Fitness gefragt bei Mensch und Tier

Zum 13. Mal findet derzeit der Pokalwettkampf zwischen Diensthundestaffeln aus Chemnitz und tschechischen Revieren statt. Dabei wird Mensch und Tier einiges abverlangt.

Langenau.

Gert Reichel sitzt tief entspannt auf der Veranda des Vereinshauses  vom Erzgebirgischen Hundesportverein in Langenau. Das wäre nicht weiter verwunderlich, wüsste man nicht, dass der Polizist innerhalb der nächsten Stunden von einigen äußerst zielstrebigen und muskulösen Vierbeinern mit beeindruckenden Beißwerkzeugen angefallen wird. Die Szenerie verliert allerdings einen guten Teil ihres Schreckens, sobald klar ist, dass es sich bei Gert Reichel um jemanden handelt, der das von Berufs wegen gewohnt ist. Er ist Diensthundeführer bei der Polizeidirektion Chemnitz. Im Zuge der Ausbildung muss er mindestens einmal pro Woche als eine Art Dummy in den Ring steigen.

Er ist neben dem Dresdner Tino Seifert und dem Leipziger Michael Kropf einer von drei Hundetrainern, die in Langenau zur Verfügung stehen, um beim Pokalwettkampf der Diensthundestaffeln im Wettbewerbssegment "Schutzdienst" den Bösewicht zu mimen, den die Hunde dann auf Befehl zur Strecke bringen müssen.

Schutzlos stellen sich die drei Männer nicht ihren bellenden Gegnern. Sie steigen dafür in einen wattierten Kevlar-Anzug, in dem sie einigermaßen sicher sind. Für weiteren Schutz sorgt, zumindest beim Wettbewerb, ein Maulkorb für die Hunde. "Bis zu zehn Kilogramm wiegt ein solcher Anzug", erzählt Gert Reichel. "Das ist schon einigermaßen anstrengend."

Am gestrigen Mittwoch sind die Temperaturen erträglich. In der vergangenen Woche sah es bekanntermaßen anders aus. Ein guter Fitnesszustand ist für Männer wie Reichel deshalb unbedingt erforderlich. Bisswunden oder Quetschungen sind dennoch nicht zu vermeiden. Eine heftige Narbe an Reichels rechten Oberarm kündet davon.

Bevor er und seine Kollegen jedoch zum Einsatz kommen, findet der erste von insgesamt drei Wettbewerbsteilen statt. Hier geht es um den Gehorsam des Tieres. Sechs Zweierteams aus Deutschland und der Tschechischen Republik sind angetreten. Sie kommen aus Chemnitz, Usti nad Labem, Ostrava, Plzen und der Justiz aus Prag.

Hund Mylo von Polizeihauptwachtmeister Michael Lorenz hinterlässt sofort einen großartigen Eindruck und legt mit 92 Punkten die Messlatte für alle Folgenden hoch.

Eine dreiköpfige Jury beobachtet und bewertet, wie gut die Hunde auf ihre Führer hören, wie exakt sie Hindernisse überwinden oder apportieren. Nicht jedes Tier ist voll bei der Sache, und so geht manch gute Wertung allein durch den ausgeprägten Spieltrieb der Vierbeiner flöten.

Zum 13. Mal findet dieser Vergleich der Hundestaffeln statt. "Die Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen geht aber schon länger", erzählt Thomas Luhr von der Bereitschaftspolizei Chemnitz. "Es begann alles als ein Cil-3-Projekt der Europäischen Union, heute nennt sich das Interreg V/A."

Von Jahr zu Jahr werden die einzelnen Prüfungen verändert und modifiziert. Als Gert Reichel und seine Kollegen dran sind, simuliert man beispielsweise eine Schlägerei, in die der Polizist und der Hund gleichermaßen klärend eingreifen müssen.

Ob Gehorsamsprüfung oder Schutzdienst, am Ende sind Hund und Mensch ziemlich geschafft. Damit ist der Wettbewerb aber noch nicht beendet. Am heutigen Donnerstag findet der abschließende Prüfungsteil in einem Gebäude der Bereitschaftspolizei in Chemnitz statt. Erst dann steht fest, welches Team in diesem Jahr den Pokal erringen konnte.

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