Flüchtlinge: Die Lage vier Jahre nach 2015

Was aktuelle Zahlen des Landratsamtes zur Asylpolitik in Mittelsachsen über die Bereiche Arbeit, Wohnen, Kitas und Schulen verraten

Freiberg.

Die Themen Flucht und Migration prägen auch vier Jahre nach der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 die politische Debatte. Wie ist die aktuelle Situation im Landkreis? "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Wie viele Flüchtlinge und Asylbewerber leben derzeit im Landkreis Mittelsachsen?

Christoph Ulrich

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In den Gemeinschaftsunterkünften, Wohnprojekten und Wohnungen, über die der Landkreis Mittelsachsen verfügt, waren Ende Januar 2019 insgesamt 1606 Personen untergebracht, davon 1510 Asylsuchende und Geduldete sowie 96 bereits anerkannte Flüchtlinge.

Wie haben sich die Zahlen in jüngster Zeit entwickelt?

Die Anzahl der durch den Landkreis Mittelsachsen unterzubringenden Asylbewerber und Geduldeten hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verringert. Waren es im Januar 2018 noch 1656 Personen, so ist diese Zahl innerhalb der zwölf Monate um 146 gesunken. Allerdings hat sich die Gesamtzahl der Ausländer im Landkreis Mittelsachsen in diesem Jahr um 593 auf nunmehr 9980 erhöht. Davon sind circa ein Drittel EU-Ausländer, und circa ein Drittel sind aus humanitären Gründen bei uns. Ein weiteres Drittel wird dem Bereich Beschäftigung und Studium an den beiden Hochschulen zugerechnet.

Wie viele Flüchtlinge werden anerkannt und bei wie vielen wird der Asylantrag abgelehnt?

Der Landkreisverwaltung liegen dazu keine Zahlen vor. Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration verweist auf bundesweite Daten. Demnach durfte etwa jeder Dritte bleiben, über dessen Asylantrag im vergangenen Jahr entschieden wurde. Zwischen Januar und Ende Oktober war konkret in 34 Prozent der Verfahren ein Schutzstatus erteilt oder ein Abschiebungsverbot festgestellt worden. Abgelehnt wurden hingegen 35 Prozent der Anträge. Anderweitig erledigt haben sich 31 Prozent der Verfahren - etwa weil der Antrag zurückgezogen wurde.

Welchen Anteil machen Asylbewerber an der Gesamtbevölkerung im Landkreis Mittelsachsen aus?

Ende des Jahres 2018 lebten circa 1620 Asylbewerber und Geduldete im Landkreis Mittelsachsen. Bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 305.000 Einwohnern entspricht das einem Anteil von knapp 0,53 Prozent. Nimmt man die Gesamtzahl der in Mittelsachsen im Dezember gemeldeten Ausländer (9914), so ergibt sich ein Prozentsatz von etwa 3,2 Prozent. Wenn man auf die Zahl der Flüchtlinge abstellt, also alle, die aus humanitären Gründen aufgenommen wurden, muss man von circa 3500 ausgehen und kommt damit auf etwa 1,15 Prozent der Bevölkerung.

Stimmt es, dass es sich bei den Asylbewerbern meist um junge Männer handelt?

Von den Ende Januar untergebrachten 1510 Asylbewerbern und Geduldeten waren 817 männlich, 280 weiblich und 413 Kinder bis 18 Jahre.

Welche Rolle spielt in der Region der Familiennachzug?

Der Familiennachzug fand im Landkreis Mittelsachsen 2018 ausschließlich zu anerkannten Flüchtlingen und nicht zu subsidiär Schutzberechtigten statt. Auf diesem Weg kamen 39 Personen nach Mittelsachsen.

Was bedeutet der Zuzug von Migranten für Schulen und Kitas?

Entsprechend der Kita-Bedarfsplanung besteht in den Städten und Gemeinden des Landkreises Mittelsachsen grundsätzlich auch für Migranten die Möglichkeit der Nutzung dieser Einrichtungen. Bei möglichen Kapazitätsproblemen vor Ort werden Ausweichobjekte in Wohnortnähe genutzt, und speziell in der Stadt Freiberg gibt es auch eine Warteliste. Durch gezielte Unterbringung und Koordination der bestehenden Angebote und Nachfragen wird die Betreuung in Kitas sichergestellt. Für eine bedarfsgerechte Beschulung und eine möglichst schnelle Anpassung an das deutsche Schulsystem werden im Landkreis Mittelsachsen an sechs Grundschulen, vier Oberschulen, zwei Gymnasien und sechs Berufsschulen Vorbereitungsklassen beziehungsweise Klassen mit Deutsch als Zweitsprache angeboten.

Wie werden Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis untergebracht?

Asylbewerber und Geduldete werden in Gemeinschaftsunterkünften, Wohnprojekten und Wohnungen untergebracht. Von den 1510 untergebrachten Asylbewerbern und Geduldeten leben 652 in Gemeinschaftsunterkünften, 322 in Wohnprojekten, 375 in Wohnungen der landkreiseigenen Gesellschaft GSQ und 161 in Privatwohnungen. Somit sind 57 Prozent dezentral in einer Wohnung untergebracht, wobei die Tendenz zur dezentralen Unterbringung weiter besteht.

Wie sind die Heime und Wohnungen ausgelastet?

Die durchschnittliche Auslastung der belegbaren Plätze liegt bei circa 85 Prozent und wird entsprechend der tatsächlichen Zuweisungen und Abgänge kontinuierlich angepasst. Aufgrund der leicht rückläufigen Zahlen werden auch weiterhin Plätze in Gemeinschaftsunterkünften abgebaut.

Was wird getan, damit Flüchtlinge schnell Arbeit finden?

Die Stabsstelle für Ausländer- und Asylangelegenheiten hat speziell für dieses Thema eine Reihe von Aktivitäten ausgelöst, die auch im Unterbringungs- und Integrationsbericht des Landkreises Mittelsachsen von 2018 dargestellt werden. Unter dem Schwerpunkt Aus- und Weiterbildung/Arbeitsmarktintegration werden folgende Themen aufgegriffen und mit Partnern aus den Bereichen Bildung und Wirtschaft umgesetzt: Abitur für Migranten am Freiberg-Kolleg, Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen, Programm Migrantinnen in Arbeit, Arbeitsmarktmentoren für Geflüchtete, Arbeitgeberattraktivität der Fachkräfteallianz Mittelsachsen der Industrie- und Handelskammer und die Integrationsmesse Mittelsachsen unter Beteiligung eine großen Anzahl von Unternehmen.

Mit wie vielen weiteren Flüchtlingen rechnet der Landkreis in diesem Jahr?

Da es weder vom Freistaat noch vom Bund Prognosen gibt, geht das Landratsamt von den Zuweisungen des letzten Jahres und denen der ersten beiden Monate des Jahres 2019 aus. Dabei wurden dem Landkreis durchschnittlich etwa 50 Personen im Monat zugewiesen. Daraus ergibt sich eine interne Prognose von etwa 600 Neuzugängen 2019, wobei die tatsächliche Zahl von der gesamten Zuwanderung nach Deutschland abhängen wird. dahl

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