Erzgebirgerinnen tauschen Training gegen Citytour

Verteidigungsministerium, Bundesrat, Ex-Stasi-Knast: Eine Frauensportgruppe aus Neuhausen erkundet das politische Berlin.

Neuhausen.

Ihr jährlicher Ausflug hat acht der zehn Frauen der Neuhausener Sportgruppe, die sonst einmal in der Woche gemeinsam mit Gymnastikball, Steppbrett und Walking-Stöcken trainieren, in diesem Jahr in die Bundeshauptstadt geführt. "Nach dem Training sitzen wir 47- bis 60-jährigen Frauen immer noch etwas zusammen und reden über Gott und die Welt", erzählt Übungsleiterin Cornelia Glöß. "Auch für die große und kleine Politik interessieren wir uns, und so kamen wir dank unserer Sportfreundin Anke Bienek auf die Idee, eine Fahrt nach Berlin in Angriff zu nehmen."

An drei Tagen standen so neben einer kleinen Shoppingtour und einer Bootsfahrt auf der Spree Besichtigungen in politischen Institutionen und an Orten der Zeitgeschichte auf dem Programm.


Ein Besuch im Bundesverteidigungsministerium im Bendlerblock begann mit Leibesvisitation und der Abgabe aller Gegenstände an der Pforte. Kein Handy, keine Tasche, keine Wasserflasche durfte mit in das Gebäude genommen werden. Ein Major stand der Gruppe mit viel Kompetenz und Souveränität Rede und Antwort. Natürlich haben die Frauen auch das Zimmer der Verteidigungsministerin gesehen.

Der Besuch des Bundestages und ein einstündiges Zusammentreffen mit der mittelsächsischen Wahlkreisabgeordneten Veronika Bellmann (CDU) war für die Teilnehmerinnen ein besonderes Erlebnis. Viel erfuhren die Frauen aus dem Erzgebirge über die Arbeit der Abgeordneten, aber auch über die Sitzverteilung des Parlaments, wie sie berichten.

Die Frauen besichtigten auch die Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. "Von einem Film über die perfiden Methoden im Gefängnis waren wir sehr gerührt. Als dann aber noch ein ehemaliger Insasse unseren Rundgang übernahm und aus seinem Gefängnisleben berichtete, war die Stimmung sehr gedämpft", erzählt die Übungsleiterin immer noch gerührt.

"Es waren schöne, interessante, informative, aber auch anstrengende Tage, an denen wir zum Teil eine ganz neue politische Sichtweise auf viele Dinge bekommen haben, die wir nicht so kannten", resümiert Cornelia Glöß. Insgeheim liebäugeln die Frauen schon damit, die Fahrt in drei Jahren zu wiederholen. Dann wird sicher auch Rita Thiel dabei sein, die ihre Drogerie wegen der dazugehörenden Poststelle nicht schließen konnte.

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