Freiberger Dommusik feiert ihre Engel

Mit vier Festtagen sollen Alte Musik, Musikwissenschaft und Kunstgeschichte erlebbar gemacht werden. Mit der Capella de la Torre kommt ein Ensemble von Weltruf dafür in die Bergstadt.

Freiberg.

Seit 425 Jahren stehen musizierende Engel hoch oben unter der Decke der kurfürstlichen Grablege des Freiberger Domes und bekrönen die imposante Anlage. Stumm und doch mit einem Blick von Begeisterung und Verklärung halten die bronzefarbenen Figuren ein reiches Orchester von originalen Musikinstrumenten.

Das Jubiläum feiert die Freiberger Dommusik mit Festtagen vom 22. bis 25. Mai. "Wir wollen mit diesem Fest nicht nur erneut die Besonderheit der Engelsinstrumente aufzeigen", sagt Domkantor Albrecht Koch. "Die Festtage sind bewusst ein Versuch, Alte Musik, Musikwissenschaft und Kunstgeschichte für breite Bevölkerungsschichten und alle Generationen erlebbar zu machen."

Christoph Ulrich

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Die renommierte Capella de la Torre kommt als "Artist in Residence" nach Freiberg. "Das weltweit gefeierte Ensemble vermag heute mit Renaissance-Musik und alten Blasinstrumenten die größten und bedeutendsten Konzertsäle zu füllen und steht für eine neue Art, sich lebendig früher Musik zuzuwenden", heißt es in einer Pressemitteilung der Domgemeinde. Es ist demnach nicht nur in einem Festkonzert zu hören, sondern wird mit seinem Projekt "Zeitmaschine - Alte Musik für junge Leute" im Cottagymnasium Brand-Erbisdorf sowie im Scholl-gymnasium Freiberg zu Gast sein.

Katharina Bäuml, Gründerin und Leiterin der Capella de la Torre, gehörte 2004 selbst zu den ersten, die die in einem großen Forschungsprojekt originalgetreu nachgebauten Freiberger Engelsinstrumente spielen durfte. "Sie sind eine Sensation, weil sie verschiedene Musiziergewohnheiten der Zeit so detailgetreu widerspiegeln", sagt Bäuml. In einer weiteren Freiberger Geschichtsstunde wird sie mit dem Restaurator Veit Heller vom Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig in der Annenkapelle über die Freiberger Musikinstrumente sprechen (siehe Kasten mit Programm).

Höhepunkt ist laut der Domgemeinde das Festkonzert der Capella de la Torre gemeinsam mit dem Vocalensemble Freiberger Dom am Samstag, 25. Mai um 17 Uhr im Dom St. Marien zu Freiberg. Dann erklingen nicht nur Kopien des Freiberger Instrumentariums, sondern auch Freiberg zugeschriebene Musik der Zeit um 1600. Auch einige Werke, die in der Möller-Bibliothek des Scholl-Gymnasiums Freiberg überliefert sind, finden sich im Programm wieder. "Dazu gehört eine Messe des zu Lebzeiten hochberühmten Italieners Orlando di Lasso. Weltliches und Geistliches werden in dem Konzert nebeneinander stehen und die Musiziertraditionen der Zeit vielseitig präsentieren", heißt es in der Mitteilung der Domgemeinde.

Zwei Sonderführungen in die Grablege im Dom ergänzen die musikalischen Angebote: am 22. Mai, 18.30 Uhr und im Anschluss an das Festkonzert am 25. Mai. Auf Grund der begrenzten Teilnehmerzahl wird um Anmeldung gebeten. (bk)

Tickets für die Veranstaltungen gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter www.reservix.de.

Die Festtage sind eine Zusammenarbeit der Domgemeinde Freiberg mit dem Amt für Kultur-Stadt-Marketing, dem Fremdenverkehrsverein Freiberg sowie dem Sächsischen Mozartfest. Sie werden maßgeblich gefördert durch den Verein "Mitteldeutsche Barockmusik".


Reiche Gestaltung

Die Grablege der Wettiner im Chor des Freiberger Domes erfuhr unter Kurfürst August von Sachsen eine reiche Gestaltung. Sie wurde von dem Italiener Giovanni Maria Nosseni ab 1589 realisiert.

1594, vor 425 Jahren, kamen die musizierenden Engel als Krönung der reich gestalteten Wände auf die Gesimse unter der Decke. Ihre Instrumente, allesamt spielbar, aber in Bronze gestrichen, stammen aus dem ehemaligen Dorf Randeck bei Freiberg.

Mit ihren wertvollen Bronzegrabplatten, den lebensgroßen Bronzefiguren der Kurfürsten und ihrer Ehefrauen, der Ausstattung mit sächsischem Marmor sowie dem den Eingangsbereich dominierenden Monument für Kurfürst Moritz, gefertigt in Antwerpen, gehört der Chorraum kunsthistorisch zu den schönsten und bedeutendsten Grablegen in Europa. (bk)


Wenn Engel musizieren

Mittwoch, 22. Mai

18.30 Uhr Sonderführung in die Grablege der Wettiner, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung im Domladen, Telefon 03731 22598, erbeten.

19.30 Uhr Annenkapelle am Freiberger Dom: Freiberger Geschichtsstunde zum Thema "Die Engelsinstrumente von 1594 in der Grablege des Domes", Referenten sind Katharina Bäuml (Capella de la Torre) und Veit Heller (Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig). Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsverein Freiberg und dem Amt für Kultur-Stadt-Marketing organisiert.

Donnerstag, 23. Mai

20 Uhr, Dom: Abendmusik mit Jörg Halubek, Stuttgart: "Von der Reformation bis zur Gegenwart".

Samstag, 25. Mai

17 Uhr, Dom: Festkonzert mit der Capella de la Torre unter Leitung von Katharina Bäuml und dem Vocalensemble des Freiberger Domes unter Leitung von Domkantor Albrecht Koch. In Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Mozartfest.

gegen 18.30 Uhr: Sonderführung in die Grablege der Wettiner, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung im Domladen, Telefon 03731 22598.

Sonntag, 26. Mai

10 Uhr Dom: Festgottesdienst:

Mitglieder der Capella de la Torre, Freiberger Domkurrende, Vocal- ensemble Freiberger Dom, Domkantor Albrecht Koch, Dompfarrer Urs Ebenauer.

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