Freiberg for Future

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Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Die Stadt wird grün. Übelkeit oder Neid?

Man glaubt es kaum: Freiberg hat ein Konzept. Das ist ja heutzutage das Wichtigste. Gaststätten, Hotels oder Vereine haben ja meistens auch eins. Nämlich ein Hygienekonzept. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie Klebestreifen auf den Boden kleben oder dass sich das Personal die Hände wäscht. Nun ja, diese bahnbrechenden Ideen liegen jetzt auf Eis, sofern es noch nicht weggetaut ist.

Es ist ja interessant: Vor dem Lockdown war niemand schuld an der rasanten Verbreitung des Kronenvirus. Die Leute steckten sich weder in Geschäften an, noch in Restaurants noch in Hotels noch in Schule oder Kindergarten noch auf der Arbeit noch in der Sporthalle noch im Theater, Kino oder Schwimmbad. Denn überall dort gab es ja Hygienekonzepte. Vermutlich haben sich alle bei ihrem besten Freund angesteckt, der ja noch nie viel von Hygiene hielt. Noch interessanter ist aber, dass die Infektionszahlen sinken, seit alle diese Lokalitäten, in denen sich ja kaum jemand angesteckt hat, geschlossen sind.

Aber lassen wir das. Sonst kommt bald Fernsehkasper Jan Böhmermann, der sich neuerdings als Lehrer im Homeschooling verdingt, aus dem Bildschirm gekrabbelt und vergibt eine Sechs wegen "Thema verfehlt". Denn eigentlich soll es hier ja um das Klimakonzept gehen.

Jawohl, der Freiberger Stadtrat hat beschlossen, dass die Stadt ein Klimakonzept bekommt. Das bezieht sich natürlich nicht auf das Arbeitsklima im Stadtrat. Wir wollen mal nicht übertreiben. Immerhin: Bis Ende 2021 soll mithilfe einer Arbeitsgruppe klar werden, wie wir die Welt retten. Oder doch wenigstens unser eigenes Gesäß. Erste Vorschläge sind durchgesickert wie Schmelzwasser durch ein denkmalgeschütztes Dach. Sie stammen zwar nicht von einer Arbeitsgruppe, sondern vom Festkomitee ausgefallener Karneval, aber sie sind trotzdem schön.

Erstens: Die Umgehungsstraße wird - große Überraschung - nicht gebaut. Damit dieser wichtige Beitrag zum Klimaschutz auch wirklich gelingt, hat man sich etwas überlegt: Sämtliche Baufirmen, Bauplaner und Politiker, die am Flughafen Berlin Brandenburg beteiligt waren, werden jetzt in Freiberg eingesetzt. Damit ist absolut sicher, dass aus der Umgehungsstraße erst in 100 Jahren was wird. Und bis dahin sind wir Mittelsachsen ja ohnehin ausgestorben.

Zweitens: Wir ziehen unter Tage.Wir alle. Ganz Freiberg, Brand-Erbisdorf und Umgebung richten sich im Altbergbau häuslich ein. Platz ist unter unseren Füßen ja genug. Und wenn wir tief genug einfahren, ist es auch kuschelig warm. So spart man sich das klimaschädliche Heizen. Unsere schlecht gedämmten Altbauten werden noch einmal gefilmt, für die Nachwelt archiviert und dann dem Erdboden gleich gemacht. Dann ist es in der Altstadt auch endlich nicht mehr so eng.

Drittens: Wir gewöhnen uns das Kinderkriegen ab.Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die den menschlichen Vermehrungsverzicht als Instrument gegen den Klimawandel anpreisen. Logisch: Kinder sind am Klimawandel schuld, da sie ja dauernd mit dem SUV zum Bäcker fahren und für Dienstreisen niemals den Zug nehmen. Noch logischer: Wenn die Menschheit eh ausstirbt, macht es nichts, dass sie ihre Lebensgrundlage zerstört hat.

Das ist wie mit den Kindergärten: Wenn es zu wenige gibt, dann ist es auch nicht schlimm, dass Erzieherinnen fehlen. Und Erzieher erst recht.

Nicht bestätigt werden konnte übrigens das Gerücht, dass Neugeborene in Freiberg künftig anstatt eines Rauchmelders einen Schwimmring aus Plastik geschenkt bekommen. Damit sie sich retten können, wenn der Meeresspiegel erst einmal über den Petriturm hinaus angestiegen ist.

Viertens: Wir werden alle Veganer. Das heißt ja noch lange nicht, dass man irgendwelche hanebüchenen Verschwörungsmythen verbreiten muss. Oder dass man auf Genuss verzichten muss. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, von der Eierschecke nur den Boden zu essen, geht es schon. Handelt es sich um eine Dresdner Eierschecke, dann fällt der Unterschied eh nicht auf.

Fazit: Klimaschutz ist nicht nur lustig, sondern macht auch noch Spaß. Hoffentlich beeilen sich die Schutzverantwortlichen mit dem Konzept. Denn am Aschermittwoch ist ja bekanntlich alles vorbei.

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