Feuerwehr wirbt mit 500 roten Eimern

Es brennt im Haus, aber keiner kommt, um zu löschen. Damit dieses Szenario nie Wirklichkeit wird, starten die ehrenamtlichen Brandschützer aus St. Michaelis eine besondere Aktion.

Brand-Erbisdorf/St. Michaelis.

Kraftvoll donnert das dreifache "Gut Wehr!" aus den Kehlen St. Michaeliser Feuerwehrfrauen und -männer. Damit es weiterhin so kraftvoll klingt, haben sich die Ehrenamtlichen am Samstag getroffen, um mit einer ungewöhnlichen Aktion darauf aufmerksam zu machen, dass eine Wehr in dem Stadtteil nicht selbstverständlich ist, und dass es Unterstützung durch die Einwohnerschaft bedarf, damit auch künftig Helfer zur Stelle sind, wenn es brennt oder etwas anderes passiert.

Wehrleiter Rico Meutzner findet, dass Vorbeugung der allererste Schritt ist. "Derzeit haben wir 22 aktive Kameraden, darunter vier Frauen", erzählt er. So schlecht höre sich diese Zahl nicht an, doch relativiere sich das schnell. "Für die geforderte Einsatzfähigkeit ist die doppelte Besatzung der vorhandenen Fahrzeuge notwendig", erklärt Meutzner. "Und das wären bei uns 26." Außerdem seien in naher Zukunft vier altersbedingte Abgänge zu erwarten. "Das ist ein schleichender Prozess, der damit in Gang kommt", so der Wehrleiter. Deshalb haben sich die St. Michaeliser entschlossen, frühzeitig gegenzusteuern.

Bereits 2006 hat man Mitgliederwerbung auf herkömmliche Art versucht. Man schrieb die Einwohner an, verschickte Flyer. Das war nicht ganz ohne Erfolg, doch heutzutage muss man sich etwas anderes einfallen lassen. Und so wurden 500rote Eimer durch den Förderverein der St. Michaeliser Wehr besorgt. Mitglieder der Jugendfeuerwehr haben sie mit Aufklebern verziert, auf denen das Verhalten im Brandfall erläutert wird. Nämlich für den Fall, dass die Feuerwehr nicht schnell genug kommen kann oder es gar keine mehr gibt. Beigelegt ist ein Aufnahmeantrag für den Förderverein. "Ältere Menschen können auf diese Weise unsere Arbeit unterstützen", sagt der Wehrleiter. Die Eimer verteilten die Kameraden, drückten sie den St. Michaelisern entweder direkt in die Hand oder stellten sie vor der Eingangstür ab. Begleitet wurden sie von den Einsatzfahrzeugen, die mit Bannern behängt waren, auf denen man "Gaffen kann jeder, helfen muss man wollen!" oder "Wir haben für alle einen Platz. Auch für Dich!" lesen kann.

"Wir müssen den Einwohnern bewusst machen, was passiert, wenn mal niemand mehr da ist, der ihnen hilft", sagt Rico Meutzner. Unterstützt wird die Aktion von einheimischen Gewerbetreibenden, wie Bäcker Oliver Härtig und Werner Schneider mit seinem Speiseservice.

Auch Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos) war bei der Aktion dabei. "Mich beeindruckt das initiativreiche Handeln hier in St. Michaelis", sagte er, bevor er sich selbst mit einigen roten Eimerchen auf den Weg machte. "Selbstverständlich bleibt man da nicht außen vor, noch dazu bei einer Sache, die mit so viel Herzblut der Organisatoren gemacht wird." Die Kameraden hatten auch beim Stadtrat angefragt, ob die Fraktionen sich beteiligen möchten. Mit Heidemarie Glöckner (Bürgerinnen für Brand-Erbisdorf), Wolfgang Franke (CDU) und Ortschaftsrat Mathias Schreiter waren zumindest drei Vertreter dabei.

Thomas Mielenz ist ein Urgestein aus St. Michaelis und als Braumeister Michael ein echtes Original der Region. Als Mitglied des Fördervereins der Wehr war es für ihn selbstverständlich, bei dieser Aktion mitzuwirken. Man dürfe mit der Mitgliederwerbung nicht erst beginnen, wenn es schon zu spät ist. "Etwas wieder hochzubringen, was einmal kaputt gegangen ist, ist viel schwieriger", sagt er. Das Beispiel der Wehr im Stadtteil Gränitz, die vor Monaten aufgelöst wurde, sollte mahnen. "Hier in St. Michaelis muss man schlicht etwas machen", findet Mielenz. "Immerhin dienen die Kameraden dem Allgemeinwohl."

Welchen Erfolg die freiwillige Feuerwehr mit ihrer Aktion haben wird, das zeigt sich erst in der Zukunft. Für alle, die diesmal mitgeholfen haben, gab es im Anschluss noch Kuchen oder Bratwurst. Denn auch das bedeutet das Dabeisein bei der Feuerwehr: neben der harten Arbeit ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

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