Freiberger demonstrieren für Klimaschutz

Nach Monaten erzwungener Zurückhaltung gingen die Aktivisten von Fridays for Future wieder auf die Straße. Diesmal protestierten sie allen voran gegen eine neue Abwrackprämie.

Freiberg.

Als die Mitstreiter von Fridays for Future im Februar zum letzten Mal in Freiberg öffentlich für den Klimaschutz demonstrierten, schien die Coronapandemie noch weit weg zu sein. Am Dienstag und damit weit mehr als drei Monate danach gingen sie für ihre Anliegen erneut auf die Straße. Und zwar genau an dem Tag, an dem in der Bundeshauptstadt Berlin ein Autogipfel stattfinden sollte, bei dem es um Kaufprämien für Autos gehen sollte. Der wurde allerdings wegen Abstimmungen in der Regierungskoalition kurz zuvor verschoben.

Trotzdem hielten die Freiberger an ihrem Protest fest. Rund 40 Menschen kamen auf dem Obermarkt zusammen und umrundeten in einem Fahrrad-Corso mehrfach den Platz. Sprecherin Manja Köhmstedt prangerte dabei die von der Bundesregierung diskutierte Kaufprämie an. "Wir haben uns zurückgehalten", sagte sie. "Aber je dreister die Forderungen der Automobilkonzerne werden, desto mehr müssen wir uns wieder bemerkbar machen." Die angedachte Milliardenhilfe wäre besser für den Klimaschutz eingesetzt. Außerdem forderte die Freiberger Organisatorin Jördis Thümmler die Bundesregierung auf, den New Green Deal der Europäischen Union umsetzen.


Teilnehmer Stephan Berger meinte, die während der Pandemie geäußerten Aussagen, Menschenleben gingen vor Wirtschaftsinteressen seien Heuchelei. Das scheine beim Klimawandel, der alle Menschen bedrohe, offenbar nicht zu gelten. "Die Gruppe 'Parents for Future' hat die Aktion 'Spielzeugautos gegen Abwrackprämie' ins Leben gerufen", erklärte Mitinitiatorin Carole Zscheile. "Wir sammeln solche Autos und schicken sie an Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Ministerpräsident Michael Kretschmer. Zwei Pakete sind schon auf der Reise. Wir überlegen nun, für diese Aktion eine Sammelstelle einzurichten."


"In der Zwangspause haben Fridays for Future vor allem sehr viel Bildungsarbeit betrieben", berichtete Organisatorin Jördis Thümmler. "Wir haben dafür gesorgt, dass die Mitglieder auf dem Laufenden bleiben und wissen, was los ist. Dazu gab es Webinare. Am 24. April folgten Online-Streiks, die live ge- streamt wurden und bei denen wir bis zu 20.000 Zuschauer hatten. Welche Aktionen wir in der nahen Zukunft unternehmen, ist noch nicht genau festgelegt."


"Klimaschutz muss wieder oberste Priorität haben", betonte Teilnehmerin Jana Berger. "Es wurde sich in den vergangenen Wochen intensiv um die Älteren gekümmert, um sie zu schützen. Jetzt ist es an der Zeit, an die Jugend zu denken. Ihre Zukunft steht auf dem Spiel und sie sind die neue Risikogruppe. Es ist ein Verbrechen, wenn umweltzerstörende Autos weiterhin gefördert werden. Eine Prämie für Hybridfahrzeuge, Elektroautos sind noch nicht ausgereift genug."


"Das Geld muss in die richtige Richtung gelenkt werden, ganz bestimmt nicht in Richtung Abwrackprämie", fand Uwe Kaden, ein Vertreter von Parents for Future. "Man kann ja Parallelen ziehen, wie viel Geld für Coronahilfen ausgegeben wird, und wie viel für den Klimaschutz. Positiv ist aber, dass nun auch einmal auf die Wissenschaft gehört wurde. Ob das für das Klima auch so gilt?"


0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.