Erwachsen wird man nicht mit einem Fingerschnippen

Den Auftakt zu den diesjährigen Jugendweihen erlebten junge Leute aus Freiberg am Samstag. Dabei kam die Frage auf, wann eigentlich das Leben beginnt?

Freiberg.

Vor der Freiberger Nikolaikirche herrscht Gewimmel. Jungen und Mädchen stehen in mehreren Gruppen dort, allesamt schmuck herausgeputzt. Die jungen Damen in festlichen Kleidern, ihre Frisuren meist kunstvoll gesteckt und verziert. Die Burschen tragen Anzüge, mal mit Fliege, mal ohne den Schmuck um den Hals. Nur beim Schuhwerk bleiben sie eher sportiv. Mit leicht betonter Lässigkeit überspielen sie alle, dass ihnen in wenigen Augenblicken einer der ersten großen Momente in ihrem jungen Leben bevorsteht: Die Jugendweihe.

"Ist eben ein Schritt in den nächsten Lebensabschnitt", sagt Paul Wendt. Wie die meisten ist er Achtklässler am Freiberger Schollgymnasium. Gefragt, was er sich von diesem Tag erwartet, kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Geschenke", antwortet er entwaffnend ehrlich. Sein Klassenkamerad Niels Fischer ist sich sicher, dass sich erst einmal mit diesem Tag nichts ändern wird. Ob er nach dem Festakt, zu dem sich zahlreiche Familienangehörige und Freunde bereits in der Nikolaikirche versammelt haben, immer noch so denkt?

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Matthias Reif vom Sächsischen Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe hält eine sehr lockere, eher moderierende Festrede. Das nimmt es dem Ganzen doch den etwas steifen Charakter. Er streut ein paar Scherze ein, lässt aber keinen Zweifel daran, dass nun eine neue, ernstere Phase für die jungen Menschen anfängt.

"Wann beginnt es eigentlich, das Leben?", fragt er, und kommt zu der Antwort: Eigentlich immer und jederzeit. Doch erwachsen wird man nicht mit einem Fingerschnippen. Den Rat, den er daraufhin den vor ihm versammelten Jugendlichen gibt, taugt auch für alle anderen Generationen: "Hört auf zu warten, ehe ihr beginnt, glücklich zu sein." Es gebe nun einmal keinen besseren Zeitpunkt als das Hier und Jetzt.

Mit diesem Festakt und einem weiteren am Samstag beginnt der Verband seine diesjährigen Jugendweihen in Mittelsachsen. Die 47 Jugendlichen aus Freiberg machen den Anfang, knapp 700 folgen im Landkreis nach, 12.500 sind es im gesamten Freistaat. Hinzu kommen noch Feiern anderer Anbieter. Matthias Reif ist vom Sinn dieser Zeremonie überzeugt. "In jeder Gesellschaft, auf jedem Kontinent gab und gibt es irgendeinen Ritus für den Übergang ins Erwachsenenleben", sagt er. "Die Jugendweihe ist noch immer einer der beliebtesten."

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