Freiberger "Buntes Haus" baut ein neues Angebot auf

Die Besucherzahl des Mehrgenerationenhauses ist derzeit coronabedingt rückläufig. Denn viele Kursteilnehmer gehören der Risikogruppe an. Trotzdem plant der Treff eine Neuerung.

Freiberg.

Das Gros der Kursteilnehmer im "Bunten Haus" ist im Seniorenalter. Deshalb ist die Besucherzahl des Mehrgenerationenhauses auf dem Wasserberg "aufgrund der Coronapandemie momentan etwas rückläufig", sagt Muaiad Ibrahim, der Leiter des "Bunten Hauses" in Freiberg. "Denn viele unserer Besucher gehören zur Risikogruppe und sind nach wie vor vorsichtig mit sozialen Kontakten."

Die Hausleitung habe die meisten Kursleiter zu einer Zusammenkunft eingeladen, um das neue Hygienekonzept vorzustellen. "Da aber auch unsere Leiter zum größten Teil der Risikogruppe angehören, kamen zum Treffen nicht alle", so Ibrahim. Derzeit dürfen sich nur maximal sechs bis sieben Teilnehmer sowie die Mitarbeiter/Kursleiter im Kursraum aufhalten. "Kurse müssten deshalb doppelt angeboten werden, um allen regulären Kursteilnehmern die Teilnahme zu ermöglichen. Einige Leiter möchten das nicht", so Ibrahim. Bei den 32 Teilnehmern gut angekommen sei die Veranstaltung "Bewegung nach Musik" in der Sporthalle der Förderschule "Albert Schweitzer".

Außerhalb der Kurse könne das "Bunte Haus" wegender Pandemie noch nicht öffentlich genutzt werden. Der Kinder- und Jugendtreff hingegen sei seit Mitte Juni wieder eingeschränkt geöffnet. Das Team des Kinder- und Jugendtreffs sei darüber froh, so Ibrahim.

Gute Nachricht: Das "Bunte Haus" hat sich erfolgreich um die Teilnahme am bundesweiten Projekt "Generationen-Kulturen-Vielfalt" beworben. Unter den acht ausgewählten Standorten ist das "Bunte Haus" das einzige in Ostdeutschland. 23 Mehrgenerationenhäuser hatten sich beworben. Dazu sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann, die Patin des "Bunten Hauses": "Das Freiberger Konzept mit seinen generationen- und kulturübergreifenden Ansätzen und Ideen überzeugte die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros, die das freiwillige Engagement älterer Menschen fördert."

Das bis 2024 laufende Modellprojekt im Bundesprogramm "Demokratie leben!" wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Es soll das gegenseitige Verständnis für gesellschaftliche Vielfalt und deren Gewinn fördern sowie die Integration junger Menschen mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund stärken. Bellmann: "Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene beim Ankommen in der Gesellschaft zu unterstützen, sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und ihre Beteiligung zu fördern."

Das "Bunte Haus" startet demnächst mit Beratungsangeboten - und zwar mittwochs von 13 bis 16 Uhr. "Wir wollen Jugendliche stärken, damit sie ihre Lebenssituation verbessern und aktiver am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können", sagt Ibrahim. Geplant sei auch ein sogenanntes Tandemprogramm zum Thema "Einheimische und Ausländer/Leute aus anderen Kulturen". Laut Ibrahim soll so der Dialog gefördert und "für beide Seiten als bereichernd erlebbar" gemacht werden. Man wolle Kinder und Jugendliche sowie Senioren unterstützen und zusammen bringen. Möglich seien zum Beispiel gemeinsame Theaterbesuche, Spaziergänge und Landtagbesuche.

Ibrahim: "Wir wollen den Erfahrungsschatz der Älteren nutzen, um junge Menschen zur aktiven Beteiligung in der Gesellschaft und im Ehrenamt zu ermutigen." Nicht zuletzt solle deutlich gemacht werden, "dass Integration kein einseitiger Prozess ist, sondern eine Aufgabe aller Bürger", sagt Ibrahim, der in Syrien geboren wurde und in Deutschland als Jurist promoviert hat.

Ein Minijobber soll eingestellt werden, und das ganze Team des "Bunten Hauses" werde das Projekt unterstützen, so der Leiter.

Die Idee für die Bewerbung um das Projekt entstand am Rande des 4. Deutschen Engagement-Tages im vergangenen Dezember in Berlin. Dort traf Muaiad Ibrahim den Vorsitzenden und die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros, Franz-Ludwig Blömker und Gabriella Hinn. "Ich habe ihnen von unseren Angeboten und Plänen erzählt", so Ibrahim. Später bewarb sich das "Bunte Haus" bei dem Wettbewerb.

Ibrahim betont: "Gerade in dieser Zeit ist es von großer Bedeutung, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Vielfalt nicht nur durch Toleranz, sondern vielmehr durch den Umgang auf Augenhöhe funktioniert."

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