Erste Ideen für neues Kirchengeläut

Die Frauensteiner Glocken im Kirchturm dürfen wegen eines Schadens nicht mehr erklingen. Experten der Landeskirche und Einwohner kurbeln nun ein großes Projekt an.

Frauenstein.

Wie klingt sie eigentlich, die noch existierende bronzene Frauensteiner Kirchenglocke aus dem Jahr 1872? Das zu ergründen ist notwendig, wenn sie in ein neues Geläut integriert werden soll. Derzeit steht die Glocke samt Joch in der Stadtkirche. Man möchte meinen, sie wartet auf einen neuen Einsatz. Und dieser wird notwendig werden, denn seit dem 16. November schweigt auch die letzte der drei Hartgussglocken im Turm der Kirche Frauenstein. Das Joch ist gerissen, sie wurde von Fachleuten stillgelegt. Dabei erklang schon lange nur noch eine Glocke. Die beiden anderen sind bereits seit Januar 2010 nicht mehr zu hören, weil auch deren Joche Risse aufweisen.

Wie nun weiter? Das fragen sich viele Frauensteiner. Einige ergriffen bereits die Initiative und bemühen sich mit Frauensteins Pfarrer Daniel Wüst um ein neues Geläut. Über die Kirchgemeinde und den Pfarrer wurde auch die Sächsische Landeskirche eingeschaltet. Christian Schumann, Beauftragter für Glockenwesen in der evangelischen Landeskirche, und die Bausachverständige Sigrun Neidhold sind informiert. "Am 7. Januar haben sich Herr Schumann und Frau Neidhold alles angesehen", sagt Friedmar Altwein, Mitglied der Interessengruppe für das Glockenprojekt und Frauensteiner Ortschronist. Er war mit Hans-Jürgen Schulze und Ulrich Grohmann, weitere Mitglieder der Kirchgemeinde, sowie Pfarrer Wüst ebenfalls bei dem Termin dabei. Beim Aufstieg in die Turmstube sei deutlich zu sehen gewesen, dass der Hausschwamm die Balken der Glockenstube angegriffen hat.

"Nun sollen mit neuen Messeinrichtungen das bereits im Jahr 2010 erstellte Schwingungsgutachten für die Glocken erweitert und eine Tragwerksplanung für ein künftiges Geläut erstellt werden. Dazu gehört auch eine aktualisierte Kostenaufstellung", erklärt Friedmar Altwein.

"Am 17. Januar will Herr Schumann nochmals kommen und sich die vorhandene Bronzeglocke genauer betrachten beziehungsweise ihren Klang erforschen, um dann ein passendes Geläut zu entwerfen", fügt Kristina Albani an, die ebenfalls zur Interessengruppe gehört. Es sei noch die Frage, ob es ein neues Dreier- oder wie einst ein Original-Vierer- Geläut werden soll. Auch Sigrun Neidhold habe sich mit einem Statiker für diesen Freitag angesagt, der den Zustand des Balkenwerkes der Glockenstubendecke aufnehmen werde. Dies sei für die Tragwerksplanung nötig, zudem für eine erste Kostenschätzung und das Aufmaß.

"Außerdem hat uns Christian Schumann angeboten, eine Gemeindeveranstaltung zum Thema Glockenprojekt durchzuführen", fügt Kristina Albani an. Diese soll am 27. Februar zusammen mit der Veranstaltungsreihe "Lasst uns einen Faden spinnen" stattfinden. Vorgesehen ist sie im Seminarraum des Hotels "Goldener Stern" in Frauenstein, Beginn ist 19.30 Uhr. Der Glockensachverständige werde an diesem Abend auch Klangbeispiele für Geläute geben und auf Fragen eingehen.

"Demnächst wollen wir uns auch wieder in größerem Kreis treffen, um vor allem die Spendenaktion für das neue Geläut voranzutreiben", sagt Kristina Albani. Bis jetzt sind nach ihren Worten circa 22.000Euro dafür eingegangen. "Das ist eine stattliche Summe in kurzer Zeit, denn ursprünglich waren etwa 12.000 Euro auf diesem Konto", fügt sie an. Die Frauensteiner Interessengruppe will schon in zwei Jahren das Glockenprojekt ein ganzes Stück vorangetrieben haben, deshalb prüft sie jede Möglichkeit der Finanzierung. Welche Fördermittel genutzt werden können, werde derzeit ebenfalls ausgelotet.


Ursprüngliches Bronzegeläut eingeschmolzen

Eine Bronzeglocke hat Frauenstein noch. Sie gehört zu den ehemals vier Glocken, die 1872 in der Dresdner Werkstatt durch J. G. Große gegossen wurden. Sie steht in der Kirche. Die drei anderen wurden im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen. Bis zum Januar 1952 mussten die Frauensteiner warten, bis im Kirchturm ein neues dreistimmiges Geläut ertönen konnte. Bronzeguss kam wegen des fehlenden Materials nicht in Frage, so erreichten drei in Apolda in Hartgusseisen gegossene Glocken die Erzgebirgsstadt.

Im Jahr 1987 wurde der hölzerne Glockenstuhl aus dem Frauensteiner Kirchturm ausgebaut und ein Glockenstuhl aus Stahl eingesetzt. Die Glocken riefen zu Gottesdiensten und kirchlichen Festen und läuteten dreimal am Tag für je drei Minuten. Doch das ist nun aufgrund des Schadens Geschichte. Was bleibt, ist lediglich das Anschlagen der Glocke mit einem Hämmerchen, um die Viertelstunden anzuzeigen. (ar)

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