Erkältungs-Pech: Theater macht das Beste daraus

Zur Opernpremiere "Cendrillon" und zur vorletzten Vorstellung des Musicals "Jekyll und Hyde" waren Darsteller angeschlagen.

Krisenmanagement ist am Wochenende im Theater nötig gewesen. Sowohl vor der Premiere von Massenets Oper "Cendrillon" (Aschenbrödel") als auch vor dem Musical "Jekyll und Hyde", das zum vorletzten Mal in Freiberg zu sehen war, gab es deshalb Ansagen vor der Vorstellung. Die Darsteller machten aber aus der schwierigen Situation das Beste, sodass das Publikum trotzdem auf seine Kosten kam. Für beide Vorstellungen gab es langen kräftigen Applaus und Jubelrufe.

Ausgerechnet Prinz-Darsteller konnte am Samstagabend nicht singen: Johannes Pietzonka leidet an einer Kehlkopfentzündung. Deshalb gab es in der Premiere zwei Prinzen: Johannes Pietzonka spielte die Rolle des melancholischen Thronfolgers auf der Bühne und bewegte nur die Lippen. Während Pietzonka also pantomimisch agierte, stand Gast Kyounghan Seo (Foto) am Bühnenrand und sang. Der Südkoreaner, der sonst am Theater Nordhausen den Prinzen gibt, bestach durch eine schöne Tenorstimme und gute Textverständlichkeit. Damit hob er sich von mehreren anderen Sängern ab. Mitunter wünschte man sich Übertitel.

Bei Lisa Schnejdar war das nicht der Fall. Obwohl sie sich mit einer Erkältung herumplagte, brillierte die junge Russin als zauberhafte gute Fee. Bei den zahllosen Koloraturen war von Heiserkeit nichts zu merken. Und dank ihrer klassischen Ballettausbildung gelang ihr auch der Balanceakt auf den schier unglaublich hohen Plateauschuhen mühelos. Imposante Auftritte hatte ebenso Sergio Raoul Lukovic als liebender Vater - mit Stirnglatze und langen weißen Haaren kaum erkennbar und auf der Bühne die "Freie Presse" lesend. Auch seine Texte waren gut zu verstehen.

Highlights in der Inszenierung von Oberspielleiterin Judica Semler waren die aufwendigen Kostüme und phantasievollen Frisuren. Nina Reichmann, die Kostüme und Perücken entworfen hat, sowie Schneiderinnen und Maskenbildnerinnen schufen einen guten Kontrast zum ausgeklügelten spartanischen Bühnenbild von Ulv Jakobsen. Der gut aufgelegte Elias Han, der den König spielte, beispielsweise begeisterte im Outfit des Modedesigners Harald Glööckler. Als Aschenbrödels aufgetakelte zickige Stiefschwestern mit ständigem Blick aufs Handy und/oder den Spiegel überzeugten Alice Hoffmann und Lindsay Funchal, letztere in ihrer ersten Rolle nach dem Babyurlaub. Allerdings gab es unter den Zuschauern unterschiedliche Meinungen zum Ballkleid von Cendrillon (eindrucksvoll: Dimitra Kalaitzi-Tilikidou). Vorn war es im Barbie-Stil gehalten. Weil die Stiefschwestern Cendrillon damit blamierten wollten, klaffte es hinten auf - und man sah Aschenputtels Slip. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Am Ende gab es viel Beifall, auch für den neuen ersten Kapellmeister Jörg Pitsch-mann und die Mittelsächsische Philharmonie. Am heutigen Dienstag, 19.30 Uhr ist "Cendrillon" wieder in Freiberg zu sehen. Diesmal singt Johannes Pietzonka auch, und Rea Alaburic ist erstmals als eine der bösen Stiefschwestern zu erleben.

Umjubelt ist die 20. Vorstellung des Musicals "Jekyll und Hyde" am Sonntag gewesen - trotz einiger Probleme. Denn weil Noten zunächst unauffindbar waren, setzten die typischen Orchesterklänge erst gut zehn Minuten später ein. Und anfangs hatte man auch den Eindruck, dass die "Cendrillon"-Premiere am Abend zuvor einigen Akteuren noch etwas ist den Knochen beziehungsweise in der Stimme steckte. Doch das gab sich glücklicherweise schnell. Die Akteure, allen voran Hauptdarsteller Alexander Donesch in der Doppelrolle, liefen wieder zu Hochform auf. Als Ersatz für den am Sonntag noch erkrankten Johannes Pietzonka konnte Johannes Richter vom Theater Vorpommern gewonnen werden, der sich super in das eingespielte "Jekyll-und-Hyde"-Team einfügte.

Etwas überschattet wurde die ansonsten tolle Vorstellung leider von technischen Problemen. Mal waren die Mikros zu leise eingestellt, mal gab es störende Geräusche, mal stimmte die Beleuchtung beim schnellen Wechsel von Jekyll und Hyde nicht. Doch Hauptdarsteller Donesch und die anderen Akteure auf der Bühne machten das wieder wett. Riesenapplaus.

Der sympathische Hauptdarsteller kommt wieder nach Freiberg. Ab 15. Februar ist er als "Graf von Monte Christo" zu erleben. Dazu sagte Alexander Donesch zu "Freie Presse": "Ich freue mich schon sehr darauf. Schön, dass ich wieder in Freiberg spielen darf. Ich fühle mich hier sehr wohl." Und das merkte man ihm auch als Jekyll/Hyde an.

Das Musical ist noch nur noch zweimal zu sehen: am 9. November, 19 Uhr in Döbeln und am 16. November, 19.30 Uhr in Freiberg. Übrigens ist Donesch am 10. November ab 17 Uhr zum Benefizkonzert "Best of Broadway" im Theater Döbeln mit dabei. Außerdem zu erleben: Rea Alaburic, Susanne Engelhardt, Sergio Raonic Lukovic, Johannes Pietzonka und Grzegroz Rozkwitalski. Mit dem Konzert soll die neue Musicalproduktion "3 Musketiere" des Döbelner Bürgertheaters "Loge Nr.5" unterstützt werden.

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