbands für Fotografie in Gold und 1999 mit dem Bürgerpreis der Stadt Freiberg geehrt worden.

"Stets war seine liebe Lilo an seiner Seite. Ihr Tod hat ihm sicher den Lebensmut genommen", schreibt der Vorsitzende der Fotofreunde. Er fügt hinzu: "Wir trauern sehr um Euch beide und werden Euch schmerzlich vermissen."

"Gunther Galinsky hat Freiberger Geschichte in sehr bewegenden Bildern festgehalten und in dokumentarischen Bildbänden unserer Stadt herausgegeben", würdigt Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) den Verstorbenen. Gemeinsam mit Sabine Ebert habe Galinsky so emotionale Chroniken geschaffen, die nachfolgenden Generationen präzise Einblicke ins Freiberger Leben gäben: "Dies jedoch nicht nur mit seinen eigenen Arbeiten, sondern auch denen seiner fotografischen Vorgänger, für deren Werke er sich stark engagiert hat." Galinsky habe dafür gesorgt, dass Fotoarbeiten seit der ersten Stunde in der Fotothek des Museums für künftige Generationen fachgerecht erhalten bleiben. Damit biete er für alle Interessierten einen Blick in die Entwicklungsgeschichte unserer Stadt. Die Stadt Freiberg habe seine Verdienste mit dem Bürgerpreis 1999 gewürdigt, hebt der Rathauschef hervor: "Wir werden Herrn Galinsky als inspirierendes Vorbild sehr dankbar im Gedächtnis behalten. Sein Ableben ist ein großer Verlust für Freiberg."

Auch das Mittelsächsische Theater trauert um den Fotografen. "Neben seinen vielfältigen anderen Aktivitäten in der Freiberger Fotoszene war Gunther Galinsky von 1968 bis 1991 auch Theaterfotograf am damaligen Freiberger Stadttheater", bestätigt Pressedramaturg Christoph Nieder. In dieser Zeit habe er unzählige Inszenierungen fotografisch festgehalten, aber auch eindrucksvolle Porträts beliebter Schauspieler und Sänger geschaffen. "Das war keineswegs selbstverständlich, denn dem Fotografen war bewusst, dass die Rahmenbedingungen der Theaterfotografie, wo etwa grundsätzlich auf Blitzlicht verzichtet werden muss, ganz andere sind als in anderen Räumen, in der Natur oder in der Stadt", fügt Christine Zülch als langjährige ehemalige Betriebsratschefin am Theater hinzu.

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