"Frau Lunas" Hofstaat und ihre Gäste

Die Operette in Kriebstein besticht durch originelle Einfälle. Eine besondere Sicht auf die Welt hat auch Antje Müller-Palàsti.

Schöner Arbeitsweg: Sergio Raonic Lukovic düst mit einem kleinem E-Roller vom Parkplatz zur Talsperre Kriebstein hinunter. Der Sänger hat einen Affenzahn drauf und ruft Premierengästen im Vorbeifahren "Viel Spaß!" zu. Nach dieser eher freizügigen Interpretation von Verkehrsregeln gibt der Bassbariton in der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke einen pedantischen Ordnungshüter Theophil - mit Pickelhaube und dunkelbrauner Uniform auf der Erde, mit Puschel-Pickelhaube und türkisglänzender Uniform auf dem Mond. Ein Mini-E-Roller - aber nicht das Gefährt von Lukovic - taucht auch in der Vorstellung auf. Denn Stefan Burmester als Mars dreht damit im körpernahen Anzug elegant Runden. Nach der Premiere lässt Sänger Lukovic Besucher seinen E-Flitzer testen: "Aber passe gut auf", sagt er zu einem Mädchen. Am Sonntag allerdings bestand diese Möglichkeit nicht. Denn Lukovic fiel krankheitsbedingt aus, Assistentin Sophia Pervilhac sprang für ihn ein. Am heutigen Dienstag wird ihn McKenzie Gallinger ersetzen.

Vollauf zufrieden zeigte sich Regisseur Jürgen Mai (Foto) nach der Premiere. Seit Januar hat er an "Frau Luna" gearbeitet, in den vergangenen sechs Wochen liefen die Proben. Mai, der als Schauspieler unter anderem mit Gojko Mitic auf der Freilichtbühne in Bad Segeberg stand, sagt: "Freiluft ist eine ganz besondere Nummer. Solange es hell ist, kommen zur Fokussierung der Aufmerksamkeit der Zuschauer keine Lichteffekte in Frage. Deshalb muss stärker mit Geräuschen gearbeitet werden. So lässt Fritz Steppke - wunderbar dargestellt von Johannes Pietzonka - einmal ein Bügeleisen fallen, damit alle nach links zur Pension Pusebach gucken, die mit Liebe zum Detail ausgestattet ist. Allerdings ist Pietzonka derzeit krank. Maximilian Nowka spielt für ihn. Übrigens hängtrechts der Zuschauerreihen ein großes Plakat. Es wirbt für "Spuk unterm Riesenrad", ein Gastspiel des Boulevardtheaters Dresden am 2., 3. und 4. August in Kriebstein. Abgebildet ist darauf auch Jürgen Mai: Der weißhaarige 68-jährige Regisseur hat sich aber in einen Riesen-Darsteller mit schwarzer Perücke und Schnauzbart verwandelt.


Herrlich verwandelt kam in "Frau Luna" Susanne Engelhardt (Foto) als resolute Pensionswirtin Mathilde Pusebach mit Berliner Schnauze rüber. Ganz trocken - und passend - ihr Ausspruch: "Lämmermeier, können Sie subtrahieren? Dann ziehen Sie ab." Nicht umsonst bekam die Sängerin, die auch der Musicalstar des Theaters genannt wird, am Ende den größten Beifall und Jubelrufe.

Auch Frank Unger erhielt viel Beifall für seine Doppelrolle als schneidiger Hauptmann von Schlettow und als singwütiger Prinz Sternschnuppe. Als letzterer war der Tenor mit neonfarbiger Irokesenfrisur und körperbetontem hellblauem Anzug kaum wiederzuerkennen. Sobald Prinz Sternschnuppe auftauchte, war Heiterkeit garantiert.

Langer Applaus für Dirigent Juheon Han. Der Erste Kapellmeister verlässt das Mittelsächsische Theater nach sechs Jahren - "Frau Luna" ist seine letzte Premiere. Der Südkoreaner wechselt zum Musiktheater ins österreichische Linz. Der Abschied von Freiberg falle ihm schwer, sagt er. "Ich und meine Frau haben uns hier gut eingelebt. Und ich habe sehr gute Kollegen." Bei "Frau Luna" sprintet Han einmal von der Seebühne, wo er die Sänger dirigiert hat, schnell zur Mittelsächsischen Philharmonie rechts der Bühne, um dort den Taktstock zu schwingen. Intendant Ralf-Peter Schulze lobte ihn als "kreativen und verlässlichen Theatermann". Sichtlich freute sich Han über ein gerahmtes Foto von ihm als Dirigent der Oper "Der Konsul". Das überreichte ihm Landespolitikerin und Stadträtin Jana Pinka (Die Linke) bei der Premierenfeier, die Freiberger Theaterförderverein und Gastronomin Anette Haber ausrichteten.

Ein Wermutstropfen: Die Möglichkeit für Besucher, einen Platz im Theaterbus von Freiberg nach Kriebstein zu ergattern, gibt es in diesem Jahr laut einem Sprecher nicht. 2018 war das möglich gewesen. Karten für die Vorstellungen gibt es in den "Freie Presse"-Shops. www.mittelsaechsisches- theater.de

Antje Müller-Palàsti aus Frauenstein zeigt ihre Arbeiten in der Petrikirche Freiberg. In seiner Laudatio zitierte der Kulturjournalist und Autor Matthias Zwarg Heinrich von Kleist aus einem Brief im Jahr 1800 aus Oederan an seine Freundin Wilhelmine von Zengen: "Die ganze Gegend sieht aus wie ein bewegtes Meer von Erde. Das sind nichts als Wogen, immer die eine kühner als die andern." Ganz ähnlich könne man die Bilder von Antje Müller-Palàsti beschreiben. Es seien bereiste Länder, aber auch das Erzgebirge, das viele ihrer Bilder inspiriert habe. "Sie beschönigt und verklärt nichts, wenngleich man ihren Bildern schon ansieht, dass sie das Erzgebirge mag. Sie malt nicht so sehr gesehene als viel mehr empfundene Landschaften, eine Kunst, der gleichwohl auch das Sehen voraus ging", so Zwarg. Einen Kontrast dazu bildeten die Plastiken. Die sehenswerte Ausstellung in der Petrikirche läuft bis zum 25. August.

www.petri-nikolai-freiberg.de

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